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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 11/2008)

Internationaler Rundfunk auf dem Weg in den Cyberspace


Henning Hoff
Inhalt

Einleitung

CNN International

BBC World/BBC World Service

Deutsche Welle

Per Anhalter in die Internet-Galaxie

Einleitung
Als die British Broadcasting Corporation (BBC) am 19. Dezember 1932 mit ihrer ersten Übertragung im damals noch "Empire Service" genannten Auslandsdienst auf Sendung ging, trat der BBC-Gründer John Reith selbst ans Mikrofon: "Das Radio ist ein Instrument von fast unkalkulierbarer Bedeutung im sozialen und politischen Leben", erklärte Lord Reith bei der internationalen Premiere der BBC, "sein Einfluss wird im täglichen Leben eines jeden Einzelnen mehr und mehr zu spüren sein, in beinahe jeder Sphäre des menschlichen Lebens, in nationalen und internationalen Angelegenheiten."[1]

Zur Person
Henning Hoff
Dr. phil., geb. 1970; Zeithistoriker und Journalist; internationaler Korrespondent, 34 Highsett, Cambridge CB2 1NY, England/UK.
E-Mail: henning.hoff@foreignmedia.co.uk

Ein Dreivierteljahrhundert später ist das von dem Briten Tim Berners-Lee "erfundene" World Wide Web im Begriff, jede "Sphäre des menschlichen Lebens" zu verändern - wohl in viel stärkerem Maße, als es der Rundfunk jemals vermochte. Nicht zuletzt wälzt das Internet die nationalen und internationalen Medienlandschaften um und formatiert sie zugleich neu. Es ersetzt die traditionellen Vertriebs- und Verbreitungswege von Print-, Audio- und audiovisuellen Medien, die sie zudem global ohne Zeitverlust verfügbar macht, und überwindet mit Leichtigkeit Staatsgrenzen, was derzeit beispielsweise britische Zeitungen durch ein Ausgreifen auf die USA zu nutzen versuchen.[2] Digitale Kommunikationstechnik erweitert das Vertriebsspektrum, vor allem durch Mobiltelefone und verwandte Geräte. Zugleich ermöglicht das Internet das Publizieren journalistischer Inhalte von potentiell jedermann auf prinzipiell "gleicher Augenhöhe" mit herkömmlichen Verlagen oder Sendern, wie das Phänomen der Weblogs (oder Blogs) und immer engere Formen der Interaktionen zwischen Sender und Empfänger, Autor und Leser, Hörer oder Zuschauer zeigen. Das Internet befördert zugleich die Entwicklung zur Medienkonvergenz, wo die Trennlinien zwischen bewegtem und unbewegtem Bild, geschriebenem oder gesprochenem Wort immer weiter verschwimmen.

Der internationale Rundfunk ist von dieser Entwicklung in besonderem Maße herausgefordert, vor allem bei seiner Kernkompetenz, der weltweiten Nachrichtenverbreitung. Bis vor kurzem, erinnert man sich beispielsweise bei der Deutschen Welle, war es allein Deutschlands Auslandssender, der alle Deutschen in der Welt erreichen und ansprechen konnte. Auf die jüngste Ausgabe einer großen Tageszeitung wartete man Tage, wenn nicht Wochen. Heute kann man als "Auslandsdeutscher" von Auckland bis Vancouver das angestammte Lokalblatt und neuerdings selbst die Programme deutscher Fernsehsender im Internet lesen und sehen.

Zugleich ist in den vergangenen Jahren ein rascher Zuwachs an neuen Sendern zu verzeichnen, die das einst überschaubare Feld des internationalen Rundfunks bevölkern. Zu nennen ist vor allem der pan-arabische Fernseh-Nachrichtenkanal Al-Jazeera (El-Dschasira), der seit Ende 2006 mit Al-Jazeera English (AJE) auch ein englischsprachiges Vollprogramm unterhält, aber auch die - zumindest ihrer Intention nach - eher als Instrumente einer nationalstaatlichen public diplomacy anzusehenden Sender France24,[3] Russia Today, CCTV-9 aus China oder Press-TV aus dem Iran, die alle (im Fall von F24: zusätzlich auch) rund um die Uhr auf Englisch senden oder dies in naher Zukunft anstreben.

