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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 42-43/2009)

Medienwechsel - Verlegen in digitalen Zeiten - Essay


Gottfried Honnefelder / Claudia Paul
Inhalt

Einleitung

Digitales Format als Chance und Problem

Verlagsinstrumente für den digitalen Markt

Zukunft als "Metamorphosis"?

Einleitung
Wir schreiben das Jahr 2009. Digitale Medien breiten sich aus, werden flächendeckend genutzt und jeden Tag perfektioniert. Bücher sind schon heute mehr als bedrucktes Papier, sie sind E-Books, Verlagsdatenbanken oder auch inhaltlich gestaltete und unterstützte Netzwerke. Knapp ein Drittel aller Deutschen kann nach eigener Aussage auf das Internet nicht mehr verzichten; von Büchern meinen das 18 Prozent.[1] Diese Botschaft ist eindeutig. Die Lesefreudigkeit allerdings behauptet sich: 90 Prozent der Deutschen haben offenbar mindestens ein Buch im Jahr gelesen, ein Wert, der im Vergleich zu 2005 nahezu gleich geblieben ist.

Zur Person
Gottfried Honnefelder
Dr. phil., geb. 1946; Honorarprofessor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Mitglied des Stiftungsrates für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels; Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V., Großer Hirschgraben 17/21, 60311 Frankfurt/Main.

Dennoch zeigt der Wandel Wirkung: Was sich ändert, sind die Motive, Bücher zu lesen. Unterhaltung und Entspannung stehen im Jahr 2009 noch deutlicher an der Spitze. Rat holt man sich mittlerweile aber anderenorts, und auch das Bedürfnis nach Allgemeinbildung oder Aus- und Weiterbildung wird nicht mehr in erster Linie durch gedruckte Bücher gestillt. Das schlägt sich im Markt nieder: Genres, die der Information dienen, wie Ratgeber, Sachbücher oder Nachschlagewerke, verlieren kontinuierlich Anteile am klassischen Buchmarkt. Informationen erhält man schnell, bequem, häufig und möglichst kostenlos im Netz.

Zur Person
Claudia Paul
M.A., geb. 1965; Pressesprecherin des Börsenvereins (s.o.).
E-Mail: paul@boev.de

Kulturen haben sich stets mit ihren Medien verändert und entwickelt. Sie haben ihre eigenen technischen Möglichkeiten hervorgebracht, und umgekehrt haben neue technische Möglichkeiten auf die Gestalt der Kultur zurückgewirkt. Die auch für die Gesellschaft zentrale Frage lautet deshalb: Was bedeutet dieser Wandel für die Buchkultur und das Verlagswesen der Zukunft?

Die Buchkultur in ihrer ganzen Breite - von der Überlebenshilfe bis zur Wissensvermittlung und zur Unterhaltung - ist nicht unabhängig zu denken von der Wertschätzung des Kulturgutes Buch. Es ist die kleine Spitze, von deren Valenz die Breite lebt. Wer also macht sich wen dienstbar? Wird sich das Buch- und Verlagswesen die Kulturtechnik des elektronischen Mediums dienstbar machen und sie dadurch befördern, oder werden deren eigene Regeln und Gesetze zur Auflösung der tradierten Buchkultur führen? Will man sich weder im unbegrenzten Fortschrittsglauben noch in nostalgischen Kulturwelten verirren, muss sich die Entwicklung von Buchkultur und Electronic Publishing an den beiden Elementen ausrichten, welche die tradierte Buchkultur zum unverwechselbaren Teil aller Gegenwartskulturen hat werden lassen.

Schriftlichkeit: Kultur schafft Verständigung über sinnhafte Inhalte. Doch erst wo diese Inhalte dauerhaften Ausdruck im schriftlichen Artefakt gewinnen, kann Kultur als ein Prozess entstehen, der über Generationen hinweg reicht, der Überlieferung mit Wandel verbindet und der sich anderen Kulturen öffnet.

Authentizität: In einer Kultur der Schriftlichkeit und des Buches muss sich die Freiheit zur Äußerung und zum Austausch von Meinungen in kulturellen Rechten manifestieren. Zum Menschenrecht oder zum Grundrecht auf freie Meinungsäußerung tritt das kulturelle Recht, das die Authentizität des kulturellen Produkts mit der freien Zugänglichkeit für alle verbindet. Im Medium des Buches hat dieser Prozess die für die neuzeitliche Kultur maßgebliche Gestalt gefunden. Es bewahrt das geistige Eigentum seines Urhebers dauerhaft und macht das Gut in der Form des Verlegens jedermann zugänglich.
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10. Februar 2012
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