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Informationen zur politischen Bildung - aktuell
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Zeit der Besatzung und des Besatzungsstatuts |

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Die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu den Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg müssen vor dem Hintergrund zweier höchst unterschiedlicher Traditionsstränge gesehen werden:
Einerseits bestand eine kulturelle Nähe beider Staaten auf Grund der Zahl von über sieben Millionen Deutschen, die in die USA einwanderten. Knapp ein Viertel der US-Bevölkerung führt heute seine Abstammung auf Immigrantinnen und Immigranten aus Deutschland zurück. Daneben verrichteten nicht weniger als 16 Millionen amerikanische Militärangehörige in den Jahren des Kalten Krieges ihren Dienst in Deutschland und brachten dabei amerikanische Kultur, Musik und Essgewohnheiten mit. "Ihr Lebensstil, Habitus und soziales Verhalten übten ebenso wie der Wohlstand und die technische Ausrüstung eine starke Anziehung insbesondere auf die Jugend aus, begannen Teilbereiche der westdeutschen Jugendkultur umzuformen und wuchsen darüber in die Gesellschaft hinein," so der Historiker Anselm Doering-Manteuffel (Wie westlich sind die Deutschen?, Göttingen 1999, S. 8). Zu den positiven Strängen deutsch-amerikanischer Beziehungen gehört auch die große Bedeutung, die der deutschen Kunst und Wissenschaft im späten 19. Jahrhundert international, und nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten, beigemessen wurde.
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Deutsche in den USA [...] Seit der Wiederwahl der rot-grünen Bundesregierung im September und dem klaren Nein von Bundeskanzler Schröder zu einer deutschen Beteiligung an einem möglichen Krieg gegen den Irak sind die Deutschen in Amerika plötzlich wieder interessant geworden. Man spricht, schreibt und sendet über sie: kritisch, informativ fair, sogar bewundernd, nie gehässig. [...]
Immerhin verweisen nach Angabe des Bureau of the Census 58 Millionen der 280 Millionen Amerikaner stolz darauf, ganz oder zum großen Teil deutschstämmig zu sein, [...]. Stolz sind und können die Deutschstämmigen sein, weil ihr Anteil am Entstehen und Werden dieser Weltmacht nicht nur numerisch, sondern inhaltlich beträchtlich ist und - weil sie in Amerika stets den "guten Deutschen" repräsentiert haben. Zum Beispiel der Quäker Franz Daniel Pastorius aus dem fränkischen Weindorf Sommerhausen am Main. Er gründete Germantown, heute ein Nobel-Stadtteil von Philadelphia, und protestierte 1688 mit Gleichgesinnten gegen die Sklaverei. [...]
Die Brutalität, mit der die Deutschen dann die beiden Weltkriege führten, hat indes mit dem Image des "guten Deutschen" in den USA gründlich aufgeräumt. Lediglich bei den Ureinwohnern, den Indianern, "haben wir Deutsche ein hohes Ansehen", wusste im Jahr 2001 der scheidende Botschafter in Washington, Jürgen Chrobog, zu berichten. [...]
Vielleicht liegt das an dem 1848 aus Deutschland geflohenen Carl Schurz, der 1877 als amerikanischer Innenminister gleichzeitig für Indianerangelegenheiten zuständig war. Seine Frau übrigens gründete 1856 den ersten Kindergarten in Amerika.
Ohnehin sind deutsche Einwanderer häufig mit dem Attribut "erstmals" in der amerikanischen Geschichte hervorgehoben: [...] 1742 druckte in Philadelphia Christoph Saur die erste Bibel in Amerika. Deutsche führten von Pennsylvania aus den Osterhasen und das Weihnachtsfest in den USA ein [...].
Der rheinische Brauer Adolphus Busch [...] gründete zusammen mit Anheuser in St. Louis die größte Brauerei der Welt - Anheuser-Busch -, die das amerikanische Traditionsbier Bud (Budweiser) bis heute in Milliarden Dosen abfüllt.
Und Levi Strauss aus dem oberfränkischen Buttenheim erfand 1873 einen weiteren amerikanischen Mythos: die Nietenhose "Blue Jeans", jene Universalhose, die heute als "Levi's 501" Legende ist.
