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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 12/2001)

Umweltpolitik und nachhaltige Friedenspolitik


Ein neues Thema auf der internationalen Agenda
Alexander Carius / Eileen Petzold-Bradley / Stefanie Pfahl
Inhalt

I. Einführung

II. Konfliktlagen

III. Handlungserfordernisse

I. Einführung
Im Frühjahr 2000 kam es in der bolivianischen Stadt Cochabamba zu bürgerkriegsähnlichen Zusammenstößen zwischen Polizei und Militär und der protestierenden lokalen Bevölkerung, in deren Folge einige Hundert Demonstranten verletzt und zahlreiche getötet wurden. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen waren die Folge eines dauernden Konfliktes über die Privatisierung der Wasserversorgung durch ein britisches Unternehmen, das im Rahmen der Privatisierungsempfehlungen der Weltbank für Bolivien die Wasserpreise deutlich erhöht hatte. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser war damit einem wesentlichen Teil der lokalen, einkommensschwachen Bevölkerung verwehrt. Die bolivianische Regierung entzog daraufhin dem Unternehmen die Konzession für die Privatisierung und machte die Freigabe der Wasserpreise wieder rückgängig [1] . Dies ist einer der jüngsten Fälle umwelt- und ressourceninduzierter gewaltsamer Auseinandersetzungen, die sowohl in akademischen Diskursen als auch seitens zahlreicher politischer Entscheidungsträger zunehmend thematisiert werden.

  • PDF-Version: 73 KB


  • Zur Person
    Alexander Carius
    Dipl.-Pol., geb. 1964; Geschäftsführer und Projektleiter, Ecologic-Institut für Internationale und Europäische Umweltpolitik, Berlin.

    Anschrift: Ecologic-Institut, Pflazburger Straße 43-44, 10711 Berlin.
    E-Mail: carius@ecologic.de

    Zahlreiche Veröffentlichungen zur internationalen und europäischen Umweltpolitik und Osterweiterung der Europäischen Union.

    Naturkatastrophen und extreme Wetterveränderungen wie Wirbelstürme, Überschwemmungen und anhaltende Trockenheit nehmen an Intensität und Häufigkeit deutlich zu. Deren sozioökonomische Auswirkungen treffen am schwersten die Entwicklungsländer. Mehr als 97 Prozent der Opfer von Naturkatastrophen, so Schätzungen der Internationalen Dekade zur Verminderung von Naturkatastrophen (IDNDR) der Vereinten Nationen, werden von den Entwicklungsländern beklagt [2] .

    Zur Person
    Eileen Petzold-Bradley
    M. A., geb. 1971; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic-Institut für Internationale und Europäische Umweltpolitik, Berlin.

    Anschrift: s. o.;
    E-Mail: petzold-bradley@ecologic.de

    Veröffentlichungen zu umwelt- und sicherheitspolitischen Themen.

    Dabei ist der Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung, Ressourcenverknappung sowie gerechter Verteilung natürlicher Ressourcen und den humanitären Folgen wie Hungersnöten, Armut, Flüchtlingsströmen, Migration und Bevölkerungsdruck unbestritten; deren Folgen fallen jedoch regional unterschiedlich gravierend aus. Gewaltsam ausgetragene Bodendegradationskonflikte im Sahel, Bergbaukonflikte im Südpazifik, Wasserkonflikte im Nahen und Mittleren Osten und Migrationskonflikte in Ostafrika zeigen die Dramatik dieser Entwicklung auf.

    Zur Person
    Stefanie Pfahl
    Dr. phil., geb. 1968; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ecologic-Institut für Internationale und Europäische Umweltpolitik, Berlin.

    Anschrift: s. o.;
    E-Mail: pfahl@ecologic.de

    Veröffentlichungen zur internationalen Umweltpolitik.


    Es sind die Regionen des Südens, die durch die Folgen von Umweltbeeinträchtigung, von ungleicher Verteilung oder mangelndem Zugang zu natürlichen Ressourcen am gravierendsten betroffen sind. Umweltzerstörung lähmt hier das ohnehin geringe Entwicklungspotential. Vor allem in Afrika kommt es daher vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bis hin zu Kriegen und Genoziden, die teilweise auf Umweltveränderungen zurückzuführen sind. 1999 waren allein auf dem afrikanischen Kontinent 14 der 53 Staaten in bewaffnete Konflikte verwickelt, in deren Folge mehr als acht Millionen Menschen flüchteten oder zur Migration gezwungen wurden [3] .

    Inwieweit Umweltstress und die damit verbundenen sozioökonomischen Fehlentwicklungen und Entwicklungskrisen zugleich sicherheitsrelevante Risiken bis hin zu gewaltsamen Konflikten hervorrufen, und welche konkreten politischen und gesellschaftlichen Lösungsansätze zur Prävention dieser Konflikte erforderlich sind, ist eine zunehmend wichtige Frage für internationale und regionale Organisationen, nationale Regierungen und zivilgesellschaftliche Gruppen [4] . Neben dieser neuen sicherheitspolitischen Dimension des globalen Umweltwandels legen auch die zunehmenden finanziellen Aufwendungen westlicher Gebereinrichtungen und internationaler Hilfsorganisationen für humanitäre Hilfe und konfliktbearbeitende Maßnahmen und Programme nahe, der Prävention und konstruktiven Bearbeitung der Konfliktursachen eine noch größere Bedeutung beizumessen. Wenngleich die finanziellen Aufwendungen für die Entwicklungszusammenarbeit und Maßnahmen der humanitären Hilfe in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind, betrug der finanzielle Aufwand für humanitäre Hilfe 1995 und 1996 insgesamt rund 5,9 Mrd. US-Dollar [5] . Diese Mittel werden damit indirekt konfliktpräventiven Maßnahmen entzogen, deren finanzielle Förderung und Ausweitung in der Öffentlichkeit ohnehin nur schwer durchsetzbar sind.

    In diesem Beitrag werden wir in Kapitel II einen Überblick über die wesentlichen Merkmale von Umweltkonflikten geben und konfliktpräventive Ansätze und Maßnahmen verschiedener regionaler und internationaler Institutionen beleuchten. In Kapitel III befassen wir uns mit den wichtigsten Elementen einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Friedenspolitik und skizzieren einige strukturelle, institutionelle und praktische Handlungsansätze.
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    09. Februar 2012
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    Umweltpolitik und Nachhaltigkeit
    Editorial
    Von der ökologischen Sicherheit zum nachhaltigen Frieden?
    Umweltpolitik und nachhaltige Friedenspolitik
    Krisenprävention in einer gewaltträchtigen Welt. Was kann europäische und deutsche Entwicklungspolitik leisten?
    Umweltflüchtlinge. Ursachen und Lösungsansätze
    Fortgesetzte Umweltzerstörung in Lateinamerika trotz des Diskurses der nachhaltigen Entwicklung?
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