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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 27/2005)

Vietnam: Netzwerke zwischen Sozialismus und Kapitalismus


Karin Weiss
Inhalt

Einleitung

Zuwanderung zu Lehr- und Ausbildungszwecken

Arbeitszuwanderung

Neuorientierung im vereinten Deutschland

Die Netzwerke der Rückkehrer

Der Nutzen der Netzwerke

Einleitung
Redet man in der Bundesrepublik Deutschland über Zuwanderung aus Vietnam, ist damit meist von den Migrantinnen und Migranten die Rede, die als vietnamesische Kontingentflüchtlinge in den siebziger Jahren unter starker öffentlicher Anteilnahme in der Bundesrepublik aufgenommen wurden.[1] Weit weniger bekannt ist die Einwanderung der Vietnamesen, die als Schüler, Studierende, Auszubildende und Praktikanten seit den frühen fünfziger Jahren in die DDR kamen oder ab Beginn der achtziger Jahre als Vertragsarbeiter in der DDR eingesetzt wurden. Viele von ihnen sind nach Beendigung ihrer Ausbildung bzw. ihres Arbeitseinsatzes nach Vietnam zurückgekehrt und haben Beträchtliches für die Entwicklung Vietnams und der deutsch-vietnamesischen Beziehungen geleistet.[2]

Zur Person
Karin Weiss
Dr. phil., geb. 1951; Professorin an der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Sozialwesen, Postfach 60 06 08, 14406 Potsdam.
E-Mail: weiss@fh-potsdam.de


Schon ab 1955 wurden Schülerinnen und Schüler aus Vietnam in der DDR aufgenommen. Sie waren nach einer Gruppe aus Nordkorea die zweite Gruppe von Kindern, die im Rahmen einer Solidaritätsaktion eine schulische und berufliche Ausbildung in der DDR erhielten. 1955/56 reisten die ersten 348 Kinder in die DDR ein und wurden in Dresden und Moritzburg aufgenommen. Viele dieser Kinder, die im Alter von 10 bis 14 Jahren in die DDR gekommen waren, kehrten erst als Erwachsene nach Vietnam zurück. Trotz unterschiedlichster Biographien verbindet sie aber bis heute auch in Vietnam ihr Leben in der DDR, noch heute führen sie den Namen "Moritzburger". Sie treffen sich regelmäßig und haben in ihren unterschiedlichen Berufen und sozialen Positionen die Entwicklung des heutigen Vietnams mit beeinflusst, wie in der Verbleibsstudie von Mirjam Freytag ausführlich dargestellt wird.[3]

Nach den "Moritzburgern" kamen weitere Gruppen von Vietnamesen zur Qualifizierung in die DDR. Insbesondere wurden im Rahmen der Aktion "Solidarität hilft siegen" Mitte der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre viele Studierende, Schüler und Lehrlinge aus Vietnam in der DDR ausgebildet, um das "sozialistische Bruderland" zu unterstützen.[4] Auch nach der Vereinigung der beiden vietnamesischen Staaten gingen weiterhin kontinuierlich Schüler, Studenten, Lehrlinge und Wissenschaftler aus Vietnam zur Qualifizierung in die DDR.
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10. Februar 2012
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