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Informationen zur politischen Bildung (Heft 271)
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Sinti und Roma als Feindbilder |

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Brigitte Mihok und Peter Widmann
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Vorurteil und Wirklichkeit tragen unterschiedliche Namen: Die Mehrheitsbevölkerung kennt diejenigen, die sich selbst als Sinti oder Roma bezeichnen, vor allem als "Zigeuner". Während über den Alltag der Sinti und Roma wenig bekannt ist, sind Klischees über "Zigeuner" weit verbreitet.
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Roma-Kinder in einem Vorort von Paris, März 2010. Foto: AP
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Von unheimlichen und verdächtigen Menschen ist auf der einen Seite die Rede, von Frauen in geblümten Röcken, die bettelnd in den Fußgängerzonen sitzen, von stehlenden Kindern oder Menschen, die angeblich auf anderer Leute Kosten leben. Neben solchen negativen Stereotypen verbinden viele Menschen mit dem Wort "Zigeuner" das, was ihnen in der modernen Leistungsgesellschaft fehlt: Freiheit und Naturverbundenheit, ein Leben auf der Reise, Zusammenhalt in der Gruppe, Musikalität, Magie und Geheimnis. In der Vorstellungswelt der Bevölkerungsmehrheit verkörpert der "Zigeuner" Gefahr und Idylle zugleich.
Abwehr herrscht gleichwohl vor. Den einschlägigen Umfragen seit den frühen 1960er Jahren zufolge sind "Zigeuner" in der Bundesrepublik mit Abstand die unbeliebteste aller Volksgruppen. 58 Prozent der Deutschen lehnten im Jahr 2002 "Zigeuner" als Nachbarn ab, wie das American Jewish Committee ermittelte. Auch in anderen europäischen Ländern ist die Abneigung gegen "Zigeuner" größer als die gegen Menschen anderer Herkunft. In einer Reihe von Umfragen zwischen 1996 und 2000 lehnten 87 Prozent der Slowaken Roma als Nachbarn ab. Ebenso äußerten sich 75 Prozent der Rumänen und 87 Prozent der Tschechen. Die Mitte der 1990er Jahre ermittelten Werte in Westeuropa liegen bei 65 Prozent in Großbritannien und 45 Prozent in Österreich.
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Quellentext
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"Sinti und Roma" oder "Zigeuner"? Den Begriff "Zigeuner" gibt es, seit diese Gruppe vor rund 600 Jahren in deutschsprachige Gebiete einwanderte. Möglicherweise leitet er sich aus dem Griechischen ab ("Die Unberührbaren"). Er wird heute mehrheitlich von den Angehörigen dieser Minderheit abgelehnt und als diskriminierend empfunden. Das ist verständlich, denn mit dem Wort "Zigeuner" wurden in Deutschland jahrhundertelang negative Zuschreibungen verbunden. In der Mehrheitsgesellschaft leitete man das Wort "Zigeuner" fälschlich von "ziehender Gauner" ab. Im Nationalsozialismus wurden Menschen als "Zigeuner" wegen ihrer angeblichen "Rassenzugehörigkeit" verfolgt und ermordet. Der Begriff ist also historisch belastet.
Seit Anfang der 1980er Jahre hat sich in der deutschen Öffentlichkeit die Bezeichnung "Sinti und Roma" eingebürgert. Die Eigenbezeichnungen "Sinti" und "Roma" sind seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nachweisbar. Mit dem Begriff "Roma" ("Rom" heißt in der Sprache Romanes "Mensch") bezeichnet man im deutschen Sprachgebiet die aus Ost- und Südosteuropa stammenden Gruppen der Minderheit. Außerhalb Deutschlands wird "Roma" als Bezeichnung für die Gesamtgruppe verwandt.
Der Begriff "Sinti und Roma" ist also aus guten Gründen an Stelle der Bezeichnung "Zigeuner" getreten. In der Auseinandersetzung um die Inschrift eines Mahnmals für den Völkermord an der Minderheit kritisierten einige Debattenteilnehmer allerdings, dass die Begriffe "Sinti" und "Roma" Gruppen wie Kale, Manusch oder Lowara nicht erfassen.
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Singular (m.)
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Plural (m)
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| Sinto |
Sinti |
| Rom |
Roma |
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Singular (w.)
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Plural (w.)
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| Sintiza |
Sintiza |
| Romni |
Romnija |
Brigitte Mihok/Peter Widmann/Rüdiger Fleiter
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10. Februar 2012
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Thema im Unterricht/Extra |
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Gesellschaft für Einsteiger
Ob Alter, Religion, Herkunft oder Beruf: Es gibt viele Merkmale, in denen sich die Menschen einer Gesellschaft unterscheiden. Doch wie bestimmen sie unsere individuelle Entwicklung und unser Zusammenleben? Die 20 farbigen Arbeitsblätter nähern sich auf einer sehr persönlichen Ebene den Grundlagen der Soziologie. |
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