[...] Aus der Vergangenheit bleibt noch festzuhalten: Im Gegensatz zu vergleichbaren Einwanderergruppen [...] sind die Deutschen vollends in der anglo-amerikanischen Gesellschaft aufgegangen. Deutsche Wurzeln werden nur noch in Oktoberfest-Art oder in als exotisch geltenden Vereins-Cliquen tradiert. [...]
Das veränderte Nachkriegsdeutschland hingegen haben am stärksten ehemalige GIs in ihr Herz geschlossen. Millionen amerikanischer Soldaten waren seit 1945 in Süddeutschland und Berlin stationiert. Sie bilden ein enormes Potenzial an Sympathieträgern [...]
Unter Jugendlichen, die sich vor allem gegen die scheinbar systemimmanente Militarisierung der amerikanischen Außenpolitik wenden und in der pazifistischen Grundhaltung der Nachkriegsdeutschen ein Vorbild sehen, sowie unter einer Reihe von oppositionellen Demokraten findet sich gar Sympathie für das deutsche Gespann Schröder-Fischer. Ob die beiden dies mögen oder nicht: Aber ausgerechnet sie und nicht Präsident Bush verkörpern für ihre amerikanischen Bewunderer die Hollywood-Western-Ideale der "einsamen Kämpfer" gegen eine schier unbezwingbare Übermacht. [...]
Aufgrund der nach wie vor hohen Sympathiewerte Deutschlands in der breiten amerikanischen Öffentlichkeit braucht jedoch nicht befürchtet zu werden, dass sich beide Nationen nachhaltig entfremden. Immerhin besteht die deutsch-amerikanische Seelenverwandtschaft schon seit rund 500 Jahren: Denn es war ein Deutscher, der Kartograph Martin Waldseemüller, der 1507 in Verehrung für den Entdecker Amerigo Vespucci in eine Landkarte der Neuen Welt in Großbuchstaben das Wort "America" schrieb.
Josef-Thomas Göller, "Nachhaltige Verärgerung wie historische Sympathie", in: Das Parlament Nr. 5 vom 27. Januar 2003.
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Gegnerschaft in zwei Weltkriegen
Dieser positiven Weichenstellung standen jedoch andererseits die deutsch-amerikanische Gegnerschaft in zwei Weltkriegen und die nationalsozialistischen Verbrechen gegenüber. Im April 1917 waren die USA aus Protest über die Torpedierung (offiziell neutraler) amerikanischer Handelsschiffe durch deutsche U-Boote im Atlantik auf Seiten der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eingetreten. Nach Ende des Krieges lehnte der amerikanische Senat einen Beitritt der USA in den neu konstituierten Völkerbund ab, dessen Gründung maßgeblich auf Betreiben des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson (1913-1921) zurückging. Damit wies Amerika jegliche Verantwortung für die Gestaltung einer europäischen Nachkriegsordnung zurück.
In den zwanziger und dreißiger Jahren spielten die gegenseitigen Beziehungen weder für Deutschland noch für die USA eine herausragende politische Rolle. Wirtschaftlich bedeutsam waren jedoch amerikanische Kredite, die in den Jahren der Weimarer Republik der Tilgung der Kriegsschulden dienten, die Deutschland im Vertrag von Versailles auferlegt worden waren. Erst allmählich wuchs in Amerika die Besorgnis vor den Folgen der militärischen Konflikte, die in den dreißiger Jahren zunächst Asien (Konflikt zwischen Japan und China) und Afrika (Italien gegen Äthiopien) sowie schließlich auch Europa erschütterten. Es war die Vorstellung, im Jahrzehnt zuvor eine Chance vertan zu haben, internationale Konflikte bereits im Ansatz zu ersticken, die die USA dazu veranlassten, nach Kriegsende 1945 in Europa und Asien präsent zu bleiben.
Anfang Dezember 1941 sprang der Funke des asiatischen Konflikts auf die USA über, als japanische Flugzeuge die amerikanische Flottenbasis auf Pearl Harbor, Hawaii, überfielen. Einige Tage später erklärte das Deutsche Reich den Vereinigten Staaten den Krieg. In den folgenden Monaten und Jahren setzten die USA ihr wirtschaftliches und militärisches Potenzial ein, um gemeinsam mit Großbritannien und der UdSSR das kaiserliche Japan und das nationalsozialistische Deutschland niederzuringen. Knapp drei Jahre nach dem Angriff auf Pearl Harbor überschritten amerikanische Soldaten die deutsche Westgrenze und besetzten im Oktober 1944 als erste größere deutsche Stadt Aachen. Für viele, die im Westen des Deutschen Reiches lebten, war die Besetzung durch US-Truppen eine Befreiung nicht nur vom Kriegsgeschehen und von täglichen Bombenangriffen, sondern auch von der nationalsozialistischen Herrschaft, die die Parole des Widerstandes bis zuletzt ausgegeben hatte.
