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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 44/2002)
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Die Innenseite der der Globalisierung |

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Über die Ursachen von Wut und Hass Götz Eisenberg
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X. Der Amoklauf des Geldes |
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Wir möchten uns im Spiegel von Amoklauf und Terror nicht selbst erkennen und neigen dazu, die entgrenzte Gewalt zu betrachten, als stamme sie von einem fremden Stern. Dabei ist es das wahnsinnig anmutende Bestreben der Amokläufer und Terroristen, möglichst viele Unbeteiligte in den eigenen Untergang mitzureißen, durchaus von dieser Welt. Der gewaltsame und menschenfeindliche Charakter einer auf Kälte, Konkurrenz und Gleichgültigkeit getrimmten Gesellschaft und ihre Tendenz zur Selbstzerstörung werden vom Amokläufer gleichsam aus der Abstraktion gerissen. Je unmittelbarer die Täter das Ergebnis ihrer und unserer gesellschaftlichen Verhältnisse sind, desto lauter ist unser Aufschrei.
Das Verhalten von Amokläufern weist eine mehr als nur formale Analogie zum Vorgehen der Global Player der Geldwelt auf, die sich mitunter wie Gurus von Selbstmordsekten verhalten. Sind die Strategen der "New Economy" nicht einem ähnlichen Muster gefolgt, als sie in ihren absehbaren Untergang möglichst viele Leichtgläubige mit hineinrissen? Setzen spekulierende Konzernchefs nicht das Vermögen ganzer Völker aufs Spiel?
Da werden im Namen des kurzfristigen Gewinns soziale Strukturen planiert, die über Jahrzehnte gewachsen sind und den Menschen Schutz vor den schlimmsten Auswüchsen des Kapitalprinzips boten. Da wird flexibilisiert, dereguliert und privatisiert, da werden Kosten gesenkt ohne Rücksicht auf soziale und ökologische Folgen. Von den hoch entwickelten Ländern werden Rohstoffe und natürliche Ressourcen in ungebremstem Tempo verbraucht, und außer Kosmetik unternehmen sie nichts gegen die irreversible Schädigung der Biosphäre. Von der wertzynischen Motorik des Geldes werden sozialmoralische Polster und Traditionsbestände verzehrt, ohne die ein Gemeinwesen nicht existieren und menschliche Identitätsbildung nicht gelingen kann.
Ein hemmungslos gewordener Kapitalismus ist im Begriff, seine und unser aller Existenzbedingungen zu zerstören. Wenn alles Hemmende beseitigt ist, wird es auch nichts mehr geben, das trägt und zusammenhält. Eine Welt, die nur noch aus Märkten besteht, wird sich als nicht lebbar, ja nicht einmal funktionsfähig erweisen. Wenn es uns, den heute lebenden Menschen, nicht gelingt, das Steuer herumzureißen und die Gefahren des entfesselten Marktes zu stoppen, drohen wir am Ende Zeugen eines martwirtschaftlichen Schiffsuntergangs zu werden, von dem wir alle betroffen sind, nämlich als Opfer. |
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10. Februar 2012
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