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Informationen zur politischen Bildung (Heft 282)

Historische Entwicklung der Weltbevölkerung


Herwig Birg
Inhalt

Einleitung

Jahrhunderte des Wachstums

Trendwende im 20. Jahrhundert

Einflüsse auf die Wohlstandsverteilung

Einleitung
Bevölkerung ist mehr als eine bloße Ansammlung von Menschen. Sie definiert sich durch die den Individuen gemeinsamen Merkmale, zum Beispiel Wohnsitz und Arbeitsstätte, und darüber hinaus durch die sozialen, ökonomischen und kulturellen Beziehungen zwischen den Menschen.
Die Bevölkerung jedes Landes, jeder Region und jeder Gemeinde ist ständigen Veränderungen unterworfen. Dies geschieht durch Geburten und Sterbefälle sowie durch Zu- und Abwanderungen gegenüber anderen Gebieten des gleichen Landes (Binnenwanderungen) bzw. gegenüber dem Ausland (Außenwanderungen). Von diesen vier Ursachen der Veränderung ist die erste - die Geburtenzahl - die weitaus wichtigste, denn von ihr hängen die übrigen drei auf eine elementare Weise ab: Jede Geburt führt irgendwann zu einem Sterbefall und in der Regel zu mehreren Wohnortwechseln im Lebenslauf, die in der Bevölkerungsstatistik als Zu- und Abwanderungen in Erscheinung treten.
Die Summe aller vier Komponenten für ein bestimmtes Jahr oder für jeden anderen Zeitraum ist entweder positiv (Fall des Bevölkerungswachstums), negativ (Bevölkerungsschrumpfung) oder Null (Stagnation der Bevölkerung).
Die Veränderungen der Bevölkerungs- bzw. Geburtenbilanz sind dabei nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern - mittelbar - auch für das Individuum von Bedeutung. Denn individuelle Entscheidungen, wie zum Beispiel die für oder gegen Kinder, verändern nicht nur die Gesellschaft als Ganzes, sondern wirken auf den Einzelnen zurück. So kann es sein, dass bei gesamtgesellschaftlich anhaltend niedrigem Geburtenniveau eine schrumpfende Zahl der in die Renten- oder Krankenversicherung einzahlenden Erwerbstätigen einer gleichzeitig absolut wachsenden Anzahl von zu versorgenden älteren Menschen gegenübersteht und infolge dessen Renten gekürzt oder Beiträge zur Krankenversicherung erhöht werden müssen.
Die gesellschaftlichen Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Lebensbedingungen der Individuen können dazu führen, dass die aus Sicht des Einzelnen optimalen individuellen Entscheidungen in ihrer Summe einen demographischen und ökonomischen Zustand der Gesellschaft bewirken, durch den sich das Lebensniveau für den Einzelnen verringert, obwohl bzw. gerade weil die Individuen jeweils für sich optimale Entscheidungen getroffen haben.
In der deutschen Öffentlichkeit werden diese Zusammenhänge aus eigener Betroffenheit zunehmend diskutiert. Sie sind jedoch nicht eigentlich neu, sondern haben historische Vorläufer.
Die Zahlen über die Bevölkerungsentwicklung der Welt in den vergangenen Jahrhunderten stützen sich auf jahrzehntelange internationale Forschungsarbeiten auf der Grundlage vielfältiger historischer und literarischer Quellen. Regelmäßige Volkszählungen als Basis demographischer Informationen gibt es - abgesehen von Vorläufern zum Beispiel im Römischen Reich - nur für wenige europäische Länder erst seit dem 18. Jahrhundert.
Die meisten Entwicklungsländer verfügen auch heute noch nicht über zuverlässige Bevölkerungsdaten. Beispielsweise werden die jährlichen Geburten und Sterbefälle zwischen den im Abstand von etwa zehn Jahren durchgeführten Volkszählungen in vielen Ländern immer noch nicht vollständig registriert, und das gleiche gilt für die Zu- und Abwanderungen über die Staatsgrenzen sowie für die Wanderungsbewegungen innerhalb der Länder.
Auch Deutschland hat seit 1987 keine genauen Informationen mehr über die Zahl und die Zusammensetzung seiner Bevölkerung. Die Geburten- und Sterbefälle werden in der Bundesrepublik zwar praktisch vollständig registriert, aber nicht die jährlichen Zu- und Abwanderungen gegenüber dem Ausland, die die gleiche Größenordnung haben wie die Geburten und Sterbefälle. Die Schätzungen über die Zahl der in Deutschland lebenden, nicht registrierten Einwohnerinnen und Einwohner schwanken zwischen 500000 und einer Million.
Die Bevölkerungszahlen der amtlichen Statistik für einzelne Gemeinden und für Deutschland insgesamt beruhen alle auf der letzten Volkszählung von 1987. Darauf aufbauend wurden die Einwohnerzahlen für die Jahre danach durch die so genannte Bevölkerungsfortschreibung ermittelt, indem die Geburten und die Zuwanderungen Jahr für Jahr addiert und die Sterbefälle und die Abwanderungen subtrahiert wurden. Da die ins Ausland wegziehenden Menschen sich nicht alle in den Einwohnermeldeämtern abmelden und die illegal Zuwandernden sich nicht anmelden, wirken sich auf die Bevölkerungszahlen der amtlichen Statistik zwei Fehler mit umgekehrten Vorzeichen aus, deren genaues Ausmaß naturgemäß unbekannt ist.
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10. Februar 2012
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