Im Mai 1945 kapitulierte das Dritte Reich. In die Endphase des Krieges fielen die großen alliierten Konferenzen von Teheran (November 1943), Jalta (4.-11. Februar 1945) und Potsdam (17. Juli - 2. August 1945), auf denen Pläne für eine zukünftige Verwaltung Deutschlands entworfen wurden. Diese sahen eine Aufteilung des Landes in Besatzungszonen sowie eine gemeinsame Verwaltung "in den Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen" vor. Die frühen Nachkriegspläne der Alliierten basierten dabei auf der Annahme, dass ihre im Krieg erfolgreiche Kooperation auch über den Tag des Sieges hinaus aufrechterhalten werden könnte. Für das weitere Schicksal Deutschlands wurde entscheidend, dass genau dies nicht gelang.
Die frühe amerikanische Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland ist jedoch nicht nur mit dem Krieg zu erklären, sondern auch mit den nationalsozialistischen Verbrechen, deren Ausmaß in den letzten Kriegsmonaten deutlich wurde und in den USA Entsetzen hervorrief. Als Reaktion darauf waren die Pläne Finanzminister Henry Morgenthaus für eine Ent-Industrialisierung Deutschlands (Morgenthau-Plan) und die Direktive der Vereinten Stabschefs (joint chiefs of staff) JCS 1067 vom 26. April 1945 an den Oberbefehlshaber der US-Besatzungstruppen über die Ziele der Militärregierung in Deutschland zu verstehen, die einen harten Frieden forderten. Deutschland sollte zur Kapitulation gezwungen und alle Spuren nationalsozialistischer Herrschaft getilgt werden.
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Quellentext
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Direktive JCS 1067 [...] 4. Grundlegende Ziele der Militärregierung in Deutschland
Es muss den Deutschen klargemacht werden, dass Deutschlands rücksichtslose Kriegführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben, und dass sie nicht der Verantwortung für das entgehen können, was sie selbst auf sich geladen haben.
Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat. Ihr Ziel ist nicht die Unterdrückung, sondern die Besetzung Deutschlands, um gewisse wichtige alliierte Absichten zu verwirklichen [...]
Das Hauptziel der Alliierten ist es, Deutschland daran zu hindern, je wieder eine Bedrohung des Weltfriedens zu werden. [...]
Rolf Steininger, Deutsche Geschichte 1945-1961. Darstellung und Dokumente, Bd. 1, Frankfurt/M. 1983, S. 47 ff.
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Neubewertung der Deutschlandpolitik
Während es zunächst das Ziel der amerikanischen Politik war, Härte gegenüber dem besetzten Deutschland zu zeigen und die alliierte Einigkeit zu bewahren, zeigten sich bereits nach wenigen Monaten Unvereinbarkeiten in den Auffassungen der Siegermächte. Sie führten dazu, dass Deutschland geteilt wurde und jeder der zwei Teilstaaten eng in jeweils eines der Lager des neu entstandenen Ost-West-Blocksystems integriert wurde.
Erste Anzeichen für eine Neubewertung der Deutschlandpolitik durch die Administration Präsident Harry S. Trumans (1945-1953) gab es bereits 1946. Im Februar warnte der Diplomat und Historiker George F. Kennan das US-Außenministerium in einem Telegramm aus Moskau vor der Politik des sowjetischen Diktators Josef Stalin und regte eine Politik der Eindämmung der UdSSR an. Ein weiteres Ausbreiten des sowjetischen Einflussgebietes in Europa oder Asien sollte um jeden Preis verhindert werden.
Der amerikanische Antikommunismus nach dem Krieg war kein neues Phänomen, sondern nahm eine Vorstellung wieder auf, die bereits unmittelbar nach der russischen Oktoberrevolution von 1917 bestanden hatte. Die Ideologie des Marxismus-Leninismus galt als das genaue Gegenteil dessen, wofür die USA standen. Statt Demokratie beanspruchte die KPdSU die Vorherrschaft einer Partei; freie Marktwirtschaft und Religion hatten in der Sowjetunion unter Stalin ebenfalls keinen Platz. Der sowjetische Diktator bestätigte nach 1945 alle Vorurteile, die in den USA gegen ihn gehegt wurden, als er die Rote Armee jenseits der sowjetischen Grenzen stationiert ließ, um im Schutz von Panzern willfährige kommunistische Regierungen in Warschau und Prag einzusetzen.
