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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 28/2004)

Fachkräftemangel bedroht Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft


Alexander Reinberg / Markus Hummel
Inhalt

Einleitung

Entwicklung des qualifikationsspezifischen Arbeitskräftebedarfs

Entwicklung des Arbeitskräfteangebots

Folgerungen und Lösungsansätze

Entwicklung des qualifikationsspezifischen Arbeitskräftebedarfs
Der bereits seit langem anhaltende Strukturwandel des Beschäftigungssystems in Richtung einer Höherqualifizierung kommt unter anderem in der Entwicklung der qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquoten zum Ausdruck. Dabei wird deutlich, dass Akademiker während des gesamten Beobachtungszeitraums das mit Abstand niedrigste Arbeitslosigkeitsrisiko trugen (vgl. Abb.1, s. PDF).

Bei den beiden anderen Gruppen - jenen mit einer abgeschlossenen Lehre oder einem Fachschulabschluss und jenen ohne Berufsabschluss - verliefen die Entwicklungen ungünstiger. Während die mittlere Ebene noch unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen war, verschlechterten sich die Arbeitsmarktchancen der gering Qualifizierten zunehmend. Im Jahr 2002 waren in Westdeutschland jede fünfte und im Osten sogar jede zweite Erwerbsperson ohne Berufsabschluss arbeitslos. Die Schere des Arbeitslosigkeitsrisikos klafft zwischen den unteren und oberen Qualifikationsebenen immer stärker auseinander - besonders ausgeprägt in den ostdeutschen Bundesländern.

Hinter diesen Veränderungen stehen auf der einen Seite deutliche Stellenverluste für gering Qualifizierte, leichte Zugewinne für beruflich Qualifizierte, vor allem aber massive Stellenzuwächse bei den Akademikern (vgl. Abb.2, s. PDF2).

Im langfristigen Verlauf konnten selbst Perioden mit niedrigem oder sogar negativem Wirtschaftswachstum den positiven Beschäftigungstrend bei den Akademikern nicht stoppen, sondern lediglich bremsen. Die Veränderungsraten in der Beschäftigungsentwicklung kamen bei den Hochqualifizierten nie in den negativen Bereich. Ihr Beschäftigungswachstum betrug zwischen 1975 und 2000 in Westdeutschland fast 180 Prozent.

Genau umgekehrt verhielt es sich bei den gering Qualifizierten. Selbst von günstigen ökonomischen Rahmenbedingungen mit einem Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von vier bis fünf Prozent konnten sie nicht profitieren. Ihr Beschäftigungsstand halbierte sich im Betrachtungszeitraum nahezu ungebremst, obwohl im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandsprodukt um fast 60 Prozent wuchs.

Ganz offensichtlich haben die unterschiedlichen Entwicklungen in der qualifikationsspezifischen Arbeitskräftenachfrage eher strukturelle Ursachen. Ob diese den qualifikationsspezifischen Lohn- und Produktivitätsentwicklungen geschuldet sind (Stichwort: Niedriglohndebatte) und/oder dem technologischen und arbeitsorganisatorischen Wandel, der Einfacharbeitsplätze vermehrt überflüssig macht, soll hier nicht entschieden werden. An dieser Stelle ist jedoch festzuhalten, dass Wirtschaftswachstum in realistischen Größenordnungen allein die Probleme der gering Qualifizierten, die heute fast 40 Prozent aller Arbeitslosen stellen, auf dem Arbeitsmarkt kaum lösen kann.

Diese grundlegenden Trends werden sich aller Voraussicht nach auch künftig fortsetzen. Der Bedarf an hoch Qualifizierten wird weiter steigen - sowohl in relativen als auch in absoluten Größen[1] betrachtet. Umgekehrt werden für gering Qualifizierte weitere massive Beschäftigungseinbußen erwartet - darin sind sich die verschiedenen, bis 2010 bzw. 2015 vorliegenden Projektionen einig.

Nach der IAB/Prognos-Projektion zur Veränderung der Tätigkeitslandschaft (vgl. Abb.3, s. PDF) werden insbesondere anspruchsvolle Tätigkeiten - hierzu zählen Führungsaufgaben, Organisation und Management, qualifizierte Forschung und Entwicklung, Betreuung, Beratung, Lehren und ähnliche Tätigkeiten - im projizierten Zeitraum massiv an Bedeutung gewinnen. Einfache Fachtätigkeiten und Hilfstätigkeiten werden hingegen immer weniger nachgefragt.[2]

Auch die aktuelle Studie der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) zur "Zukunft von Bildung und Arbeit" kommt zu ähnlichen Ergebnissen.[3]
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10. Februar 2012
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