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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 43/2005)

Die Arbeitsmärkte - Stellgröße für mehr Beschäftigung?


Friedhelm Hengsbach
Inhalt

Einleitung

Selektion

Arbeitsmärkte

Kündigungsschutz

Arbeitszeiten

Tarifverträge

Lohnkosten

Lohnstruktur

Lohnnebenkosten

Selektion
Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist strukturell verursacht. So lautet ein dominantes Urteil auf Grund selektiver Wahrnehmung. Friktionelle, saisonale, konjunkturelle, technikinduzierte oder exogene Ursachen gelten als nachrangig. Nun gibt es verschiedene Strukturbrüche, die, indem sie kumuliert auftreten, eine Massenarbeitslosigkeit erklären, etwa die polarisierte Verteilung der Einkommen und Vermögen, das regionale Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschen, die Ungleichheit der Lebenschancen von Männern und Frauen, die Umschichtung der kaufkräftigen Nachfrage von Industriewaren zu kulturellen Dienstleistungen, die Funktionsdefizite im Zusammenspiel von monetärer und realwirtschaftlicher Sphäre sowie reale Zinsdifferenzen in den Ländern der EU, die bei nominal gleichem Zinssatz und unterschiedlichen Inflationsraten auftreten. Bei diesem Ursachenspektrum ist es verwunderlich, dass in der rot-grünen Koalition den Strukturbrüchen auf dem Arbeitsmarkt ein derartiges Gewicht zur Erklärung der hohen und anhaltenden Arbeitslosigkeit zukam.

Sie folgte dabei dem hegemonialen Erklärungsmuster, das von wirtschaftlichen Experten vertreten und von marktbestimmenden Medien verbreitet wird. Unter den deutschen Ökonomen gilt nahezu unangefochten die Hypothese einer "natürlichen" Arbeitslosigkeit. Diese Form struktureller Arbeitslosigkeit wird auch als "inflationsstabile Arbeitslosigkeit" bezeichnet. Sie könne durch eine wachsende Güternachfrage zwar verringert werden, aber nicht ohne gleichzeitig einen Anstieg der Inflationsrate zu riskieren. Als Ursache einer solchen Arbeitslosigkeit werden in erster Linie institutionelle Starrheiten des Arbeitsmarkts, etwa ein komfortables Arbeitslosengeld, starke Gewerkschaftsmacht und flächendeckende Tarifverträge genannt.

Der Begriff einer "inflationsstabilen" Arbeitslosenquote ist jedoch aus zwei Variablen gebildet, nämlich der Zahl der Arbeitslosen und der Inflationsrate, die jeweils von unterschiedlichen mikro- und makroökonomischen Faktoren beeinflusst werden. Im Vergleich mit den institutionellen Starrheiten des Arbeitsmarktes wird das Gewicht, das eine überdehnt restriktive Geldpolitik und als deren Folge eine minimale Inflationsrate für die Höhe und Entwicklung der Arbeitslosigkeit spielen, systematisch unterschätzt, und zwar gerade dann, wenn die Nominallöhne nach unten starr sind. Nicht auszuschließen ist, dass eine Nullinflation im Vergleich mit einer dreiprozentigen Inflationsrate die langfristige natürliche Arbeitslosigkeit ansteigen lässt. Weitere makroökonomische Bestimmungsfaktoren der Arbeitslosigkeit sind eine sinkende Produktivitätsrate und ein steigendes Realzinsniveau. In Anbetracht unsicherer Schätzergebnisse sollten jedenfalls beide Varianten, die makroökonomische und die mikroökonomische Erklärung der natürlichen Arbeitslosenquote, im Blick bleiben.[2]
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10. Februar 2012
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Editorial
Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsethik
Eine wirtschaftspolitische Bilanz der rot-grünen Bundesregierung
Die Arbeitsmärkte - Stellgröße für mehr Beschäftigung?
Arbeitsmarktpolitik in Deutschland
Marktwirtschaft und Sozialstaat: Zukunftsmodell für Deutschland
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