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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 50/2007)

Der Wiederaufbau jüdischen Lebens in Italien


Guri Schwarz
Inhalt

Einleitung

Echos der Katastrophe

Schwierige Reintegration

Bilanz der Reintegration

Einleitung
Eine Geschichte der italienischen Juden nach dem Zweiten Weltkrieg muss bei den dramatischsten Auswirkungen der Verfolgung beginnen - bei den Verlusten, welche die jüdischen Gemeinden erlitten haben. Vor Beginn der Verfolgungen zählte die jüdische Gemeinde Italiens ungefähr 47 000 Mitglieder. Diese Zahl war am Ende des Krieges auf weniger als 30 000 geschrumpft. In knapp sieben Jahren hatte das italienische Judentum 40 Prozent seiner Mitglieder verloren, ein Verlust, der zum Teil durch aus dem Ausland einwandernde Juden ausgeglichen wurde, von denen sich 5000 in Italien niederließen. Als Folge der faschistischen Rassengesetzgebung von 1938 hatten sich etwa 4000 Juden von ihrem Glauben losgesagt, und nur wenige von ihnen kehrten nach dem Krieg zu ihrem alten Glauben zurück. Rund 11 000 ausländische und fast 6000 italienische Juden waren emigriert, mehr als 8000 (sowohl ausländische als auch italienische Juden) starben als Folge von Deportationen und Krieg.[1]

Zur Person
Guri Schwarz
Dr. phil., geb. 1975; Dipartimento di Storia, Università di Pisa, Piazza Torricelli 3/a, 56100 Pisa/Italien.
E-Mail: guri.schwarz@fastwebnet.it

Diese demografischen Verschiebungen innerhalb des italienischen Judentums führten zu einer geografischen Neuverteilung. Die Verfolgungen bewirkten, dass sich die schon seit dem 19. Jahrhundert andauernde Abwanderung der jüdischen Bevölkerung aus kleinen und mittleren Städten in die urbanen Zentren beschleunigte: Während im Jahre 1840 in Italien 87 jüdische Gemeinden registriert waren, so waren es nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch knapp über 20. Die jüdische Präsenz konzentrierte sich auf die größten Städte, was zur Folge hatte, dass viele der kleineren Gemeinden, die zuvor aktiv am jüdischen Leben teilgenommen hatten, unwiderruflich ihrer Lebenskraft beraubt wurden. Die größeren Gemeinden wuchsen und hatten ihre wichtigsten Zentren in Mailand und vor allem in Rom, das immer schon den größten jüdischen Bevölkerungsanteil besaß und Sitz der führenden jüdischen Institutionen war.

Im Juni 1956 legte die scheidende Ratsversammlung beim Fünften Kongress der Unione delle Communità Israelitiche Italiane (UCII) einen Bericht vor: Zwei Gemeinden hatten mehr als 6000 (Rom und Mailand), sechs mehr als 1000 (Florenz, Genua, Livorno, Turin, Triest und Venedig), zwei mehr als 500 (Neapel und Pisa), neun zählten mehr als 100 (Alexandria, Ancona, Bologna, Modena, Ferrara, Mantua, Padua, Vercelli und Verona), vier kamen auf weniger als 100 Mitglieder. Nur Rom (12.000) hatte einen ähnlich hohen Anteil von Juden wie vor dem Krieg, Mailand (6000) einen etwas höheren. In den folgenden Jahrzehnten sollte der Bevölkerungsanteil in Rom wieder zunehmen. Mailands Bevölkerungsanteil wuchs innerhalb kurzer Zeit rasch an, hauptsächlich dank seiner Anziehungskraft auf Juden aus dem Ausland.[2]
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10. Februar 2012
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Juden in Europa
Editorial
Die Einbürgerung der jüdischen Religion in Europa
Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nach 1945
Der Wiederaufbau jüdischen Lebens in Italien
Der Fall Dreyfus und die Folgen
Deutschsprachige Literatur und der Holocaust
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Antisemitismus ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache aller Probleme der heutigen Welt sieht. Das Dossier beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft und hilft, sie zu entlarven.
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