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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 04-05/2007)

Wirtschaftseliten und ihre gesellschaftliche Verantwortung


Peter Imbusch / Dieter Rucht
Inhalt

Einleitung

Begriffliche Klärungen

Ausgewählte empirische Ergebnisse

Ein epochaler Wandel

Einleitung
Die Wirtschaftseliten stehen in der Kritik. In der Öffentlichkeit ist immer häufiger die Rede davon, dass sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachkämen und es nicht mehr sozial gerecht zugehe. Beklagt werden ein "Heuschreckenkapitalismus", die Gier nach Maximierung des Shareholder Value, ja sogar "unpatriotische Verhaltensweisen".

Zur Person
Peter Imbusch
PD Dr. phil., geb. 1960; Zentrum für Konfliktforschung, Universität Marburg, Ketzerbach 11, 35032 Marburg.
E-Mail: imbusch@staff.uni-marburg.de

Manager verkünden hohe Gewinne und kündigen gleichzeitig Massenentlassungen an; sie verlagern Produktionsstätten ins Ausland und nehmen dabei Steuervorteile wahr; sie heben ihre Bezüge kräftig an, während das Lohnniveau der Masse der Bevölkerung seit Jahren stagniert oder sogar rückläufig ist. Das legendäre Victory-Zeichen, das Josef Ackermann von der Deutschen Bank im Vorfeld eines Gerichtsverfahrens der versammelten Presse darbot, ist zu einem Symbol für siegesgewisse Arroganz geworden. Das Bild des paternalistischen, sich um sein soziales Umfeld sorgenden Unternehmers, das gerade in Deutschland eine - freilich nur begrenzte - Leitfunktion hatte, ist dem des "kalten" Managers gewichen, der unter dem unerbittlichen Konkurrenzdruck Sachzwänge exekutiert.

Zur Person
Dieter Rucht
Dr. rer. pol., geb. 1946; Professor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin.
E-Mail: rucht@wz-berlin.de

Im Gegensatz zu diesem Negativbild stehen emphatische Bekenntnisse aus Wirtschaftskreisen zu Corporate Citizenship, Corporate Social Responsibility, nachhaltigen Wachstumsstrategien, umwelt- und sozialverträglichen Regelungen und der Wahrung von Stakeholder-Interessen.[1] In vielen Selbstdarstellungen feiern sich die Wirtschaftseliten als gesellschaftlich verantwortlich handelndeAkteure. So erweckt beispielsweise das World Economic Forum in Davos streckenweise den Eindruck, es handle sich um eine philanthropische Vereinigung.

Was bleibt jenseits platter Diffamierung und schönfärberischer Phrasen? Wie sehen die Wirtschaftseliten ihre gesellschaftliche Verantwortung in einem konkreteren Sinne und wie definieren sie ihre eigene Rolle? Welche gesellschaftlichen Leitbilder vertreten sie? Und am wichtigsten: Wie und in welchem Umfang nehmen Wirtschaftseliten gesellschaftliche Verantwortung wahr? Diesen Fragen sind wir im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts nachgegangen, das sich auf Wirtschaftseliten in Deutschland bezog.[2] Im Folgenden präsentieren wir einige unserer Ergebnisse, wobei wir verstärkt das Themenfeld Arbeit berücksichtigen werden.[3]
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10. Februar 2012
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