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Informationen zur politischen Bildung - aktuell
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Nordkaukasien - von Widerstand geprägt |

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Uwe Halbach
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Ethnische und sprachliche Vielfalt |
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Der Nordkaukasus hebt sich durch die große Zahl seiner Volksgruppen und Sprachen unter allen Landesteilen der Russischen Föderation hervor. In Dagestan ist diese Vielfalt mit mehr als dreißig einheimischen Volksgruppen mit eigener Sprache am stärksten ausgeprägt. 14 davon gelten als Hauptnationalitäten der Republik und sind politisch insofern repräsentiert, als sie ein kollektives Staatsoberhaupt - ein Staatsrat genanntes Präsidialkollegium - bilden. Aus Gründen ethno-politischer Balancewahrung verzichtet Dagestan als einzige Teilrepublik der Russischen Föderation auf das Amt eines Präsidenten.
Das politische Verhältnis zwischen den Ethnien ein und derselben Gebietseinheit ist mitunter gespannt. Dies zeigte sich zum Beispiel in der binationalen Republik Karatschai-Tscherkessien, in der Karatschaier mit über 40 Prozent die Mehrheitsgruppe bilden, gefolgt vom russischen Bevölkerungsteil. Die andere namengebende Nationalität, die Tscherkessen, machen kaum zehn Prozent der Republikbevölkerung aus. Sie fühlten sich 1999 bei der Präsidentenwahl in der Republik von der karatschaiischen und russischen Mehrheit politisch derart an den Rand gedrängt, dass sie dies in Protestaktionen gewaltfrei zum Ausdruck brachten.
Die nordkaukasischen Völker hatten vor 1917 kaum ein partikulares Nationalbewusstsein entwickelt. Dies geschah erst in sowjetischer Zeit. Die sowjetische Nationalitäten- und Territorialpolitik hat hier eine fragwürdige "nationale Abgrenzung" betrieben und ethnisch definierte Autonome Republiken (AR) und Autonome Gebiete (AG) mitunter willkürlich aus dem kaukasischen Völkerlabyrinth herausgestanzt. So wurden durch Schaffung der beiden binationalen Einheiten Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien verwandte Ethnien (Kabardiner/Tscherkessen, turksprachige Karatschaier/Balkaren) administrativ getrennt und nichtverwandte zusammengeführt. Dabei kam es durch die Verklammerung von Bergvölkern mit Talvölkern in nationalen Gebietskörperschaften zu Spannungen. Deportationen ganzer Völker und ihre Repatriierung, die Auflösung und Wiedererrichtung ihrer Gebietskörperschaften bewirkten ein Hin und Her im ethno-territorialen Gefüge der Region und erzeugten Konfliktpotenziale, die sich teilweise erst beim Zerfall der Sowjetunion entzündeten.
Die nordkaukasische Bevölkerung gehört drei größeren Sprachenfamilien an: der indo-europäischen, der altaiischen und der eigentlichen kaukasischen (ibero-kaukasischen). Zur ersten gehören neben der russischen Sprache das Armenische und iranische Sprachen wie ossetisch, zur zweiten die Turksprachen (wie zum Beispiel karatschaiisch und balkarisch). Am stärksten ist die Familie der kaukasischen Sprachen untergliedert. Sie unterteilt sich in westkaukasische (abchasisch-adygeische Gruppe, etwa abchasisch, kabardinisch, tscherkessisch) und ostkaukasische Sprachen (nachische Gruppe mit tschetschenisch und inguschetisch, dagestanische Gruppe). Zu ihr kommt die Gruppe der südkaukasischen Sprachen hinzu, die überwiegend in Georgien verbreitet sind. Bei der hohen Zahl an Einzelsprachen gab es in Kaukasien stets Verkehrsprachen, um die Kommunikation über engere lokale Grenzen hinweg zu ermöglichen. Dazu gehörten neben dem Russischen die Turksprachen und in Dagestan, wo es in vorsowjetischer Vergangenheit eine relativ breite religiöse Bildungsschicht gab, auch das Arabische.
Die ethnische Vielfalt ist durch innerkaukasische, teilweise auf Druck äußerer Mächte ausgelöste Wanderungen und Zuwanderung von außen (russische Kolonisation) entstanden. Ihrer religiösen Zuordnung nach sind die meisten nordkaukasischen Ethnien muslimisch geprägt, blicken in ihrer Geschichte aber auch auf Phasen der Christianisierung zurück. Das ossetische Volk ist die einzige alteingesessene Ethnie der Region, deren Mehrheit heute der christlich-orthodoxen Kirche angehört. Einige Völker wie das tschetschenische, inguschetische und balkarische traten erst zu einem relativ späten Zeitpunkt im 17. bis 18. Jahrhundert zum Islam über. Am frühesten wurde der Islam in Dagestan verwurzelt. Religiös-politische Konflikte resultierten in jüngster Zeit aus der Herausforderung der traditionellen Volksreligiosität durch teilweise von außen beeinflusste fundamentalisch-islamistische Strömungen, die den lokalen Brauchtums-Islam (wie Sufi-Orden und Heiligenkulte) als "heidnisch" denunzieren. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Innerstaatliche Konflikte
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