In dem Maße, in dem sich die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen abkühlten, verbesserte sich das amerikanisch-westdeutsche Klima. Am 6. September 1946 erklärte US-Außenminister James F. Byrnes in Stuttgart, dass die USA ihre Truppen nicht wie geplant unverzüglich aus Deutschland abziehen würden, sondern auf unbestimmte Zeit dort stationiert ließen. Auch in der Wirtschaftspolitik deutete Byrnes eine Kurskorrektur an.
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Stuttgarter Rede von James F. Byrnes [...] Das amerikanische Volk will den Frieden. Es hat schon seit langem nicht mehr von einem strengen oder milden Frieden für Deutschland gesprochen. Darauf kam es auch wirklich niemals an. Was wir wollen, ist ein dauerhafter Friede. [...]
Die jetzigen Verhältnisse in Deutschland machen es unmöglich, den Stand der industriellen Erzeugung zu erreichen, auf den sich die Besatzungsmächte als absolutes Mindestmaß einer deutschen Friedenswirtschaft geeinigt hatten. Es ist klar, dass wir, wenn die Industrie auf den vereinbarten Stand gebracht werden soll, nicht weiterhin den freien Austausch von Waren, Personen und Ideen innerhalb Deutschlands einschränken können. Die Zeit ist gekommen, wo die Zonengrenzen nur als Kennzeichnung der Gebiete angesehen werden sollten, die aus Sicherheitsgründen von den Streitkräften der Besatzungsmächte besetzt gehalten werden, und nicht als eine Kennzeichnung für in sich abgeschlossene wirtschaftliche oder politische Einheiten. [...]
Wir treten für die wirtschaftliche Vereinigung Deutschlands ein. Wenn eine völlige Vereinigung nicht erreicht werden kann, werden wir alles tun, was in unseren Kräften steht, um eine größtmögliche Vereinigung zu sichern. [...]
Rolf Steininger, Deutsche Geschichte 1945-1961. Darstellung und Dokumente, Bd. 1, Frankfurt/M. 1983, S. 214 ff.
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Ab April 1948 unterstützten die USA den wirtschaftlichen Wiederaufbau West-Deutschlands im Rahmen des European Recovery Programs (ERP), des so genannten Marshall-Plans, mit über 1,5 Milliarden US-Dollar. Wichtiger noch als die Höhe der finanziellen Leistungen war die Erkenntnis in den westlich besetzten Zonen, dass statt demontiert wieder aufgebaut wurde und dass Deutschland nicht länger international völlig isoliert dastand. Im Gegenteil: Die westliche Führungsmacht Amerika reichte dem ehemaligen Kriegsgegner ihre helfende Hand.
Im Juni 1948 wurde der Ost-West-Konflikt offensichtlich, als die Sowjetunion eine Blockade über West-Berlin mit dem Ziel verhängte, die Alliierten zum Verlassen der Stadt zu zwingen und ganz Berlin der sowjetisch besetzten Zone einzuverleiben. Präsident Truman reagierte darauf mit der Luftbrücke. West-Berlin wurde ein Jahr lang mit Flugzeugen versorgt. Als im Juni 1950 das kommunistische Nord-Korea den Süden angriff, intensivierte die US-Administration ihre Pläne für einen künftigen deutschen Wehrbeitrag, den Truman bisher zurückgestellt hatte, weil er mit Protesten im europäischen Ausland gegen die Aufstellung einer neuen deutschen Armee gerechnet hatte.
Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949, die Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts 1955 und die Aufstellung der Bundeswehr waren Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich die Einstellung der amerikanischen Politik gegenüber dem ehemaligen Kriegsgegner Deutschland. Es wurde vom Feindstaat zum Verbündeten in der Auseinandersetzung mit dem als Bedrohung empfundenen Kommunismus Moskauer Prägung. Anders als eine Generation zuvor übernahmen die USA nach 1945 Verantwortung für die Zukunft Europas, um das Vordringen einer totalitären Ideologie zu verhindern.
