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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 18/2007)

Schönheit - Erfolg - Macht


Nina Degele
Inhalt

Einleitung

Ideologie privaten Schönheitshandelns

Ideologie weiblichen Schönheitshandelns

Ideologie spaßigen Schönheitshandelns

Erfolgsorientiertes kompetentes Schönheitshandeln

Einleitung
Ich mach' mich nicht für andere schön, sondern für mich. Und ich muss mir gefallen, und nicht den anderen. Das finde ich ganz wichtig." So lautet eine typische Antwort auf die Frage "Was bedeutet es für Euch/Sie, sich schön zu machen?" Im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Studie wurde darüber mit insgesamt 160 Diskutantinnen und Diskutanten (31 Gruppen) unterschiedlichen Alters, Geschlechts, sozialer Herkunft und sexueller Orientierung diskutiert.[1]

Zur Person
Nina Degele
Dr. phil., geb. 1963; seit 2000 Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Universität Freiburg, Institut für Soziologie, Rempartstr. 15, 78085 Freiburg.
E-Mail: nina.degele@soziologie.uni-freiburg.de
Internet: www.soziologie.uni-freiburg.de/degele/index.html

Schön machen sich Menschen für sich selbst, nicht für andere. Zumindest soll es so erscheinen. Die Frauenzeitschrift Brigitte - und die muss es ja wissen - fand bei einer Umfrage aus dem Jahr 2001 heraus, dass sich 94 Prozent der 28.000 befragten Frauen für sich selbst schön machen, weil sie sich damit wohler und selbstsicherer fühlen (1978 waren es bei 27.000 Befragten 79 Prozent). Nur drei Prozent wollten anderen gefallen (1978 waren es 14 Prozent).[2] Glaubwürdig sind diese Zahlen nicht. Denn die Äußerungen sagen vor allem etwas darüber aus, was die Befragten für eine sozial erwünschte Antwort halten. Kein Wunder: Das Eingeständnis, sich für andere schön zu machen, käme für viele einer Bankrotterklärung gleich und wird daher geflissentlich unterlassen. Erst recht nicht lässt sich aus der Brigitte-Statistik ein gewachsenes Selbstbewusstein von Frauen ableiten, sich von der Meinung anderer unabhängig gemacht zu haben. Nähme man die Behauptungen der Befragten eins zu eins, liefe man Gefahr, puren Ideologiekonstruktionen auf den Leim zu gehen. Da hilft es auch nicht viel, wenn die Antworten - pseudowissenschaftlich - bis zwei Stellen hinter dem Komma ausgerechnet und ausgewertet werden.

Wir wollen offenbar andere glauben machen, dass wir über herrschende Schönheitsnormen erhaben sind. Und wir glauben, dass sich vor allem Frauen schön machen - ungeachtet einiger trendig aufgemachter Magazine für lifestyle-orientierte Männer mit natürlich aussehender Solariumsbräune und Waschbrettbauch. Zu guter Letzt sind wir davon überzeugt, der ganze Zauber um Schönheit mache auch noch Spaß: Schönheit sei machbar und etwas Schönes zu tun, sei eine lustvolle Angelegenheit. Tatsächlich verhält es sich ganz anders: Sichschönmachen ist keine Privatangelegenheit und keineswegs nur Frauensache. Und mit juxiger Oberflächlichkeit hat das auch alles nicht viel zu tun: Sichschönmachen ist mitunter harte, erfolgsorientierte Arbeit, die in tiefer liegende Identitätsschichten hinein reicht. Das geht viel tiefer, als es oberflächlich geführte Debatten zum Für und Wider des Schminkens, Frisierens, Kleidens, Rasierens, Piercens oder auch Operierens ahnen lassen.

Beim Sichschönmachen geht es nicht um Schönheit "an sich" und schon gar nicht um die Frage, was und wer schön (oder hässlich) ist. Es geht um pures "Schönheitshandeln" - als Medium der Kommunikation, das der Inszenierung der eigenen Außenwirkung zum Zweck der Erlangung von Aufmerksamkeit und Sicherung der eigenen Identität dient. Schönheitshandeln bedeutet, sich sozial zu positionieren. Im Gegensatz dazu bezieht sich der normativ verwendete Begriff Schönheit auf massenmedial produzierte und im Alltag gewichtige Auffassungen von dem, was Schönheit als Norm im medial-öffentlichen Diskurs in Abgrenzung zum Nicht-Schönen oder Hässlichen ist oder sein soll. Beim "Schönheitshandeln" dagegen interessiert nicht das ästhetische Urteil der Rezipientinnen und Rezipienten, sondern die gelingende oder misslingende Anerkennung, also der Erfolg. Gelingt es der Punkfrau mit gelbem Irokesenlook, abgewetzter Lederjacke, Nasenring und sicherheitsbenadelten Jeansfetzen, spießige Normalos auf der Straße zu schockieren, hat sie ihr Ziel erreicht: Sie weiß, zu wem sie gehört und von wem sie sich abzugrenzen hat. Schönheitshandeln ist ein sozialer Prozess, in dem Menschen versuchen, soziale (Anerkennungs-)Effekte zu erzielen. Dabei stehen Werte wie Individualität, Autonomie und Authentizität im Vordergrund. Das lässt sich durchaus als ein Erbe der Aufklärung interpretieren. Denn die Auffassung, dass es überhaupt so etwas wie eigenständige Individuen, dass es etwas "Unteilbares", nämlich Individualität gibt, wurzelt in einem Kernglauben der Aufklärung, der Mensch sei für sein eigenes Leben selbst verantwortlich, er könne es in die eigenen Hände nehmen und gestalten.

Diese Verlagerung von Verantwortung weg von Gott und Schicksal hin zum Individuum betraf auch Seele und Körper, Befindlichkeit und den Eindruck, den man aufgrund seines oder ihres Äußeren vermittelt. Sichschönmachen ist damit auch eine Strategie gesellschaftlicher Macht und sozialen Erfolgs - zumindest ein Versuch. Einige Komponenten eines solchen Schönheitshandelns möchte ich im Folgenden vorstellen.
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08. Februar 2012
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Körperkult und Schönheitswahn
Editorial
Körperkult und Schönheitswahn - Wider den Zeitgeist - Essay
Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults
Der Körper als kulturelle Inszenierung und Statussymbol
Schönheit - Erfolg - Macht
Der Preis der Schönheit: Nutzen und Lasten ihrer Verehrung
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Sport und Politik sind enger miteinander verbunden als allgemein angenommen. So haben sportliche Veranstaltungen immer auch eine symbolische und politische Bedeutung. Die enge Liaison zwischen Politik und Fußball lässt sich am Beispiel der Schweiz gut verdeutlichen. Das Land durchbrach gleich zweimal die "Blockade" gegen Deutschland.
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