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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 44/2002)

Die Innenseite der der Globalisierung


Über die Ursachen von Wut und Hass
Götz Eisenberg
Inhalt

Einleitung

I. "Sind wir nicht alle ein bisschen Robert?"

II. Verinnerlichte soziale Kontrolle

III. Wieviel Flexibilität verträgt der Mensch?

IV. Psychische Deregulierung

V. Soziale und psychische Desintegration

VI. Die "Bösen" sind wir los, das "Böse" ist geblieben

VII. Geräte-Sozialisation

VIII. Ein moralisches Ozonloch

IX. "Entinnerlichung" der sozialen Kontrolle

X. Der Amoklauf des Geldes

VIII. Ein moralisches Ozonloch

Die Moral hat im Über-Ich ihren Sitz. Nach allem, was wir eben diskutiert haben, darf es uns nicht wundern, wenn es um die Moral zunehmend schlecht bestellt ist. Kulturelle Normen und Werte werden nur dann verinnerlicht, wenn sie in der Auseinandersetzung mit leibhaftig anwesenden Eltern, die selber über verbindliche Orientierungen und eine leidlich stabile Identität verfügen, erfahrbar werden. Ein "Kollateralschaden" des flexiblen Kapitalismus besteht darin, dass er die Formen zu zerstören beginnt, in denen sich die bürgerliche Gesellschaft die menschliche Natur bislang angeeignet und einer zivilisatorischen Formung unterzogen hat. Richard SennettVgl. Richard Sennett, Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin 1998, S. 15 ff. hat gezeigt, dass Charakter- und Identitätsbildung der nachwachsenden Generationen aufs Höchste bedroht sind, wenn die Imperative des Marktes und einer auf Kurzfristigkeit basierenden Ökonomie in den familiären Raum eindringen und auf die Sozialisationsprozesse durchschlagen. Wie soll die kulturelle und moralische Transmission, die auf eine gewisse raum-zeitliche Kontinuität und Verlässlichkeit angewiesen ist, in einer hektischen und flüchtigen Welt vonstatten gehen? Wie sollen Eltern, die beruflich zu Flexibilität und Mobilität gezwungen sind, ihren Kindern langfristige Tugenden und Bindungsfähigkeit vorleben und vermitteln? Unter solchen Bedingungen werden außengeleitete, "driftende" Menschen heranwachsen, die immer ausschließlicher an den Kursgewinnen ihrer "Ich-Aktien" interessiert sind und ihren Mantel "nach jedem Wind hängen, bis sie selbst fast zu diesem Mantel werden" (Friedrich Nietzsche).

Der marktgängige und allseits kompatible Mensch "verkauft" sich am besten, wenn er Moral auf jenes Minimum schrumpfen lässt, das gerade noch vor strafrechtlicher Verfolgung schützt. Eine primär an den Zweckvorgaben des Marktes und der Maximierung des Shareholder Value orientierte Globalisierung produziert am gesellschaftlichen Wertehimmel ein sich stetig ausdehnendes moralisches Ozonloch.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Gewalt in der Gesellschaft
Editorial
Gewalt und Gesellschaft
Gewalt in modernen Gesellschaften - zwischen Ausblendung und Dramatisierung
Jugendgewalt und Gesellschaft
Die Innenseite der der Globalisierung
Gewalttätig durch Medien?
Veränderung der Schulkultur als Ansatz schulischer Gewaltprävention
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