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Informationen zur politischen Bildung (Heft 280)
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Gesellschaften unter Globalisierungsdruck |

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Wolfgang Kessler
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Bildungspolitik vor neuen Aufgaben |
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Die Absicherung der Menschen gegen die wachsenden Risiken der Globalisierung ist die eine Herausforderung - die Qualifikation für die Anforderungen des globalen Wettbewerbs ist die andere. Der zunehmende Einsatz von Technik rationalisiert viele Arbeiten weg, die bisher von gering qualifizierten Beschäftigten geleistet wurden. Bedenkt man, dass etwa die Hälfte aller Arbeitslosen in Deutschland keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, so steht und fällt die berufliche Perspektive dieser Menschen mit der Qualifizierung für den Markt.
Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft erfordert eine hohe Arbeitsproduktivität, die von den Beschäftigten eine solide fachliche Ausbildung und viel Kreativität verlangt. Dazu müssen die Ausbildungsstätten jene Qualitäten fördern, die auf einem globalen Markt immer bedeutsamer werden: Teamfähigkeit, Flexibilität - und nicht zuletzt die Beherrschung von Fremdsprachen, vor allem des Englischen. Angesichts von Marktverhältnissen, die sich rasch und oft unvorhergesehen ändern, sind Beschäftigte besonders gefragt, die auch auf ungewohnte Problemstellungen flexibel und qualifziert reagieren können.
Deshalb fordert die Globalisierung die deutsche Bildungspolitik heraus. Der Handlungsbedarf scheint groß. Denn in international vergleichenden Untersuchungen wie der Pisa-Studie schneidet das Schulsystem der Bundesrepublik eher mittelmäßig ab - ausgenommen sind die Grundschulen und die berufliche Bildung.
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Aus diesen Gründen sind massive Investitionen in das Ausbildungssystem - von Kindergärten über die Grund- und Hauptschulen bis hin zu den Universitäten - erforderlich, um allen jungen Menschen Qualifikationen und Bildungsabschlüsse zu vermitteln, die ihnen auch und gerade in Zeiten der Globalisierung möglichst große Entwicklungschancen bieten. Für die politisch Verantwortlichen erwächst daraus möglicherweise ein Dilemma: In Zeiten eher rückläufiger Steuereinnahmen können sie die Ausbildung junger Menschen nur durchgreifend verbessern, wenn sie in anderen Bereichen kürzen. Hier auch gegen mächtige Interessengruppen, die ihre eigene Klientel im Auge haben, die richtigen Prioritäten zu setzen, erfordert viel Mut.
Doch die Bildungsanforderungen beschränken sich nicht auf die jüngeren Lebensjahre. In einer Zeit rascher Veränderung wechseln auch die Berufsbilder schnell. Wer gestern noch "normaler" Dachdecker war, wird vielleicht morgen schon Solarzellen und Sonnenkollektoren auf die Hausdächer montieren; wer gestern noch Farbfernseher zusammenbaute, wird sich vielleicht schon bald mit integrierten "Fernseh-Computern" beschäftigen. Die Menschen werden im Laufe ihres Lebens mehrere Berufe ausüben - was in Deutschland einer kleinen Revolution gleichkommt. In keinem anderen Industrieland ist es so schwierig, von dem Beruf, in dem die Ausbildung erfolgte, in andere Berufe zu wechseln, während beispielsweise in Großbritannien auch ein Philosoph in einer Bank arbeiten und eine Kauffrau Lehrerin werden kann.
Diese Starrheit des deutschen Beschäftigungssystems ist nicht zukunftsfähig. Staat und Unternehmen müssen diese Regeln gemeinsam flexibler gestalten. Und die Menschen müssen sich dann auf diese Flexibilität einlassen. Dies können sie nur, wenn sie sich lebenslang fortbilden und dabei auch lebenslang gefördert werden - in öffentlichen Einrichtungen wie auch in Unternehmen. Viel stärker als heute wird auch der Erfolg von Unternehmen davon abhängen, inwieweit sie nicht "nur" in Maschinen investieren, sondern auch in das Humankapital, in die Menschen. |
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09. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Globalisierung
Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert aktuelle Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart. |
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