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Arktis und Antarktis im Klimawandel


9.11.2007
Die Polargebiete sind eines der wichtigsten Frühwarnsysteme im globalen Klimasystem. Dortige Veränderungen werden weltweit spürbare Auswirkungen auf Klima, Geopolitik und Ökosysteme nach sich ziehen.

Einleitung



September 1912, Nordküste Spitzbergens: "Wie in einer Mausefalle sitzen wir hier; in der Bucht ein Spielraum freien Wassers, die Ausfahrt aber durch Eis blockiert. (...) Während ich dieses schreibe, mahlen die Eisschollen an den Schiffswänden, und alle Augenblicke gibt es einen Stoß aus dieser oder jener Richtung."[1]




95 Jahre später, gleiche Jahreszeit, gleicher Ort: von Eis weit und breit keine Spur. Nur offenes Wasser, leise schwappende Wellen, leichter Regen. Am 16. September 2007 endete in der Arktis eine Schmelzsaison, in deren Verlauf die Ausdehnung des Meereises auf 4,3 Millionen Quadratkilometer zurückging - knapp halb so viel Eis wie noch in den 1950er Jahren und etwa 1,4 Millionen Quadratkilometer weniger als im Vorjahr. Eine solche Abnahme des Meereises um das Vierfache der Fläche Deutschlands innerhalb eines Jahres tritt selbst in den pessimistischsten Modellberechnungen für den Weltklimareport nicht auf.[2] Die "New York Times" berichtete daraufhin, dass der Arktische Ozean möglicherweise schon im Sommer 2013 eisfrei sein könnte. In Deutschland rückte die Frage in den Mittelpunkt, ob Knuts Anverwandte in freier Wildbahn eine Überlebenschance hätten.[3]

Inwiefern sind solche Prognosen Panikmache, was ist wissenschaftlich abgesichert? Welchen Einfluss hat der Mensch auf die Verschiebungen im arktischen Klimasystem, welche geopolitischen, ökologischen und humanitären Auswirkungen könnten sie haben? Und warum sind die Veränderungen in hohen Breiten auch für uns in Mitteleuropa von einschneidender Bedeutung?

Diese Fragen sollen hier näher diskutiert werden.[4] Zunächst muss die Rolle der Polargebiete im Klimasystem der Erde näher beleuchtet werden. Diese sind für das Klimageschehen auf unserem Planeten von weitaus größerer Bedeutung, als es ihre abgeschiedene Lage vermuten lässt: Der Zyklus von Eiszeiten wird mit großer Wahrscheinlichkeit von Klimaprozessen in Polargebieten gravierend beeinflusst, die Höhe des Meeresspiegels ist direkt an die Menge des im polaren Landeis gebundenen Süßwassers gekoppelt, einige der wichtigsten Steuermechanismen der globalen Ozeanzirkulation liegen in hohen Breiten. Die Polargebiete bilden eine Art Frühwarnsystem des Erdklimas, ein Klimawandel führt hier deutlich früher und stärker zu Veränderungen als etwa in gemäßigten Breiten oder in den Tropen.

Hierfür sind in erster Linie eine Reihe von Mechanismen verantwortlich, durch die Veränderungen im polaren Klimasystem den Klimawandel verstärken (positive Rückkopplung) oder abschwächen (negative Rückkopplung). Einige dieser Rückkopplungsmechanismen sind nach wie vor kaum verstanden, was als Hauptursache dafür gilt, dass Klimaveränderungen in Polargebieten äußerst schwer vorherzusagen sind und zurzeit teilweise weitaus schneller ablaufen als von Klimamodellen prognostiziert - mit möglicherweise globalen Auswirkungen.[5]

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Fußnoten

1.
Christopher Rave, Tagebuch von der verunglückten Expedition Schröder-Stranz, Cöln am Rhein o.J. (um 1913).
2.
Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), Climate Change 2007: The Physical Science Basis, hrsg. von Susan Solomon u.a., Cambridge-New York 2007.
3.
Vgl. Andrew C. Revkin, Arctic Melt Unnerves the Experts, in: New York Times vom 2.10. 2007; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Ohne Eis kein Eisbär, Berlin 2007.
4.
Aus Platzgründen können hier viele wichtige Punkte nur angerissen werden; vgl. insbes. Arctic Climate Impact Assessment (ACIA), Impacts of a Warming Arctic, Cambridge 2004, www.acia.uaf.edu; dt.: Der Arktis-Klima-Report, Hamburg 2005; United Nations Environment Programme (UNEP), Global Outlook for Ice & Snow, Nairobi 2007, www. unep.org/geo/geo_ice.
5.
Vgl. Julienne Stroeve/Marika M. Holland/Walt Meier/Ted Scambos/Mark Serreze, Arctic sea ice decline: Faster than forecast, in: Geophysical Research Letters, 34 (2007), L09501, doi:10.1029/2007GL029 703.

 
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