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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2006)
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Kinderarmut im Stadtteil: Intervention und Prävention |

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Carolin Reißlandt / Gerd Nollmann
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Seitdem Richard Hauser die "Infantilisierung der Armut" im Jahr 1989 als neuen Armutstrend in Deutschland identifizierte, bestätigten viele Untersuchungen eine "Sockelarmut" bei Kindern und Jugendlichen, die während der neunziger Jahre entstanden ist. Jüngeren Erhebungen zufolge stellten Minderjährige Ende 2003 mit 1,1 Millionen das Gros der Sozialhilfebezieher; ihre Armutsrisikoquote lag mit 7,2 Prozent doppelt so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt (3,4 Prozent) und stieg, je jünger die Altersgruppe war.
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Zur Person |
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Carolin Reißlandt Dipl.-Soz.Arb., Doktorandin, geb. 1974; wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen, Institut für
Soziologie, Campus Duisburg,
Bismarckstr. 67, 47057 Duisburg. E-Mail: carolin.reisslandt@stud.uni-due.de
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Nach Schätzungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erhöhte sich die Anzahl von Kindern, die auf Sozialhilfeniveau leben, durch die Einführung des Arbeitslosengeldes II und die Umgestaltung der sozialen Sicherungssysteme Anfang 2005 auf 1,7 Millionen oder 14,2 Prozent aller Minderjährigen. Die Einkommensarmut von Kindern in der Bundesrepublik habe damit eine historisch neue Dimension erreicht; nicht nur die Größenordnung sei neu, sondern "auch die Tatsache, dass diese Rekordkinderarmut mit In-Kraft-Treten von Hartz IV quasi über Nacht entstand".
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Zur Person |
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Gerd Nollmann PD Dr. phil., geb. 1967; wissenschaftlicher Assistent an der Universität Duisburg-Essen, Institut für Soziologie, Campus Duisburg, Lotharstr. 65, 47057 Duisburg.
E-Mail: gerd.nollmann@uni-duisburg-essen.de
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Kinderarmut weist immer auch sozialräumliche Prägungen auf. Die regionale Verteilung von Sozialgeld beziehenden (also in "Hartz-IV-Haushalten" aufwachsenden) Minderjährigen streute im Oktober 2005 von 12,7 Prozent in den westdeutschen bis 27,9 Prozent in den ostdeutschen Ländern einschließlich Berlin und belegt zudem ein Nord-Süd-Gefälle zwischen den Bundesländern. Noch größer fallen die Differenzen aus, wenn die "Sozialgeld-Dichte" (also der Anteil Sozialgeld beziehender an allen Kindern) kleinräumiger nach Städten bzw. Landkreisen unterschieden wird: In den 388 Kreisen, zu denen Daten vorlagen, reichte sie unter den Bis-zu-14-Jährigen von 40,6 bzw. 38,6 Prozent in den Städten Görlitz bzw. Bremerhaven bis 0,29 bzw. 0,28 Prozent in den Landkreisen Ebersberg bzw. Eichstätt. Die gemeinsame Studie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Frankfurter Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) wies darauf hin, dass Armutsrisiken von Kindern mit der Wohnortgröße steigen: In Gemeinden mit 20.000 Einwohnern lag die Armutsquote von Vorschulkindern bei 18 Prozent, in solchen zwischen 20.000 und 100.000 betrug sie schon 27 und in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern bereits 31 Prozent.
Während in der Mehrzahl wohlhabender Gebiete nur wenige einkommensarme Familien leben, beträgt die Sozialhilfequote von Kindern in einigen städtischen Wohngebieten mehr als 40 Prozent. Die lokalen Wohnbedingungen sind durch eine schlechte Infrastruktur geprägt; unter den Bewohnern befinden sich viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger, Minderjährige, Geringverdienende und Migranten. In diesen von der gesamtstädtischen Entwicklung zunehmend abgekoppelten "Armutsinseln" häufen sich Risiken, welche die Lebenschancen der Bewohner erheblich belasten. |
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10. Februar 2012
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Zahlen und Fakten |
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Die soziale Situation in Deutschland
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