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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 43/2005)

Die Arbeitsmärkte - Stellgröße für mehr Beschäftigung?


Friedhelm Hengsbach
Inhalt

Einleitung

Selektion

Arbeitsmärkte

Kündigungsschutz

Arbeitszeiten

Tarifverträge

Lohnkosten

Lohnstruktur

Lohnnebenkosten

Arbeitszeiten
Die angeblich starren Arbeitszeitregeln in Deutschland sind ein fortdauernder Anstoß öffentlichen Unbehagens. Helmut Kohls Klage über den "kollektiven Freizeitpark Deutschland" hat sich ins Gedächtnis eingeprägt. Das Institut der deutschen Wirtschaft gab vor kurzem zu bedenken, dass die Arbeitnehmer hierzulande die kürzesten Arbeitszeiten rund um den Globus genießen. Solche Vermutungen münden in den Vorwurf, dass die wöchentlichen Arbeitszeiten zu kurz, die Zahl der Feiertage zu hoch, die Urlaubsansprüche zu umfangreich seien. Peter Hartz hat die Formel vom "atmenden Unternehmen" geprägt;[4] die Belegschaftsmitglieder sollten mit flexiblen Arbeitszeiten auf die schwankende Nachfrage der Kunden reagieren. Die CDU/CSU sieht in verlängerten Arbeitszeiten einen Ausweg aus der Beschäftigungskrise, während die SPD die Belegschaften einzelner Betriebe dafür lobt, dass sie längere Arbeitszeiten akzeptiert habe, um gefährdete Arbeitsplätze in Deutschland zu retten.

Das Arbeitszeitargument ist im internationalen Vergleich nur differenziert verwendbar. Denn die tariflichen, die betrieblich vereinbarten und die tatsächlichen Arbeitszeiten weichen voneinander ab. Die tatsächliche Arbeitszeit betrug 2003 in Deutschland durchschnittlich 40 Stunden, die der Vollzeitbeschäftigten 42 Stunden. Eine um die Teilzeitkräfte bereinigte Statistik aus 16 europäischen Staaten verweist Deutschland ins Mittelfeld.[5] Das Argument, eine allgemeine Verlängerung der Arbeitszeit könne die Wachstumsschwäche überwinden und den Konjunkturaufschwung beschleunigen, klingt nur überzeugend, wenn zahlreiche Glieder einer Argumentationskette ineinander greifen. Es wird nämlich unterstellt, dass die Verlängerung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich eine Senkung der Arbeitskosten bewirke und dass die Unternehmer die Kostensenkung in einer Preissenkung ihrer Produkte weitergäben. Die privaten Haushalte würden daraufhin entdecken, dass ihre Realeinkommen ansteigen, und konsequent ihre Konsumnachfrage ausweiten.

Indem entsprechend die Gewinnerwartungen der Unternehmen stiegen, würden diese die Nachfrage nach Investitionsgütern erhöhen und zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Damit sei ein Abbau der Arbeitslosigkeit in Sicht. Aber was geschieht, wenn nur zwei Glieder dieser Argumentationskette brechen? Falls etwa die Unternehmen die Kostensenkung nicht mit einer Preissenkung beantworten? Oder falls die Haushalte die Steigerung ihrer Realeinkommen zwar bemerken, aber sich nicht zu einer Ausweitung des Konsums, sondern - angesichts der tatsächlichen oder befürchteten Einschnitte, die sie als kumulierte Wirkungen der "Sozialreformen" bemerken - vermehrt sparen? Dann hätten die Unternehmen keine Veranlassung mehr, zusätzliche Investitionen zu planen. Die Logik einer Arbeitszeitverlängerung, die einen Wachstumsschub oder einen konjunkturellen Aufschwung auslösen soll, überzeugt nicht.
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10. Februar 2012
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Wirtschaftspolitik
Editorial
Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsethik
Eine wirtschaftspolitische Bilanz der rot-grünen Bundesregierung
Die Arbeitsmärkte - Stellgröße für mehr Beschäftigung?
Arbeitsmarktpolitik in Deutschland
Marktwirtschaft und Sozialstaat: Zukunftsmodell für Deutschland
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