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In einer Demokratie zu leben, ist für die Mehrheit der Deutschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Dabei handelt es sich jedoch um eine Errungenschaft, die Westdeutschland erst ab 1945 unter tatkräftiger Starthilfe der Alliierten Westmächte zuteil wurde, während die Ostdeutschen bis zum Jahr 1989 darauf warten mussten.
Die Herrschenden haben die Demokratie nie freiwillig gewährt. Ihre Geschichte – von der Entstehung im antiken Athen über ihre Wiederbelebung in England, Frankreich und den USA in der Neuzeit bis in die Gegenwart hinein – wurde begleitet von Kämpfen um politische Beteiligung. Das Ergebnis sind Kompromisse, Mischverfassungen aus repräsentativen und direktdemokratischen Elementen mit unterschiedlichen Ausprägungen freiheitlicher Rechte, nach denen die Mehrzahl der aktuell 120 Demokratien der Erde heute regiert wird.
Der Rückblick auf die Entwicklung belegt aber auch die Wandlungsfähigkeit der Demokratie, ihr Vermögen, sich immer wieder an neue gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse anzupassen. Dabei wurden allmählich immer breiteren Kreisen Chancen auf politische Teilhabe eingeräumt. Ihre Wirksamkeit bleibt jedoch abhängig von verschiedenen Erfolgsfaktoren, darunter zuvorderst von möglichst breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, von ihrer Bereitschaft, sich für die Demokratie zu engagieren.
Seiten: 59, Erscheinungsdatum: 3. Quartal 2004, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 4284