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CARE - Hilfe zum Überleben [...] Im Herbst 1945 gründeten kirchliche Wohlfahrtsverbände CARE. Im Februar 1946 genehmigte Präsident Harry S. Truman die Verschiffung humanitärer Hilfsgüter nach Deutschland.
Das CARE-Paket wurde das wohl berühmteste aller Pakete. Ungezählten Menschen half es über die gröbste Not der Nachkriegszeit hinweg. Für Präsident Truman und General Dwight D. Eisenhower war es eine mitmenschliche Geste internationaler Hilfsbereitschaft.
CARE steht für Cooperative for American Remittances to Europe. Quäker, Mennoniten, die Church of Brothers, auch Gewerkschaften und die Heilsarmee, insgesamt 22 Wohlfahrtsverbände hatten sich in den USA zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Den Menschen im zerstörten Europa wollten sie helfen. [...] Getreu dem biblischen Leitsatz, wonach in der Not auch dem Feinde zu helfen sei, trafen im August 1946, fünf Monate nach Trumans Einwilligung und 14 Monate nach der bedingungslosen Kapitulation, die ersten CARE-Pakete im Nachkriegsdeutschland ein.
Über Bremen, den Nachschubhafen der amerikanischen Besatzungsmacht, kam die lang ersehnte Hilfe ins Land. Von Bremen aus wurden die ausländischen Liebesgaben, wie die CARE-Pakete im offiziellen Sprachgebrauch hießen, in die amerikanische und britische Besatzungszone, später in die französische gebracht, vereinzelt und auf allerlei Umwegen auch in der sowjetischen Zone verteilt.
Bis März 1947 waren es Verpflegungspakete der US-Armee [...]. Als die 2,8 Millionen Feldrationen aufgebraucht waren, entwarf CARE zunächst zwei eigene Modellpakete. Das eine enthielt Fleischkonserven, Kochfett, Zucker, Trockenmilch, Mehl, Schokolade, Kaffee, Seife, Kaugummi und Zigaretten. Das andere Wolldecken, Nähzeug, Kleider und Schuhe. [...] 15 verschiedene Pakettypen standen dem Spender in den USA schließlich zur Auswahl. Bis Juni 1960, als im wirtschaftlich wiedererstarkten Westteil Deutschlands die Hilfsaktion eingestellt wurde, waren acht Millionen CARE-Pakete in Bremen gelöscht und von dort aus verteilt worden. Zum Inhalt gehörten Werkzeuge für Tischler und Aussiedler; Flaschen, Milchpulver, Windeln für Säuglinge. Ab Herbst 1949 gab es sogar ein Festtagspaket, einen unzerlegten Truthahn von sieben Pfund Gewicht, eingelegt und konserviert in einem Kochschmalzbrett. Es gab auch Pakete mit Kindernahrung, Strickwolle, Schweineschmalz, Haushaltswäsche und englischsprachiger Literatur, inklusive eines Wörterbuches. Die für eine Hilfsorganisation untypisch breite Angebotspalette erklärt sich aus der Tatsache, dass CARE ein genossenschaftliches Unternehmen war - zwar nicht mit dem Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, aber doch mit der Vorgabe, als Unternehmen zu arbeiten; die Überschüsse flossen zurück in die humanitäre Hilfe. Des hohen Anteils deutschstämmiger Amerikaner wegen hatte die Geschäftsführung von CARE von Beginn an darauf gepocht, Pakete auch nach Deutschland schicken zu dürfen. 60 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete die Hilfsorganisation in den darauffolgenden Jahren mit Paketen, die für das zerstörte Nachkriegsdeutschland bestimmt waren.
[...] In New York und in allen anderen größeren Städten der USA öffneten CARE-Büros ihre Pforten. Pakete, für die eine Adressenanweisung vorlag, wurden nach Europa verschifft. Der Empfänger quittierte den Erhalt des Paketes. Die Empfangsbestätigung ging zurück in die USA und wurde dem Spender ausgehändigt. [...]
Der "Onkel" oder die "Tante" aus Amerika, die es jenseits des großen Teichs nur selten zu Wohlstand und Reichtum gebracht hatten, wurden im Nachkriegsdeutschland ein sehr lebendiger, mit Gefühlen von Stolz und Neid verbundener Begriff. Der braune Karton, akkurat gepackt und verschnürt mit schwarzen Metallbändern, zählte in den ersten Nachkriegszeiten zur liebsten Post der Deutschen. Die einen harrten in gespannter Erwartung, bis der Briefträger auch ihnen eine Anweisung für ein solches CARE-Paket überbrachte, andere erblickten darin schlicht und ergreifend ein Geschenk des Himmels, den einzigen Lichtblick in der Stunde ihrer bittersten Not. [...]
