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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)
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Psychische Folgen der Internetnutzung |

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Nicola Döring
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Ein zweiter wesentlicher Faktor für psychisches Wohlbefinden ist ein positives Selbstbild. Dieses wiederum kann sich unter anderem dann entwickeln, wenn wir Erfolgserlebnisse haben, etwas schaffen, worauf wir stolz sein können; und wenn wir die Möglichkeit haben, das, was uns beschäftigt und ausmacht - unsere Identität mit all ihren Teilidentitäten -, auszudrücken und dabei positive Resonanz von anderen erhalten: Wenn wir uns gesehen, verstanden und anerkannt fühlen. Das Internet bietet eine neue öffentliche Bühne für Identitätsdarstellungen von Individuen und Gruppen mit gleichberechtigtem Zugang für alle Internetnutzer, die entsprechende Kompetenzen mitbringen bzw. erwerben.
Auf persönlichen Homepages, in Online-Profilen und Internettagebüchern beantworten Menschen sich selbst und anderen die Frage "Wer bin ich?". Bei diesen Selbstpräsentationen handelt es sich nicht um fiktive virtuelle Identitäten. Die Verfasserinnen und Verfasser verweisen in Wort und Bild - in mehr oder minder anspruchsvoller und umfassender Gestaltung - auf diverse Aspekte ihrer Identität: auf berufliche Tätigkeiten, Hobbies, Familie und Freunde, Wohn- und Urlaubsorte, äußeres Erscheinungsbild, politisches Engagement, kritische Lebensereignisse usw. Die öffentliche und selbstbestimmte Darstellung der eigenen Identität im Internet kann - durch ihre mediale Gestaltung, durch die Vernetzung mit Gleichgesinnten und durch positive Resonanz - das Selbstvertrauen stärken und ein selbstsicheres Auftreten außerhalb des Netzes unterstützen. Besonders große Bedeutung hat sie im Jugendalter, in dem die Suche nach der eigenen Identität eine zentrale Entwicklungsaufgabe darstellt. Aber auch für Erwachsene, die von kritischen Lebensereignissen betroffen sind (etwa Trennungen oder Todesfällen), gesellschaftlichen Minderheiten angehören (aufgrund ihrer Ethnizität oder sexuellen Orientierung) oder künstlerisch ambitioniert sind, kann Internetöffentlichkeit bei der Identitätsarbeit hilfreich sein. Damit die eigene Privatsphäre geschützt bleibt und dennoch bei Bedarf heikle Persönlichkeitsaspekte thematisiert werden können, werden Online-Selbstdarstellungen ggf. auch pseudonym erstellt oder nur für bestimmte Nutzergruppen freigeschaltet.
Bei diesen persönlichen Internetpublikationen handelt es sich um Nischenmedien, die sich an Freunde und Bekannte, an Mitbetroffene und Interessierte wenden und von diesen aktiv abgerufen werden. Sie zielen ausdrücklich nicht auf ein Massenpublikum und einen Massengeschmack ab, müssen und wollen keine "Quote" machen oder in Inhalt und Form den Trendmedien entsprechen. Ihre Stärke liegt in der Authentizität des individuellen Ausdrucks, inklusive möglicher Unbeholfenheit und Improvisation, die im Kontrast zur Hochglanzästhetik der normierten kommerziellen Medienwirklichkeit steht. Das natürliche Selbstdarstellungs- und Mitteilungsbedürfnis von Internetnutzern "wie du und ich", die ihre Belange mit eigener Stimme artikulieren und mit eigenen Stilmitteln zum Ausdruck bringen, wird oft vorschnell als "virtueller Exhibitionismus" diffamiert. Doch eine demokratische Mediengesellschaft sollte die breite Partizipation der Bürgerinnen und Bürger an der Produktion von Medieninhalten begrüßen. Dass dabei auch private Themen eine Rolle spielen, verwundert nicht, da diese doch für Identität und Lebenszufriedenheit von großer Bedeutung sind. Dabei dürfen die Persönlichkeitsrechte Dritter freilich nicht verletzt werden; auch ist es verboten, verfassungsfeindliche Botschaften zu verbreiten, denn ein rechtsfreier Raum ist das Internet nicht.
Während persönlichen Online-Publikationen wie Homepages, Online-Profilen oder Internettagebüchern oft Exhibitionismus und übertriebene Selbstoffenbarung vorgeworfen werden, steht computervermittelte Kommunikation - beispielsweise das Chatten - im Verdacht, von Identitätstäuschungen und Maskerade geprägt zu sein. Empirische Studien zeigen jedoch, dass beliebige Identitätstäuschungen eher selten vorkommen: Entsprechende Texte zu verfassen, ist aufwändig und meist wenig lohnend. Auch der viel beschworene Online-Geschlechterwechsel wird nur von einer winzigen Minderheit der Internetnutzer regelmäßig vollzogen, die meisten nutzen die Freiheiten der computervermittelten Kommunikation einfach, um sich ein wenig vorteilhafter darzustellen und leichter mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Manchmal können spielerische Identitätsexperimente im Internet (so geben sich Jugendliche im Chatroom mitunter älter aus als sie sind) neue Einsichten vermitteln und die Sozialkompetenz verbessern. Dass sich auch Menschen mit kriminellen Absichten das Internet zunutze machen, sollte zwar Anlass zur Vorsicht sein, aber nicht zu übertriebenem Misstrauen führen. Der größte Teil der computervermittelten Kommunikation findet mit Menschen statt, die wir auch sonst aus dem Alltag kennen, so dass Identitätsverschleierungen kaum möglich sind. Im Gegenteil, nicht nur schüchterne Menschen berichten, dass sie sich bei der Online-Kommunikation per E-Mail, Chat oder Instant Messenger oft entspannter fühlen als im direkten Gespräch und dass es ihnen leichter fällt, ihr wahres Ich zu zeigen. |
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10. Februar 2012
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Arbeitsmaterialien Medien |
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Medienpädagogik "Wissensgesellschaft"
Wir leben in einer "Informations-" und "Wissensgesellschaft" – aber was bedeutet das konkret? Die multimediale Publikation erschließt die Folgen der neuen Medien für Politik, Wirtschaft und Alltag. |
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