Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Informationen zur politischen Bildung (Heft 289)

Ethnische Minderheiten


Thomas Heberer
Inhalt

Einleitung

Zentrale Konfliktfelder

Reaktion der Betroffenen

Sonderfall Tibet

Reaktion der Betroffenen
Die ethnischen Minderheiten reagieren unterschiedlich auf diese Herausforderungen. Bei einigen Gruppen wächst das Selbstbewusstsein eigener ethnischer Identität. Bei Teilen schlägt Ethnizität in Widerstand um, bis hin zum Entstehen separatistischer Bewegungen. Vor allem bei einigen kleineren Nationalitäten hat sich eine Tendenz zur Resignation und Anpassung an die Han entwickelt.
Die kleinen nordostchinesischen Jägervölker (Ewenken, Oroqen, Dahuren, Hezhe) hat der von den Behörden erzwungene Wandel nahezu aufgerieben. Sie sollten ihr Nomadenleben aufgeben und Ackerbau betreiben. Das Verbot schamanistischer und animistischer Rituale und Praktiken zerstörte ihr Brauchtum. Wie die anderen indigenen Völker weltweit werden diese Gruppen durch Alkoholismus, Selbstmorde und Krankheiten dezimiert.
Allgemein lassen sich sieben Hauptformen ausmachen, mit denen Nicht-Han-Völker auf die genannten Konfliktpunkte reagieren. Sie sollen an einigen Beispielen vorgestellt werden:
  • Separatistische Strömungen: Bewegungen, die für eine gewaltsame Loslösung von China eintreten, finden wir in Xinjiang, wo rund ein Dutzend Gruppen unter pantürkischen oder panislamischen Vorzeichen für einen eigenen Staat kämpfen, in Tibet und - in geringerem Umfang - in der Inneren Mongolei.
  • Aktiver lokaler Widerstand: Offene Proteste führen immer wieder zu lokalen Unruhen. Sie richten sich gegen die Schließung von Moscheen, Tempeln oder Kirchen oder gegen die Umwandlung von Weide- in Ackerland, das Abholzen von Forstgebieten, Umweltverschmutzung und ökologische Zerstörungen durch Unternehmen von außerhalb des Siedlungsgebietes ("Han-Unternehmen"), Verletzungen von Brauchtum und Tabus lokaler ethnischer Gruppen, Eingriffe in soziale Belange (wie die versuchte Durchsetzung von Geburtenplanung oder das Verbot von "Verschwendung bei lokalen Festen").
  • Passiver lokaler Widerstand: Dazu zählen etwa die Abwanderung von Familien, Sippen oder sozialen Gruppen in die Berge und Wälder, um ungestörter dem eigenen Lebensrhythmus nachgehen zu können, sowie das Wiederaufleben der traditionellen Kultur (Untergrundmoscheen, islamische Untergrundschulen, Schamanen oder Priester).
  • Revitalisierung von Religion: Das Wiedererstarken der Religion lässt sich nicht nur im Islam und im tibetischen und mongolischen Buddhismus ausmachen, sondern gilt auch für animistische und schamanistische Glaubensvorstellungen. Sekten und chiliastische Bewegungen haben ebenfalls Zulauf. Bei verschiedenen Miao-Gruppen etwa findet die traditionelle Heilserwartung, dass nach einer Zeit der Katastrophe der Miao-König zurückkehren, den Miao das ihnen von den Han weggenommene Land zurückgeben, ihr Leben verbessern und ihnen möglicherweise einen eigenen Staat geben werde, wieder wachsende Verbreitung.
  • Anpassung an das han-chinesische Umfeld: Der Gebrauch der eigenen Sprachen und Schriften nimmt unter den meisten Minderheitenangehörigen ebenso ab wie das Tragen von Trachten. Ausschlaggebend hierfür sind einerseits Modernisierungsprozesse, die zu einer gewissen Angleichung im Alltagsleben führen. Andererseits werden die Schriften, Sprachen und Kulturen der Minderheiten im Bildungssystem als zweitrangig oder rückständig deklariert. Minderheitensprachen werden meist nur in der Grundschule oder der ersten Stufe der Mittelschulen gelehrt, danach ist Chinesisch die einzige Sprache. Wer eine Universität besuchen oder beruflich aufsteigen möchte, benötigt in erster Linie gute Chinesischkenntnisse. Viele Eltern wollen daher nicht mehr, dass ihren Kindern im Bildungssystem die eigene Sprache oder Schrift beigebracht wird. Sie bevorzugen eine eher "chinesische" Ausbildung.
Solange die politische Lage in China relativ stabil bleibt, wird es keine Loslösung von Nationalitäten geben. Zu groß ist die quantitative Überlegenheit der Han-Chinesen. Eine grundlegende Änderung der Nationalitätenpolitik wiederum ist ohne grundlegende Demokratisierung Chinas kaum denkbar.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Inhalt
Bild vergrößern
Volksrepublik China
Editorial
Aufstieg zur Weltmacht
Kurze Geschichte der Volksrepublik China
Chinas sozialistische Marktwirtschaft
China in der Weltwirtschaft
Charakteristika des politischen Systems
Gesellschaft im Umbruch
Ethnische Minderheiten
Bildung und Forschung
Rolle der kulturellen Tradition
Außenpolitik
Literaturhinweise und Internetadressen
Redaktion
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika:
Veranstaltungs-
dokumentation
Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft
Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft
Welche Erinnerungen prägen die chinesische Gesellschaft angesicht disparater Erfahrungen? Die Frage nach dem kulturellen Gedächtnis Chinas war Gegenstand eines zweitägigen internationalen Symposiums in Berlin.
Kulturelles Gedächtnis. China zwischen Vergangenheit und Zukunft