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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 25/2006)

Wasserknappheit und Ernährungssicherung


Hermann Lotze-Campen
Inhalt

Einleitung

Wasserknappheit und Nahrungsmittelproduktion

Mehr Nahrungsmittel mit weniger Wasser produzieren

Ausblick

Einleitung
Obwohl die weltweite Nahrungsmittelproduktion theoretisch ausreichen würde, die gesamte Weltbevölkerung mit durchschnittlich 2.700 Kalorien pro Person und Tag zu versorgen, gelten immer noch mehr als 800 Millionen Menschen als unterernährt. Mit zunehmender Weltbevölkerung hat zwar der relative Anteil der hungernden Menschen in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen, aber die absoluten Werte haben sich kaum verändert. Während in Süd- und Südostasien deutliche Erfolge im Bereich der Ernährungssicherung erzielt wurden, ist Unterernährung in vielen Teilen Afrikas noch weit verbreitet. Die absolute Zahl der Hungernden hat hier in den vergangenen 20 Jahren sogar stark zugenommen. Eines der zentralen Millenniums-Entwicklungsziele, nämlich die Halbierung der Zahl der Hungernden in der Welt bis zum Jahr 2015, ist aus heutiger Sicht kaum zu erreichen.[1]

Zur Person
Hermann Lotze-Campen
Dr. rer. agr., geb. 1966; wiss. Mitarbeiter, Abteilung Globaler Wandel und Soziale Systeme, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Postfach 601203, 14412 Potsdam.
E-Mail: lotze-campen@pik-potsdam.de

Ernährungssicherheit ist ein vielschichtiges Problem. Auf der Nachfrageseite ist oft der unzureichende Zugang zu Nahrungsmitteln von entscheidender Bedeutung. Hunger ist eng mit Armut verbunden, und Armut wiederum hängt stark mit mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten und fehlender Ausbildung zusammen. Selbst in Ländern mit ausreichender Nahrungsproduktion kann es zu Unterernährung kommen, wenn die Kaufkraft einzelner Bevölkerungsgruppen für eine angemessene Ernährung nicht ausreicht.

Internationale Handelsbeziehungen mit Agrar- und Nahrungsgütern können sich in verschiedener Weise auf die Ernährungssicherung auswirken. Eine diversifizierte Handelsstruktur kann nützlich sein, um ein Land gegen lokale Produktionsengpässe abzusichern. Andererseits kann sich in armen Ländern, die stark von Nahrungsmittelimporten abhängig sind, die Ernährungssituation durch Schwankungen der Weltmarktpreise kurzfristig verschlechtern.

Oft werden zur Bewertung der Ernährungssicherheit lediglich Aspekte auf der Produktionsseite betrachtet. Niedrige Erträge durch unzureichende Anbautechniken (Saatgut, Dünger, Maschinen) oder Missernten durch Naturkatastrophen (Dürren, Überflutungen) können zu einem regional oder lokal knappen Angebot und unter bestimmten Bedingungen zu Engpässen in der Versorgung mit Nahrungsmitteln führen. Auch die Übernutzung der lokalen Ressourcen, wie z.B. Verschlechterung der Bodenqualität und Erosion, kann zu einer dauerhaften Verschlechterung der Produktion führen. Die zunehmende Verknappung von Wasser, die bereits jetzt etwa in Nordafrika zu beobachten und für andere Regionen in Zukunft zu erwarten ist, stellt einen weiteren kritischen Faktor für die Ernährungssicherung dar. Ressourcenknappheit, z.B. bei Wasser, ist nur ein Faktor, der die lokale Ernährungssicherheit beeinflusst. Er kann durch Nachfrage- und Handelseffekte noch zusätzlich verschärft, aber auch teilweise kompensiert werden.
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10. Februar 2012
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