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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Gesellschaften unter Globalisierungsdruck |

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Wolfgang Kessler
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Mit einem Container voller Nähmaschinen und einem Leitz-Ordner voller Schnittmuster" könne in asiatischen Billiglohnländern in kurzer Zeit eine konkurrenzfähige Produktion aufgebaut werden, erzählten Branchenexperten bereits in den siebziger Jahren. Inzwischen hat die Textilindustrie von dieser Möglichkeit großzügig Gebrauch gemacht. "Von dem in Deutschland registrierten Umsatz in der Bekleidungsindustrie - 1996 waren das rund 22,4 Milliarden Mark - werden nur noch etwa 15 Prozent hier zu Lande gefertigt. 60 Prozent werden unter deutscher Verantwortung im so genannten Lohnveredelungsverkehr im Ausland genäht. Die übrigen 25 Prozent sind Fertigware, die im Ausland eingekauft wird", schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits am 8. Oktober 1997 - und diese Tendenz der Produktionsverlagerung ins Ausland hat sich bis heute verstärkt.
Doch längst werden nicht nur Joggingschuhe oder Elektrogeräte in Niedrig-Kosten-Ländern hergestellt. Auch Dienstleistungen der Informationstechnologie werden zunehmend verlagert. "Vorreiter sind die Vereinigten Staaten, die im Jahre 2000 etwa 100000 Dienstleistungsjobs exportierten, wie eines der größten Marktforschungsunternehmen der USA, das Forrester Research, schätzt. Die Wissenschaftler erwarten, dass US-Unternehmen bis zum Jahre 2015 rund 3,3 Millionen dieser Arbeitsplätze - das entspricht Gehältern in Höhe von 136 Milliarden Dollar - in Länder wie Indien, Russland und China auslagern", berichtete die Wirtschaftswoche am 10. April 2003 und folgerte daraus: Dieser Trend wird auch Deutschland erreichen, denn auch in der Informationstechnologie sind die Lohnunterschiede gravierend. Nach Angaben der Wirtschaftswoche verdient ein Programmierer in Deutschland etwa 45000 Euro pro Jahr, im indischen Bangalore ist seine Arbeitskraft für rund 10000 Euro zu haben.
Noch fürchten Unternehmen die geringere Produktivität sowie die Sprach- und Kommunikationsbarrieren bei der Verlagerung von Dienstleistungen in den Süden. Doch die moderne Technologie verringert den Produktivitätsvorsprung der Industrieländer - und die Kommunikationsprobleme lassen sich lösen, wenn sich zwischen beiden Seiten über eine mehrjährige Zusammenarbeit eine verlässliche Kultur des Gesprächs und des Vertrauens aufgebaut hat. Entsprechend sagen viele Fachleute eine schleichende Verlagerung auch von modernen Arbeitsplätzen in die Schwellenländer des Südens voraus.
Lange Zeit hielten sich in Deutschland die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch steigende Exporte und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedrig-Kosten-Länder die Waage. Inzwischen drohen jedoch mehr Jobs durch Verlagerung verloren zu gehen. Der Grund: Zuwachs in der Exportindustrie schafft nicht so viele zusätzliche Arbeitsplätze, weil diese Industriezweige stark auf Technik setzen. Die Verlagerung bedroht dagegen die arbeitsintensiven Industriezweige. Dort gehen dann mehr Arbeitsplätze verloren, als in den Exportbranchen neu entstehen.
Auch die Industrieländer untereinander stehen in einem harten Konkurrenzkampf. Ganze Regionen wetteifern um die Ansiedlung eines großen Industrieunternehmens und werfen dazu alles in die Waagschale, was sie haben: günstige und gute Arbeitskräfte und vor allem Subventionen. In diesem Konkurrenzkampf entschied sich DaimlerChrysler, den Kleinwagen Smart im französischen Lothringen zu bauen und nicht im badischen Rastatt. Die Zuschüsse in Frankreich waren höher, die Arbeitskosten sind geringer. Dadurch wurden in Lothringen 1800 Arbeitsplätze geschaffen, die Deutschland auch gerne erhalten hätte.
Im Zuge dieser Entwicklung versuchen die unterschiedlichen Regionen in den verschiedenen Ländern, sich auf unterschiedliche Wirtschaftsbereiche zu spezialisieren. In Deutschland gelten Köln und seine Region als Film- und Medienstandort. Bayern versucht offensiv, Tradition mit exportorientierter High-Tech-Wirtschaft zu verbinden - "Laptop und Lederhosen" heißt es dort. Im Gegensatz dazu hat sich Frankfurt am Main als internationale Finanzdrehscheibe etabliert - die Einrichtung der Europäischen Zentralbank in dieser Stadt ist nur folgerichtig. Doch diese Spezialisierung hat auch ihre Schattenseiten. So hat die Rhein-Main-Region im vergangenen Jahrzehnt Tausende Arbeitsplätze in der industriellen Produktion eingebüßt - die betroffenen Beschäftigten mussten in andere Regionen ziehen, sich neu qualifizieren oder sind arbeitslos.
Fusionen
Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, schlucken Unternehmen Konkurrenten. Noch Mitte der neunziger Jahre verzeichnete Deutschland etwa 30 größere Unternehmensfusionen pro Jahr. Seit Ende der neunziger Jahre sind es jährlich etwa 200, im Jahre 2000 waren es sogar 477, im Jahre 2001 mit 163 trotz Wirtschaftsflaute immer noch sechsmal so viel wie Mitte der neunziger Jahre, so die Unternehmensberatung M&A International. Dabei werden hohe Kaufsummen eingesetzt. Ziemlich genau 240 Milliarden DM ließ sich zum Beispiel der britische Telekommunikationskonzern Vodafone im Jahre 2000 die Übernahme des deutschen Konkurrenten Mannesmann kosten, mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes.
Für den Arbeitsmarkt haben Fusionen zumeist ähnliche Folgen: Nachdem zwei Unternehmen verschmolzen sind, stellt die neue Geschäftsführung schnell fest, dass sie keine zwei Finanzbuchhaltungen braucht, keine zwei Fertigungsanlagen für die Herstellung des gleichen Produkts. Dann wird Abteilung um Abteilung zusammengelegt - Arbeitskräfte werden entlassen. Das Zauberwort heißt Synergieeffekt: Doppelspuriges Arbeiten wird vermieden, um die Effizienz zu steigern. |
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09. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert aktuelle Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart. |
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