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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)

Perspektiven eines alternativen Internet


Rainer Winter
Inhalt

Einleitung

Cultural Studies und alternative Medien

Globalisierung und neue soziale Bewegungen

Taktische Medien und Social Software

Internet und Fangemeinschaften

Schlussfolgerungen

Internet und Fangemeinschaften
Weniger spektakulär als die TM-Aktivisten und Aktivistinnen, aber dennoch von großer Bedeutung sind die (jugendlichen) Fangemeinschaften und sozialen Welten, die sich mittels des Internet verdichtet haben bzw. erst herausbilden. Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Fans - und dies gilt auch für jugendliche Fans - entgegen weit verbreiteter Vorurteile aktive und kreative Konsumenten und Konsumentinnen sind, die oft ihr erworbenes Wissen in eigene Produktionen von Texten, Filmen oder Kunstobjekten umsetzen möchten.[30] So lässt sich bei Fans zwischen verschiedenen Formen von Produktivität unterscheiden: zwischen semiotischer, expressiver und textueller Produktivität [31]

Eine große Bedeutung kommt in der Gegenöffentlichkeit der Fans Fanzines und Newslettern zu, die auf der Basis textueller Produktivität eine überlokale Kommunikation und auch die Koordination von Fanaktivitäten bewerkstelligen. Sie werden von "kompetenten" Fans für Fans gemacht. Mit ihren Artikeln, die auf einem detaillierten und spezialisierten Wissen beruhen, bewerten, kritisieren und feiern sie ihre jeweiligen Kultobjekte wie etwa Fernsehserien, Science-Fiction-Filme oder progressiven Rock. Dabei ist für Fans die Produktion und Zirkulation von neuen und alternativen Bedeutungen mit Vergnügen verbunden und kann gemeinschaftsstiftend wirken.

Das Ezine, die Internetausgabe des Fanzine, erleichtert zum einen den Zugang zu Informationen, weil Fanzines nun weltweit zugänglich sind. Zum anderen werden Vergemeinschaftungen von Fans auf der Basis ihres spezialisierten Interesses und ihres geteilten Wissens leichter möglich. Ezines tragen so zur Reproduktion und Ausdehnung von minoritären Spezialisierungen und Geschmacksrichtungen bei, die von den Mainstreammedien nicht oder kaum bedient werden.

Zudem verbessert das Internet die Bedingungen für Fans, ihr angeeignetes Wissen, das auch über ihren Status in ihrer Sozialwelt bestimmt, in gemeinsame Projekte umzusetzen. Fans schätzen beispielsweise Enzyklopädien, in die sie ihr Wissen als Liebhaber, Sammler und Experten einbringen können. So gibt es Webpages, die für diesen Zweck entwickelt wurden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Gibraltar Encyclopedia of Progressive Rock (No Titel ), in der alle Einträge von Fans geschrieben werden. Ihr erklärtes Ziel ist es, nicht nur bekannte Gruppen aufzunehmen, sondern auch Entdeckungen in diesem Bereich zu beschreiben. Viele Künstler haben auch unterschiedliche Einträge, so dass eine Vielfalt von Kommentaren und Kritiken zur Verfügung steht, mit der herkömmliche Rock-Enzyklopädien nicht mithalten können.[32]

Dabei ist zu beachten, dass die Fans in der Regel Autodidakten sind, die ihr Wissen nicht durch eine formale Ausbildung, sondern durch leidenschaftliches Engagement und langjähriges Interesse erworben haben. Wenn ihr Wissen innerhalb einer Fangemeinschaft zirkuliert, erhöht dies ihr Ansehen und ihr (populär-)kulturelles Kapital. Im Idealfall vertiefen die Fans sich im Internet in ein demokratisches Gespräch, in dem das Objekt ihrer Begierde gefeiert wird. Dies war auch schon vorher in Fangemeinschaften möglich,[33] aber das Internet trägt zu einer Verbesserung und Erleichterung dieser Form von Kommunikation bei.
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10. Februar 2012
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Neue Medien - Internet - Kommunikation
Editorial
Raumzeitliche Struktur im Internet
Globalisierung der Medien und transkulturelle Kommunikation
Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert
Perspektiven eines alternativen Internet
Internetnutzung von Migranten - ein Weg zur Integration?
Kinder und Jugendliche zwischen Virtualität und Realität
Psychische Folgen der Internetnutzung
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