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Informationen zur politischen Bildung (Heft 276)
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Republik unter Druck |

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Alena Mípiková und Dieter Segert
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Die Innenpolitik der ersten Nachkriegsjahre wurde in bedeutendem Maße durch die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei geprägt. Unterscheiden lassen sich dabei zwei Phasen: eine „wilde Vertreibung“ zwischen Kriegsende und Verabschiedung des Potsdamer Abkommens im August 1945 und die „regulierte Vertreibung“ danach, die 1947 im Wesentlichen abgeschlossen war.
Die meisten Opfer unter der deutschen Bevölkerung waren in der ersten Phase zu beklagen, in der tschechische Rachegefühle zu schrecklichen Übergriffen auch auf Frauen und Kinder führten. Ausschreitungen, brutale Mißhandlungen und Morde wie in Aussig (Ústí nad Labem) und in Brünn (Brno: „Brünner Todesmarsch“) ließen auch den tschechischen Historiker Tomas Stanek von Lynchaktionen sprechen, von „Selbstjustiz“, von grausamen Exekutionen allein aufgrund des Vorwurfs, deutsch zu sein. Fast 350000 Personen wurden zeitweise in Internierungs-, Auffang- sowie Arbeitslagern festgehalten.
Während der regulierten Vertreibung gestatteten die Behörden, pro Person 30 bis 50 Kilogramm Gepäck und Nahrungsmittel für drei bis sieben Tage mitzunehmen. Die Praxis war örtlich unterschiedlich, und in einigen Fällen kamen die Deutschen ohne jede Habe im Landesinneren oder jenseits der Grenzen an.
Insgesamt wurden bis 1947 etwa 2,9 Millionen Personen ausgesiedelt. Ungefähr 220000 Deutsche blieben nach dem Ende der Vertreibung im Lande, unter anderen Antifaschisten, Deutsche in Mischehen mit Tschechen und produktionswichtige Arbeitskräfte.
Im Mai 1946 fanden die ersten Nachkriegswahlen statt, aus denen die Kommunistische Partei (KPC) als Siegerin hervorging, weil sie sich im Krieg das Ansehen der Bevölkerung erworben hatte und ihr nationales und demokratisches Nachkriegsprogramm auf allgemeine Akzeptanz stieß. Damit konnte sie das „Budovatelsky program“, das Programm des Aufbaus einer Planwirtschaft, in Angriff nehmen.
Diskussionen um Vertreibungsopfer
Jaroslav Kucera
Wohl kaum eine andere Größenangabe, die mit der tschechisch-deutschen Vergangenheit zusammenhängt, divergiert in solchem Maße wie die Zahl der sudetendeutschen Vertreibungsopfer, wohl keine andere wurde vor allem in den neunziger Jahren ähnlich intensiv diskutiert. Mit ihrer Berechnung beschäftigte sich zum ersten Mal das Statistische Bundesamt in den fünfziger Jahren, wobei es die Methode der Bevölkerungsbilanz anwandte. Aus dem Vergleich des Standes der sudetendeutschen Bevölkerung von 1939 und 1950 ergab sich nach Einrechnung der Bevölkerungsbewegung – Geburten, Sterbefälle, Kriegsverluste, Migration – eine Anzahl von ungefähr 240000 Personen mit ungeklärtem Schicksal.
Mit den sudetendeutschen Vertreibungsverlusten beschäftigte sich seit Anfang der neunziger Jahre sehr intensiv die aus namhaften Wissenschaftlern zusammengesetzte Deutsch-Tschechoslowakische, später Deutsch-Tschechische und Deutsch-Slowakische Historikerkommission. Die von ihr initiierten Untersuchungen zeigten zunächst, dass die Methode der Bevölkerungsbilanz für die Ermittlung der sudetendeutschen Vertreibungsopfer problematisch war: Sie konnte sich eher ausnahmsweise auf statistisch gesicherte Daten stützen und arbeitete mit Schätzungen. In ihrer Erklärung aus dem Jahre 1997 sprach sich die Historikerkommission daher dafür aus, „auf die Zahl von 220000 oder mehr Vertreibungsopfern nicht nur in der wissenschaftlichen Diskussion, sondern auch in politischen Auseinandersetzungen zu verzichten“.
Einem neuen Versuch zur Ermittlung der sudetendeutschen Vertreibungsopfer wurden die Daten des Kirchlichen Suchdienstes zugrunde gelegt, welche die Rekonstruktion sudetendeutscher Einzelschicksale ermöglichen. Ihre Summierung ergab circa 19000 namentlich belegte Todesfälle, die als Folge direkter Gewaltanwendung bzw. abnormer Bedingungen im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung anzusehen waren. Diese Todesfälle wurden danach durch eine geschätzte Zahl weiterer Todesopfer ergänzt. Darauf aufbauende Schätzungen, die „ungeklärte Fälle“ sowie die durch die Suchkarteien gar nicht erfasste sudetendeutsche Bevölkerung (schätzungsweise 500000 Menschen) zu berücksichtigen versuchen, ergeben eine Untergrenze der Verluste von etwa 23000 Todesfällen. Als obere Grenze vermuten sie 30000 bis maximal 40000 Todesopfer. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Die Europäische Union
Für viele ist die EU ein fremdes Gebilde. Dabei wird sie immer wichtiger. Das Dossier bietet einen lexikalischen Überblick: Warum gibt es die Union der 27? Wer macht was in der EU? Und wie sieht die Zukunft aus? |
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