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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 52/2008)

Arbeitsalltag einer Kultfigur: Der Techno-DJ


Ronald Hitzler / Michaela Pfadenhauer
Inhalt

Einleitung

Erlebnisqualität Techno-Musik

Der Arbeitsplatz des DJs

Der DJ bei der Arbeit

Fazit

Einleitung
Nach Dr. Motte - bürgerlich Matthias Roeingh -, "Vater der Love Parade" und einer der erfahrensten DJs, ist die Arbeit am DJ-Pult ausgesprochen simpel: "Also, das mit dem Auflegen ist ganz einfach: Da nimmst Du zwei Platten, legst sie auf die Plattenteller, lässt die erste laufen, mischst die zweite rein, nimmst die erste runter und legst 'ne neue auf. Und so geht's dann immer weiter." Der Rest ist für den kompetenten DJ offenbar ein mehr oder weniger fraglos inkorporiertes Routine- und Rezeptwissen. Allerdings begreift sich Dr. Motte auch - ähnlich wie Felix Kröcher, der "DJ des Jahres 2007" (wenn auch mit einem deutlich anderen "body style") - ausdrücklich als "interaktiver DJ". Für ihn ist ohnehin ganz selbstverständlich, woran ein anderer seiner weltberühmten Kollegen, DJ Westbam - bürgerlich Maximilian Lenz -, alle Plattenleger einmal vehement erinnert hat: "Vergesst die Party nicht!"

Zur Person
Ronald Hitzler
Dr., geb. 1950; Professor für Allgemeine Soziologie an der Technischen Universität Dortmund.
E-Mail: ronald@hitzler-soziologie.de
Internet: www.hitzler-soziologie.de
www.jugendszenen.com

In diesem Beitrag wollen wir zu zeigen versuchen, dass der "Fame" eines DJs, das heißt seine Wertschätzung in der Techno-Szene, wesentlich aus seinem - von einer zumindest zu wesentlichen Teilen einschlägig urteilsfähigen Party-Gemeinschaft als solchem kompetent wahrgenommenen - (szene-)typischen Tun erwächst. Damit nähern wir uns dem Phänomen des DJ-Kults vom banalen Arbeitsalltag her und somit gleichsam von der Gegenseite dessen, wovon Ulf Poschardt in seiner 1995 unter dem Titel "DJ Culture" erschienenen Dissertation ausgegangen ist:[1] Während Poschardt eine lange Ästhetik-Geschichte des DJs als einer sich über viele Stationen hinweg entwickelnden Kultfigur des 20. Jahrhunderts schreibt, die irgendwann dann auch in der Techno-Szene ankommt, diese aber - intellektuell und ästhetisch - eigentlich stets transzendiert, versuchen wir im Folgenden nachzuvollziehen, wie die Idol-Funktion des DJs aus seiner situativen Praxis am Plattenteller heraus - ständig neu - entsteht.

Zur Person
Michaela Pfadenhauer
Dr., geb. 1968; Professorin für Soziologie - unter besonderer Berücksichtigung des Kompetenzerwerbs - an der Universität Karlsruhe (TH).
E-Mail: pfadenhauer@soziologie.uka.de
Internet: www.soziologie.uni- karlsruhe.de

Wir achten also weniger auf die mediensymptomatische Frage, wie viel "Fame" dem DJ-Auftritt bereits vorausläuft und die Party-Teilnehmer dadurch zu Fans im ganz konventionellen Sinne macht, dass sie einen bestimmten DJ deshalb wichtig nehmen, weil er bereits als wichtig gilt bzw. weil er bereits berühmt ist. Wir achten vielmehr auf das, was der DJ typischerweise tut, wenn er als DJ auf einer Techno-Party kompetent handelt, weil wir eben diese Qualität als conditio sine qua non seines "Fames" betrachten. Das heißt, wir unternehmen eine Strukturbeschreibung der normalen Bühnen-Bedingungen, unter denen der DJ arbeitet und die er als Rollenspieler situativ handelnd bewältigt.[2]
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19. März 2010
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