Godehard Weyerer, "Liebesgaben aus Übersee: Die CARE-Pakete", in: Detlef Junker (Hg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges, Bd. 1, Stuttgart/München, S. 795 ff.
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In West-Deutschland herrschte nach 1945 ebenfalls eine grundlegend andere Einstellung den USA gegenüber vor als nach 1918/19. Nach dem Ersten Weltkrieg sahen große Teile der deutschen Bevölkerung die amerikanische Kultur allgemein und die Politik Wilsons im Besonderen kritisch. Demgegenüber festigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland quer durch alle Bildungs- und sozialen Schichten, besonders jedoch unter der Jugend, eine positive Sichtweise auf die USA. Alle Aspekte amerikanischer Kultur - Musik, Literatur, Filme - wurden begierig aufgegriffen, und das US-Militär galt als Garant für die Freiheit West-Deutschlands.
Erleichtert wurde dies durch identische politische Ziele, kulturelle Übereinstimmungen in beiden Ländern, eine gegenseitige Achtung vor den Traditionen und Errungenschaften des anderen und nicht zuletzt durch Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks, die pragmatisch die Chance erblickten, den westdeutschen Teilstaat zu einem freiheitlich-demokratischen Land zu entwickeln. "Ich glaube, es ist sehr selten in der Geschichte vorgekommen, daß ein siegreiches Volk dem Besiegten in einer solchen Weise seine hilfreiche Hand entgegengestreckt hat, wie es das amerikanische Volk tat. [...] Das deutsche Volk hat dadurch wieder Mut bekommen, es hat wieder Vertrauen bekommen, und es hat sich [...] davon überzeugt, daß auch im Leben der Völker nicht nur Gewalt und Eigennutz die treibenden Kräfte sind", erklärte Bundeskanzler Konrad Adenauer (1949-1963) zu Beginn seines Besuchs in den USA am 6. April 1953 (Erinnerungen, 1945-1953, Stuttgart 1965, S. 566). Dass in diesem Prozess das Ziel der deutschen Einheit einstweilen in den Hintergrund rückte, war jedoch eine Quelle dauernder politischer Auseinandersetzungen in den ersten Jahren bundesrepublikanischer Geschichte.
Die treibende Kraft hinter der Integration West-Deutschlands in die westliche Staatengemeinschaft war Bundeskanzler Adenauer. Er sah in den Jahren der politischen Weichenstellung nach dem Krieg in Amerika den einzigen Garanten für Frieden und Freiheit. Mit dem US-Hochkommissar John McCloy, dem ersten amerikanischen Botschafter in Deutschland, James B. Conant, und vor allem mit Außenminister John Foster Dulles verband ihn eine persönliche Freundschaft, wie sie unter Staatsmännern die Ausnahme ist.
In der Rückschau erscheinen die Jahre der Regierungszeit Konrad Adenauers als das erste goldene Zeitalter der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Mit der Demokratisierung des westdeutschen Teilstaates, die sich im Grundgesetz manifestierte, gelang den USA in den Amtszeiten der Präsidenten Truman und Dwight D. Eisenhower (1953-1961) einer der größten außenpolitischen Triumphe Amerikas: Aus einem Kriegsgegner mit einer nur begrenzten demokratischen Tradition und einer militaristischen Vergangenheit wurde eine stabile Demokratie, die sich seither weltweit für Frieden einsetzte, im Inneren Freiheit garantierte und ein soziales Sicherheitsnetz für ihre Bevölkerung schuf.
Acht Jahre nach Kriegsende wurde der deutsche Bundeskanzler von Präsident Eisenhower in der amerikanischen Hauptstadt Washington mit militärischen Ehren begrüßt. Ein weiteres Jahrzehnt später reiste Präsident John F. Kennedy (1961-1963) in einem Triumphzug durch Deutschland. Der Jubel der Menschen in Bonn, Köln, Frankfurt und vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin konnte jedoch nicht überdecken, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu diesem Zeitpunkt bereits einen ersten Dämpfer in der Sicherheits- und Berlinpolitik erhalten hatten. |
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09. Februar 2012
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