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Informationen zur politischen Bildung (Heft 269)
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Materielle Lebensbedingungen |

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Rainer Geißler
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In Westdeutschland setzte, nachdem die schlimmsten Kriegsfolgen überwunden waren, eine dramatische Aufwärtsentwicklung ein. Das "Wirtschaftswunder" ließ die Wirtschaftsleistung, die Einkommen und in ihrem Gefolge den Lebensstandard steil in die Höhe schnellen. Das Volkseinkommen - wie die Wirtschaftswissenschaftler die Gesamtheit aller produzierten Güter und Dienste nennen - "explodierte" zwischen 1950 und 1989 von gut 4400 auf fast 18 400 Euro pro Kopf der Bevölkerung (gerechnet in Preisen von 1989).
Das ungeheure Tempo dieses Wachstums wird durch den historischen Vergleich deutlich. Der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel hat errechnet, dass sich das Volkseinkommen in den eineinhalb Jahrhunderten von 1800 bis 1950 in etwa verdreifachte, während es in den vier Jahrzehnten nach 1950 gleich um mehr als das Vierfache zulegte. Weltweit gehört Westdeutschland seit langem zu den reichsten Ländern der Erde. In den 1990er-Jahren rangiert es unter den Top Ten der umstrittenen "Weltrangliste", in der die Gesellschaften nach dem Bruttosozialprodukt je Einwohner geordnet sind.
Die Steigerung des Volkseinkommens spiegelt sich in einem entsprechenden, nahezu kontinuierlichen Wachstum der westdeutschen Reallöhne und Haushaltseinkommen wider. Das reale verfügbare Einkommen pro Kopf erreichte im Jahr 1991 seinen bisherigen Gipfel und lag nach den Berechnungen des Sozialökonomen Richard Hauser bei 12844 Euro und damit um das 2,3-Fache über dem Niveau von 1960. 1994 lag das reale Nettoeinkommen pro Kopf um acht Prozent unter dem Niveau von 1991 und stieg dann bis 1998 nur geringfügig wieder an. Die Rückwärtsentwicklung wurde vor allem durch die Erhöhung der Abgabenlast ausgelöst, die wiederum zum Teil mit den Kosten der deutschen Vereinigung zusammenhing. Sie war aber auch auf teilweise rückläufige, stagnierende oder nur geringfügig steigende Reallöhne und -gehälter zurückzuführen.
Erheblich rasanter schnellten die Vermögen in die Höhe. Jürgen Faik und Heinrich Schlomann haben aus den Angaben der Deutschen Bundesbank das Wachstum des Nettogeldvermögens ermittelt, das heißt der Summe aller Ersparnisse, Bausparguthaben, Versicherungsguthaben, Wertpapiere und Aktien. Zwischen 1960 und 1990 stieg es um das 11,5-Fache an, war und ist allerdings sehr ungleich auf verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilt.
Die "Wohlstandsexplosion" in den Nachkriegsjahrzehnten lässt sich beispielhaft auch an den Wohnverhältnissen und an der Ausstattung der Haushalte mit hochwertigen Konsumgütern illustrieren. Die Wohnungen und Eigenheime - ein zentraler Faktor für die Qualität des Familienlebens und ein wichtiges Refugium für die wachsende Freizeit - wurden geräumiger und komfortabler. Die Wohnfläche, die jeder Person im Durchschnitt zur Verfügung stand, hat sich von 15 qm im Jahr 1950 auf 43 qm 2002 fast verdreifacht; 1998 waren 93 Prozent aller Wohnungen mit Bad, Innen-WC und Zentralheizung ausgestattet, während es 1950 in 80 Prozent der Wohnungen kein Bad gegeben hatte.
Auch die technischen Konsumgüter, die das Leben leichter und angenehmer machen, wie Autos, moderne Haushaltsgeräte und Kommunikationsmedien gehören heute zur Normalausstattung. Im Jahr 2002 verfügten fast alle Haushalte über Telefon (97 Prozent), Farbfernsehen (96 Prozent) und Waschautomat (94 Prozent), die überwiegende Mehrheit auch über mindestens einen Pkw (75 Prozent), eine HiFi-Stereoanlage (73 Prozent) und einen Gefrierschrank (71 Prozent).
Im internationalen Vergleich ist die Entstehung von Wohlstand und Massenkonsum nichts Außergewöhnliches, sondern eine normale Entwicklung, die sich in allen Gesellschaften Westeuropas und Nordamerikas in ähnlicher Form vollzogen hat. Die deutsche Besonderheit besteht eher in der spezifischen Ausgangslage der Deutschen. Für die Kriegsgeneration war der schnelle und steile Aufstieg aus den Verwüstungen und dem Elend der Nachkriegszeit besonders dramatisch und nahm Züge eines "Wunders" an. |
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10. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Die soziale Situation in Deutschland
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