Erde

Verzehrstudie: Mehr Bildung, weniger Gewicht

Menschen mit weniger Bildung und geringerem Haushaltseinkommen sind oft dicker als der Durchschnitt der Bundesbürger. Das geht aus der ersten gesamtdeutschen "Verzehrstudie" hervor, die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

"Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Bildung und Wissen auf der einen, und richtiger Ernährung auf der anderen Seite", sagte Seehofer. Die Studie zeigt, dass 70 Prozent der Personen mit Hauptschul-
abschluss zu dick sind, während diese Quote bei Abiturienten um fast die Hälfte sinkt. Die Forscher fanden heraus, dass die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht das Körpervolumen beeinflusst. Der Anteil übergewichtiger Personen ist in einer unteren sozialen Schicht (Frauen: 35 Prozent, Männer: 25 Prozent) höher als in oberen Schichten (Frauen: 10 Prozent, Männer: 13 Prozent). Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht ermittelten die Wissenschaftler nach einen Punktesystem, das auf Faktoren wie Haushaltsnettoeinkommen, Bildungsniveau und beruflicher Stellung des Hauptverdieners im Haushalt basierte.

Von November 2005 bis Januar 2007 befragten Wissenschafter fast 20.000 Deutsche im Alter von 14 bis 80 Jahren zu ihren Essgewohnheiten, sportlicher Betätigung, Lebensstil und Einkaufsverhalten. Die "Nationale Verzehrstudie II", wie sie offiziell heißt, war 2002 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe in Auftrag gegeben worden. Die erste Verzehrstudie gab es vor 20 Jahren in den alten Bundesländern. Seither haben sich nicht nur die Lebensumstände und das Angebot an Nahrungsmitteln verändert, die Deutschen bringen auch immer mehr Gewicht auf die Waage: Die Hälfte der Frauen (51 Prozent) und zwei Drittel der Männer sind übergewichtig, vor 20 Jahren waren das nur 47 Prozent der Frauen und nur 39 Prozent der Männer. Jeder fünfte Bundesbürger ist laut Studie adipös und weist einen Body-Mass-Index von über 30 auf. Diese Personengruppe hat ein besonders hohes Risiko, sich Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zuzuziehen.

Auch der Anteil übergewichtiger Jugendlicher nimmt zu. Zwar haben drei Viertel der 14- bis 18-Jährigen Normalgewicht, sieben bis elf Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren aber sind übergewichtig. Besonders stark gestiegen ist in den letzten zehn Jahren der Anteil der Übergewichtigen in der Gruppe der 18- bis 19-jährigen Männer. Zu dünn sind oft junge Mädchen. Zwischen dem 14. und 17. Lebensjahr steigt der Anteil zu dünner Mädchen von vier auf beinahe zehn Prozent.

Die Studie zeigt auf, dass die Deutschen Ernährungsrisiken falsch einschätzen. So hielten drei Viertel der Befragten verdorbene Lebensmittel, Rückstände von Pestiziden oder Hormonen für gefährlicher als eine einseitige Ernährung, zu wenig Bewegung oder zu viel Essen. Dabei sei es laut Seehofer für die Gesundheit wichtiger, was die Menschen selbst tun könnten. Eine Verhaltensänderung aber lasse sich nicht mit Verboten erreichen oder nur einer einzigen Maßname, es sei vielmehr eine Daueraufgabe. Seehofer will Information und Aufklärung in Kindergärten und Schulen tragen, und die Krankenkassen sollen dabei helfen. "Die Menschen sollen erkennen, dass sie durch ein anderes Verhalten ihre Lebensqualität und ihr Wohlbefinden verbessern können."


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