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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 7/2008)

Stabilität des internationalen Finanzsystems


Wolfgang Filc
Inhalt

Einleitung

Aufgaben monetärer Märkte

Vertrauen in die Finanzmärkte

Flexible Wechselkurse und ihre Folgen

Mengen- und Preisprobleme

Die Ursachen mangelnder Effizienz

Was tun?

Flexible Wechselkurse und ihre Folgen
Der Übergang zu flexiblen Wechselkursen gegenüber dem US-Dollar im Frühjahr 1973 basierte auf Vertrauen in die Effizienz sich selbst überlassener Finanzmärkte. Denn wenn, wie die damals nahezu einhellige Meinung, von Regulierungen befreite Finanzmärkte zu effizienten Lösungen gelangen und deshalb Kurse, Preise und Renditen alle relevanten Informationen bestens reflektieren, ist es Sünde wider den marktwirtschaftlichen Geist, Devisenkurse als Preisscharnier zwischen Währungsräumen zu fixieren. Fixierte Scharniere rosten und verlieren Elastizität. Flexibilität dagegen garantiert Geschmeidigkeit und Anpassungsfähigkeit. Das Motto lautete: Deregulierte Finanzmärkte regeln sich von selbst, weil keine Gewinnchance ungenutzt gelassen wird. Deshalb werden stets Gleichgewichtswerte von Kursen, Preisen und Renditen erzielt.

Die "Finanzinnovation" flexible Wechselkurse markiert den Beginn einer neuen Epoche der Finanzbeziehungen. Der Ruf nach Deregulierung von Finanzmärkten wurde immer lauter. In rascher Folge entstanden Offshore-Finanzzentren, weitgehend frei von staatlichen Regulierungen, einer Bankenaufsicht, von Vorschriften für Eigenkapital, Großkredite oder anderem. Immer drängender wurden die Warnungen großer Geldhandelshäuser, ihre Geschäfte in Bankenfreizonen zu verlagern, nationale Finanzmärkte auszutrocknen, damit die Finanzierungsbedingungen zu erschweren und Steuereinnahmen aus Finanzgeschäften zu drücken. Die Wirtschaftspolitik verstand und folgte dem Drängen zur Durchsetzung von Interessen der Finanzmarktakteure.

Man meinte, die Entfesselung der Finanzmärkte von staatlichen Eingriffen würde zu größerem Wohlstand überall in der Welt führen. Mehr noch setzte sich die Auffassung durch, politische und gesellschaftliche Bedingungen müssten neuen ökonomischen Notwendigkeiten angepasst werden, die sich auf das Vertrauen in die Effizienz unreglementierter Finanzmärkte stützen. Das also stand auf der Rezeptur jener, die vollständige Liberalisierung und weitgehende Deregulierung der Finanzbeziehungen empfohlen hatten. Auf den Beipackzetteln war aber nicht vermerkt, dass damit Gefahren entstehen können, die sich zu einem Systemrisiko nicht nur für Finanzmärkte, sondern auch für Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ländern, die Weltwohlfahrt und die Stabilität marktwirtschaftlicher Systeme zusammenballen können.

Systemische Risiken sind deshalb auch Ergebnis wirtschaftspolitischer Entscheidungen. Die Wirtschaftspolitik entließ sich aus ihrer zuvor übernommenen Aufgabe, Risiken von Wertänderungen des Vermögens privater Anleger zu begrenzen, zunächst durch flexible Wechselkurse, später durch Deregulierung von Finanzmärkten. Diese Aufgabe institutioneller Vorkehrungen zur Begrenzung von Volatilitäten an Vermögensmärkten hat aber zu Entwicklungen beigetragen, die den für die Wirtschaftspolitik Verantwortlichen jetzt Kopfzerbrechen bereiten. Hier wiederholt sich die Geschichte vom Zauberlehrling. Es ist vorteilhaft, wenn sich Besen selbst in Schwung halten und die Zimmer kehren. Aber nichts schließt aus, dass sie ein Eigenleben entwickeln und schließlich den Zauberlehrling aus dem Zimmer fegen.
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10. Februar 2012
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Editorial
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