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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)

Psychische Folgen der Internetnutzung


Nicola Döring
Inhalt

Einleitung

Internetkompetenz

Gesundheit und Internet

Identität und Internet

Soziale Beziehungen und Internet

Fazit

Gesundheit und Internet
Die große Mehrheit der Onlinerinnen und Onliner - in den USA sind es beispielsweise rund 80 Prozent - informiert sich bei gesundheitlichen Beschwerden im Internet über Krankheitsbild, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.[5] Der komfortable und direkte Zugriff auf eine große Fülle von überwiegend seriösen Gesundheitsinformationen trägt dazu bei, dass sich Betroffene zeitnah und aktiv mit ihren Krankheiten befassen, zum Arztbesuch motiviert werden, kompetenter mit medizinischem Personal kommunizieren können, sich entscheidungssicherer fühlen und zu mündigeren Patienten und Konsumenten auf dem Gesundheitsmarkt werden - Faktoren, die Behandlung und Genesung unterstützen. Mit entsprechender Informationskompetenz fällt es leicht, aus der Fülle der Angebote zielgerichtet Online-Informationen zur gesuchten Krankheit auszuwählen und diese hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit kritisch zu bewerten.

Neben den Informationsangeboten gibt es mittlerweile für viele gesundheitliche Probleme entsprechende Online-Selbsthilfegruppen, etwa für Brustkrebspatientinnen, für Kinder, die an Diabetes leiden, für Angehörige von Demenzpatienten, ungewollt Kinderlose, HIV-Positive, Depressive oder Allergiker. In diesen Foren unterstützen sich Betroffene und Angehörige bei Bedarf anonym und unabhängig von Ort und Zeit, indem sie einander Ratschläge geben, Trost und Ermutigung bei der Krankheitsbewältigung zusprechen usf.[6] Für die Lebenszufriedenheit des Patienten ist das subjektive Empfinden, das sich durch die Einbindung in eine Selbsthilfegruppe meist verbessert, entscheidender als der tatsächliche gesundheitliche Zustand. Die vom heimischen Computer aus jederzeit kontaktierbaren Online-Selbsthilfegruppen sind vor allem für Menschen wichtig, die aus persönlichen, gesundheitlichen oder beruflichen Gründen keinen Zugang zu herkömmlichen Offline-Selbsthilfegruppen haben. Online-Selbsthilfegruppen füllen also eine psycho-soziale Versorgungslücke und werden in einer alternden Gesellschaft, in der das Leben mit chronischen Krankheiten und Behinderungen alltäglicher wird, weiterhin stark an Bedeutung gewinnen.

Zur Online-Gesundheitsprävention stehen neben allgemeinen und spezifischen Informationen vor allem interaktive Online-Dienste zur Verfügung, die auf der Basis individueller Voraussetzungen und Ziele als persönlicher Gesundheitscoach fungieren: Wer etwa ein langfristiges Ernährungs-, Fitness-, Stessbewältigungs- oder Anti-Rauch-Programm absolviert, kann sich durch diese Dienste begleiten lassen; er oder sie erhält auf diese Weise Rückmeldungen über Erfolge und Hilfestellung bei Misserfolgen. Entsprechende Online-Coaches werden unter anderem von Publikumszeitschriften und Krankenkassen im World Wide Web angeboten. Ihre Akzeptanz, Wirksamkeit und Wirkungsweise sollten zukünftig noch genauer untersucht werden.[7] Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass gesundheitsbezogene Informationen, Selbsthilfegruppen und Coaching-Dienste im Internet den direkten Kontakt zu medizinischen Einrichtungen und Fachleuten zwar nicht ersetzen können und sollen. Aber sie können begleitend und ergänzend zu herkömmlichen Behandlungsprogrammen eingesetzt werden, um die Reichweite und Qualität der Gesundheitsversorgung und damit das Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern.

Damit die Internetnutzung nicht selbst zum Gesundheitsrisiko wird bzw. das körperliche und seelische Wohlbefinden mindert, ist darauf zu achten, dass sich der allgemeine Bewegungs- und Schlafmangel unserer Zivilisation nicht durch stundenlange nächtliche Computersitzungen weiter verstärkt. In der Regel verzichten Internetnutzer jedoch nicht auf sportliche Betätigung; eher schränken sie den Fernsehkonsum ein oder nutzen das Fernsehen als Hintergrundmedium, um so Zeit für Online-Aktivitäten zu gewinnen. Sofern jedoch im Einzelfall die Tendenz zu starker Bewegungsarmut besteht, kann im Sinne der Selbstregulation sowie durch Erziehung und Bildung darauf hingewirkt werden, die Gewohnheit zu entwickeln, sich Internetzeit durch entsprechende Zeiteinheiten sportlicher Betätigung "zu verdienen".[8]
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10. Februar 2012
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Neue Medien - Internet - Kommunikation
Editorial
Raumzeitliche Struktur im Internet
Globalisierung der Medien und transkulturelle Kommunikation
Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert
Perspektiven eines alternativen Internet
Internetnutzung von Migranten - ein Weg zur Integration?
Kinder und Jugendliche zwischen Virtualität und Realität
Psychische Folgen der Internetnutzung
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