Mehr noch als der Fehlschlag des Ungarn-Aufstandes im Oktober und November 1956, bei dem die westlichen Regierungen ohnmächtig zusehen mußten, wie sowjetische Truppen die ungarische Volkserhebung blutig niederschlugen, löste jedoch der Start eines sowjetischen Erdsatelliten am 4. Oktober 1957 einen Schock aus, der die Grundfesten der westlichen und vor allem der amerikanischen Politik zutiefst erschütterte. Denn mit dem "Sputnik", der als erster künstlicher Satellit die Erde umkreiste, ging für die USA der Nimbus der technologischen Überlegenheit verloren. Militärisch schwerwiegend war dabei die Tatsache, daß die Sowjetunion von nun an die USA mit Interkontinentalraketen bedrohte. Amerika war damit nicht länger eine durch zwei Ozeane geschützte Festung, sondern ebenso erreichbar und verwundbar wie beispielsweise die Länder Ost- und Westeuropas.
Dieser Verlust der geostrategischen Sonderstellung zwang die USA dazu, die eigene Rolle in der Welt neu zu definieren. Vor allem das Verhältnis zur "anderen Supermacht" Sowjetunion bedurfte nun einer Korrektur. Die Sowjetunion hatte dafür mit ihrer Doktrin der friedlichen Koexistenz ein Beispiel gesetzt, wie Chruschtschow am Tag nach dem Start des "Sputnik" gegenüber dem diplomatischen Chefkorrespondenten der New York Times, James Reston, erklärte: "Wir sind für die friedliche Koexistenz nicht deshalb, weil wir schwach sind, nicht deshalb, weil wir die Imperialisten fürchten, sondern deshalb, weil ein neuer Krieg in Anbetracht der modernen tödlichen Waffenarten, wie thermonukleare Bomben und die Mittel zu ihrer Beförderung, wie die interkontinentale ballistische Rakete, den Untergang von Millionen und Aber-Millionen Menschen, die Zerstörung kolossaler materieller Werte, die durch die Arbeit vieler Generationen geschaffen wurden, bedeuten würde."
Diesen Einsichten konnte man sich jetzt auch in Washington nicht mehr verschließen. Die Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten, zwischen Ost und West überhaupt, mußten in Zukunft auf der Grundlage der bestehenden Grenzen und politischen Ordnungen gestaltet werden. Dies beinhaltete keineswegs eine Anerkennung oder gar Billigung der gegnerischen Politik und Ideologie. Aber es erforderte eine zumindest vorübergehende
Respektierung der jeweiligen Einflußsphären. Kernwaffen und ballistische Interkontinentalraketen schufen Bedingungen, unter denen ein allmählicher Abbau des Kalten Krieges und der Übergang zur Entspannungspolitik möglich schien. Es sollte allerdings noch mehr als ein Jahrzehnt dauern, ehe sich diese Tendenz zur Entspannung nach schwerwiegenden Krisen und Konflikten, die sogar bis an den Rand eines Atomkrieges führten, schließlich auch durchsetzte. |
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