Auf diese Herausforderungen reagieren CNN International, BBC World/BBC World Service und die Deutsche Welle (DW) im Grundsatz gleich. "Das Schlüsselwort ist Integration", sagt Nick Wrenn, Europa-Chef (managing editor) von CNN International mit Verantwortung auch für Afrika und den Mittleren Osten, "wir haben das vergangene Jahr damit verbracht, dafür zu sorgen, dass unsere Fernsehleute mit den producers` digitaler Inhalte so eng wie möglich zusammenarbeiten". - "Wie viele andere internationale Sender haben auch wir gemerkt, dass man ein Multimedia-Angebot braucht, um ein internationales Publikum zu erreichen", pflichtet Richard Sambrook bei, der als Director of Global News bei der BBC für das weltweite TV-Nachrichtenprogramm verantwortlich ist. Und auch die DW stellt in ihrer Aufgabenplanung bis 2010 "die Umsetzung der Multiplattform-Strategie" in den Mittelpunkt und strebt "je nach Region und Zielgruppe (...) einen optimalen Medien-Mix" an.[4]

In ihrem Umgang mit dem Internet gehen die drei Sender zuweilen identische Wege. Beispielsweise haben alle zuletzt auf dem weltweit populärsten Videoportal YouTube eigene "Kanäle" eingerichtet. CNN ist dort seit Oktober 2005, BBC World News seit Juli 2006, die DW seit September 2007 vertreten.[5] Die Zugriffszahlen sind noch vergleichsweise gering, die Partnerschaft mit YouTube hat aber beispielsweise CNN bei der Übertragung der Debatten der Präsidentschaftsanwärter der Republikanischen und Demokratischen Partei neue Zuschauerrekorde eingebracht.[6] Alle Sender sehen das "bewegte Nachrichtenbild" - ob im Fernsehen oder als Live-Stream oder Video im Internet - als derzeitiges oder zukünftiges Schlüsselformat an, bei leichten Verschiebungen des Akzents. "Es ist noch immer der Kern dessen, was wir tun", sagt Wrenn. "Ja und Nein", meint dagegen Sambrook, "das Radiopublikum des BBC World Service ist immer noch sehr stark. Aber Fernsehen und Video wachsen sehr, sehr schnell, und es ist klar, dass wir in vielen Medienmärkten wie zum Beispiel im Mittleren Osten Fernsehen und Video anbieten müssen, wenn wir unsere Reichweiten und unser Publikum halten wollen, zunehmend auch auf mobilen Geräten wie Telefonen - nicht, weil wir so verrückt nach der neuesten Technik sind, sondern weil das die Menschen in den sich entwickelnden Ländern in zunehmenden Maße erwarten."

Bei der DW, wo man einschränkend darauf hinweist, dass der Rückgang der Kurzwellenhörer regional unterschiedlich ausgeprägt ist, schaut man derweil wie bei CNN andeutungsweise noch weiter nach vorn. "Im Moment ist das Fernsehbild - oder das Fernsehnachrichtenbild - zentral, und das wird die nächsten fünf bis zehn Jahre auch so bleiben", sagt DW-Fernsehdirektor Christoph Lanz, "aber wenn alle Experten Recht haben, und ich schließe mich da an, stehen spätestens in fünf Jahren mit der fortschreitenden Digitalisierung und Medienkonvergenz Veränderungen an, deren Wirkungen allerdings schwer abzuschätzen sind."
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09. Februar 2012
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Auslandsmedien im 21. Jahrhundert
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