Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (B 12/2001)

Umweltflüchtlinge. Ursachen und Lösungsansätze


Frank Biermann
Inhalt

I. Einleitung

II. Ursachen

III. Lösungswege

I. Einleitung
Neben Hunger, Armut, Krieg und Menschenrechtsverletzungen ist die Zerstörung der Umwelt zur Ursache von Flucht und Abwanderung geworden, auch wenn "Umweltflüchtlinge" konzeptionell schwer zu fassen bleiben [1] . Denn niemand flieht vor der Umwelt, niemand ist "Umweltflüchtling" per se. Wer flieht, weil sein Acker kein Bewirtschaften mehr erlaubt, verlässt eine Heimat, weil Alternativen zum Lebensunterhalt fehlen - also aus Armut. Wer flieht, weil aus ökologischen Problemen gesellschaftliche Brennpunkte wurden, wie in Ruanda, flieht letztlich vor Krieg und Gewalt. Oft ist Umweltzerstörung ein wichtiges Abwanderungsmotiv neben vielen anderen, selten jedoch nur das einzige [2] .

  • PDF-Version: 64 KB


  • Zur Person
    Frank Biermann
    Dr. phil., geb. 1967; Politologe und Völkerrechtler, koordiniert das Pilotprojekt "Global Governance" am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK); seit 2000 Fellow der World Academy of Art and Science.

    Anschrift: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Postfach 601203, 14412 Potsdam.
    E-Mail: frank_biermann@hotmail.com

    Veröffentlichung u.a.: Weltumweltpolitik zwischen Nord und Süd. Die neue Verhandlungsmacht der Entwicklungsländer, Baden-Baden 1998.

    Deshalb kommt es nicht überraschend, dass der "Umweltflüchtling" in der Literatur ein vielfältiges Leben führt. Geprägt wurde der Begriff in einem Bericht des UN-Umweltprogramms von 1985, in dem Umweltflüchtlinge definiert wurden als "those people who have been forced to leave their traditional habitat, temporarily or permanently, because of a marked environmental disruption . . . that jeopardised their existence and/or seriously affected the quality of their life" [3] . Spätere Autoren nutzten andere Begriffsbestimmungen [4] , und je nach Definition und Basisdaten schwanken die Angaben über die Zahl der weltweiten Umweltflüchtlinge. Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, geht beispielsweise von 22 bis 24 Millionen Umweltflüchtlingen aus [5] , Norman Myers errechnete "mindestens" 25 Millionen derzeitige Umweltflüchtlinge - vor allem in Afrika südlich der Sahara, China, Zentralamerika und Südasien - und erwartet insgesamt 50 Millionen im Jahre 2010 [6] . Andererseits erwähnen manche internationalen Dokumente "Umweltflüchtlinge" mit keinem Wort, beispielsweise die 1992 auf dem "Erdgipfel" in Rio de Janeiro beschlossene "Erklärung über Umwelt und Entwicklung". Auch die "Agenda 21", das in Rio de Janeiro beschlossene Aktionsprogramm, nennt Umweltflüchtlinge nur einmal im Rahmen ihres Teilprogramms zu Dürre und Desertifikation [7] .

    Im Völkerrecht sind Umweltflüchtlinge ebenfalls eine unbekannte Größe. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 erkennt Umweltzerstörung nicht als Fluchtgrund an und bietet "Umweltflüchtlingen" keinen Schutz, soweit sie nicht die anderen Kriterien der Konvention erfüllen, also zu den Menschen zählen, die aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Mitgliedschaft zu einer sozialen Gruppe oder ihrer politischen Meinung verfolgt werden. Damit erfasst die Genfer Konvention auch nur grenzüberschreitende Fluchtbewegungen, nicht jedoch das häufigere innerstaatliche Abwandern. Regionale Abmachungen zum Schutz von Flüchtlingen in Afrika und Lateinamerika sind breiter gefasst als die Genfer Konvention und umfassen weitere Kategorien von Flüchtlingen, erkennen aber ebenfalls Umweltdegradation nicht als Fluchtgrund an.

    Ebenso behandelt das 1949 eingerichtete Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) "Umweltflüchtlinge" nur am Rande, da diese Menschen in der Regel weiterhin den Schutz ihres Staates genießen und deshalb nicht "Flüchtlinge" im engen Sinne des Flüchtlingsrechts sind [8] . Anfang der neunziger Jahre schuf der UNHCR zwar einen Umwelttreuhandfonds und die Stelle eines Umweltkoordinators. Hiermit sollten jedoch die ökologischen Folgen von Massenflucht, nicht aber Umweltzerstörung als Fluchtursache eingedämmt werden. Eine Reihe von Autoren vermeiden aus diesen Gründen grundsätzlich den Begriff des "Umweltflüchtlings" und sprechen stattdessen von "Umweltmigranten" [9] . Ein Motiv ist dabei die befürchtete Schwächung des Status der politischen Flüchtlinge gemäß der Genfer Konvention, sollte der Flüchtlingsbegriff auf zu große Menschengruppen ausgedehnt werden.
    Themen | Wissen | Veranstaltungen |
    Publikationen | Lernen |
    Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
    Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
    07. Februar 2012
    Druck-Version
    Artikel versenden
    Inhalt
    Bild vergrößern
    Umweltpolitik und Nachhaltigkeit
    Editorial
    Von der ökologischen Sicherheit zum nachhaltigen Frieden?
    Umweltpolitik und nachhaltige Friedenspolitik
    Krisenprävention in einer gewaltträchtigen Welt. Was kann europäische und deutsche Entwicklungspolitik leisten?
    Umweltflüchtlinge. Ursachen und Lösungsansätze
    Fortgesetzte Umweltzerstörung in Lateinamerika trotz des Diskurses der nachhaltigen Entwicklung?
    Lexikonsuche
    Suchwort:
    Lexika: