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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 19/2004)

Väterlichkeit, Scheidung und Geschlechterkampf


Gerhard Amendt
Inhalt

Einleitung

Sensibilisierung der Scheidungsväter

"Höllisches Patriarchat und himmlisches Matriarchat"

Die Scheidung als Recht und als Aggression gegen Kinder zugleich

"Muss Papa schuldig sein, damit auf Mama kein Schatten fällt?"

Väterlichkeit nach der Scheidung

Schlussbemerkungen

"Muss Papa schuldig sein, damit auf Mama kein Schatten fällt?"
Nach unserer Untersuchung werden 80 Prozent[21] der Scheidungen von Frauen eingereicht. Damit vollziehen sie in den Augen ihrer Kinder den entscheidenden Schritt, der die Elternschaft zerstört.[22] Es gibt keine Forschung darüber, wie Frauen diese Entscheidung verarbeiten. Auf jeden Fall entstehen Schuldgefühle. Worauf die Forschung hingegen gestoßen ist, ist eine scheidungsmütterliche "Boshaftigkeit",[23] deren Ursachen nicht auf der Hand liegen, die sich aber dem Wunsch der Kinder nach ihrem Vater entgegenstellt. Dieses "Boshaftigkeitssyndrom" ist deshalb schwer nachzuvollziehen, weil Frauen sich damit das Leben selber erschweren, statt es sich durch häufigere Besuche der Kinder beim Vater zu erleichtern.

Wir vermuten, dass hier ein Zusammenhang zwischen weiblichen Schuldgefühlen wegen der Scheidung und der Vorstellung, "als Mutter nicht gut genug gewesen zu sein", besteht. Es ist eine noch genauer zu erforschende Vermutung, dass viele Frauen deshalb Väter wegstoßen, weil sie sich das Verschwinden der Väter so zurechtlegen, dass die Kinder sich die mütterliche Verurteilung des Vaters damit zu Eigen machen. Sie geben ihr also Recht und entlasten sie damit von ihrem Schuldgefühl. Es geht dabei weiterhin nicht um die Kinder, sondern darum, dass Mütter Entlastungen für ihre Schuldgefühle suchen, die sie wegen der Scheidung haben. Wenn Kinder dann den Vater nicht mehr sehen oder nur widerwillig sehen wollen oder gelangweilt, bedrückt und misslaunig von ihm zurückkehren, dann tun sie ihrer Mutter damit einen Gefallen, ohne es zu beabsichtigen. Nicht sie, sondern allein der Vater ist schuld daran, dass es den Kindern schlecht geht. Deshalb sollen und können die Kinder zu ihm keine gute oder überhaupt keine Beziehung haben. Wäre es anders, dann müsste die Frau ihren Anteil an der Schuld auf sich nehmen, dass sie beide den Kindern die Familie zerstört haben. Das könnte eine Quelle sein, die zu dem undifferenzierten Bild von den bösen Scheidungsvätern geführt hat.
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10. Februar 2012
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