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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 42-43/2009)

Editorial


Hans-Georg Golz

Die Digitalisierung hat nach den Vertriebswegen die Bücher selbst erfasst. Nachdem ein erster Anlauf zur Markteinführung noch vor wenigen Jahren auf eher bescheidene Resonanz stieß, hat sich die Attraktivität elektronischer Bücher inzwischen deutlich erhöht. Neue mobile Lesegeräte sind sehr leicht und handlich, verfügen über größere Bildschirme und verbrauchen kaum Strom. Ihre Speicherfähigkeit ist immens. Sie erleichtern nicht nur die tägliche Arbeit von Verlagslektoren, sondern werden zunehmend auch für "Normalleser" interessant. Ist der Hype um das E-Book gerechtfertigt?

In China, dem Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, nutzen bereits fast 80 Millionen Menschen unterschiedlichste E-Book-Reader. Selbst Belletristik ist mittlerweile elektronisch erhältlich und wird auch nachgefragt. Das als Internetsuchmaschine gestartete Weltunternehmen Google digitalisiert ganze Bibliotheken und macht sie global online verfügbar. Open Access befördert den internationalen wissenschaftlichen Austausch, während der Streit um das Urheberrecht im Netz neu entbrannt ist. Mit Digital Rights Management versuchen die Verlage, geistiges Eigentum zu schützen, herkömmliche Verwertungsmodelle anzupassen und der im Netz vorherrschenden "Gratis-Kultur" entgegenzuwirken. Das Schicksal der Musikindustrie und die Misere der Tageszeitungen stehen der Branche als Menetekel vor Augen.

Der größte Einschnitt dürfte dem traditionellen Buchhandel bevorstehen. Gibt es Bedarf für die gut sortierte Buchhandlung, kann sie neben großen Medienkaufhausketten und dem boomenden Internethandel bestehen? Darüber entscheidet nicht zuletzt die Kundschaft. Das gedruckte Buch, über Jahrhunderte ein Träger von Kultur und Aufklärung, könnte in den kommenden Jahrzehnten zum Nischenprodukt werden.
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10. Februar 2012
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