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Innerstaatliche Konflikte
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Glossar |

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Gender und Konflikt:
Der englische Begriff Gender wurde als terminus technicus in die deutschsprachige Sozialwissenschaften übernommen, weil mit ihm anders als mit dem Begriff des Geschlechts eine Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht (englisch: sex) und dem sozialen bzw. sozial konstruierten und gelebten Geschlecht (englisch: gender) möglich wird. In der Friedens- und Konfliktforschung beschäftigen sich die sog. Gender-Studies mit der Relevanz sozial- und kulturbedingter Prägungen von sozialer Geschlechtlichkeit für Gewalt, Konflikt, Frieden und Krieg. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass die Wahrnehmung von und der Umgang mit Gewalt eng mit der wechselseitigen Konstruktion von Geschlecht verbunden ist. Themen sind u.a. die unterschiedliche Rolle und Betroffenheit von Männern und Frauen in Gewaltprozessen sowie geschlechtsbedingte Wahrnehmungen und Handlungsmuster in Bezug auf die Verhinderung und Überwindung von Gewalt.
Genozid (Völkermord):
Der Genozid wird verübt von Regierungen, staatlichen Sicherheitskräften oder nicht-staatlichen Gruppen (Privatarmeen, Banden), indem sie versuchen, die Angehörigen eines Volkes, einer ethnischen oder religiösen Gruppen vollständig oder in signifikantem Umfang zu vernichten. Dies kann sowohl durch Mord, physisches und psychisches Leid als auch durch die Verweigerung angemessener Lebensbedingungen und Vertreibung geschehen. Der Straftatbestand des Völkermords wird durch die Konvention zur Verhinderung und Bestrafung von Verbrechen des Völkermords von 9. December 1948 festgeschrieben und weiter in Artikel 2(2) des Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda ausgearbeitet.
Gewaltökonomien:
Unter dem Begriff der Gewaltökonomie werden Maßnahmen und Einrichtungen von Konfliktparteien in Bürgerkriegen zusammengefasst, die darauf gerichtet sind, Ressourcen (z.B. Bevölkerungen, Bodenschätze, Landwirtschaft, Hilfsgüter) zu kontrollieren bzw. zu erwerben. Die entsprechenden Aktivitäten, die primär der eigenen Bereicherung dienen und zu einem eigenständigen Kriegsziel geworden sind, tragen maßgeblich zur Verstetigung des Konflikts bei und erschweren eine tragfähige Regelung.
Gewaltunternehmer:
Unter Gewaltunternehmern versteht man Rebellenführer oder Kriegsherren, die von Gewaltökonomien profitieren. Sie erzielen Einkommen durch den gewaltsamen Zugriff auf Ressourcen, des Staates, der Wirtschaft, der Zivilbevölkerung, der internationalen Gemeinschaft (z.B. Hilfslieferungen). Auch Angehörige der Regierungen, Mitglieder der Staatselite, Militärführer etc. können Teil gewaltökonomischer Strukturen sein bzw. diese unter ihrem Schutz agieren lassen.
Good Governance:
"Good Governance" oder "gute Regierungsführung" ist eine wichtiges Leitbild für die Entwicklungspolitik der internationalen Institutionen (v.a. Weltbank) und großen Geberländer. Es beruht auf der Überzeugung, dass äußere Unterstützung für Entwicklung und Friedenskonsolidierung nur nachhaltig ist, wenn die staatlichen und Verwaltungseinrichtungen im Zielland ausreichend gut funktionieren. Zu diesem Zweck werden die Zielländer durch eine entsprechende Beratung und Konditionierung der äußeren Unterstützung dazu angehalten, Staat und Verwaltung nach folgenden Kriterien zu reformieren: Partizipation und Inklusivität, Konsensusorientierung, Verantwortlichkeit und Transparenz, Effektivität und Effizienz, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit, Kampf gegen Korruption sowie Berücksichtigung der Rechte von Minderheiten und besonders benachteiligten Randgruppen.
Guerilla-Krieg:
Nach dem spanischen "kleinen Krieg" benannter irregulärer Untergrundkrieg paramilitärischer Gruppen gegen die eigene Regierung. Wurde zum ersten Mal benutzt, um den bewaffneten Kampf des spanischen Widerstands gegen die Napoleonische Besetzung (1808 – 1814) zu benennen. Ziel ist es durch dezentralisierte militärische und gewaltsame Aktionen die regulären Regierungstruppen zu zermürben.
Identität (individuelle):
Identität ist ein Projekt, das zum Ziel hat, ein individuell gewünschtes und in der sozialen Kommunikation und Interaktion letztlich unverzichtbares Identitätsgefühl zu erzeugen. Identität ist nichts Gegebenes, sondern etwas, das durch bewusstes oder unbewusstes Handeln ständig aufrechterhalten und verändert wird. Grundvoraussetzung für ein ausgewogenes Identitätsgefühl sind soziale Anerkennung und Zugehörigkeit. Individuen beziehen sich bei der Begründung ihres Selbstverständnisses auf verfügbare soziale Bezüge, Vorbilder und Rollen/Positionen und schaffen auf diese Weise sozial verstehbare und vermittelbare Bedeutungen für ihr Handeln. Die drei Ebenen der individuellen Identität sind die Selbst- und Fremdidentifikation, das Selbstverständnis und die Verortung innerhalb einer Gruppe bzw. Gesellschaft sowie das Gemeinsamkeits- und Zugehörigkeitsgefühl.
Identität (kollektive):
Eine spezifische kollektive Identität sichert einer Gruppe oder Gesellschaft "Kontinuität und Wiedererkennbarkeit" (Habermas) als wichtige Bedingung für das Zugehörigkeitsgefühl der Gruppenmitglieder und die Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen. Ihren Kern bilden allgemein akzeptierte Werte/Normen und Weltbilder, die festlegen, was als normal und legitim gilt. Aufgrund der Verinnerlichung der kollektiven Identität durch Familie und Sozialisation wird ihre Gefährdung oder Zerstörung durch Konflikte von den Gruppenmitgliedern als Gefährdung ihrer eigenen Identität und Existenz empfunden. Kollektive Identität wird über Symbole, Bezüge zur eigenen Geschichte bzw. Zukunft (Mythen/Utopien) und Rituale vermittelt.
Identitätsarbeit (individuelle):
Die Mitglieder moderner Gesellschaften wachsen nicht mehr quasi automatisch in festgefügte kollektive Identitäten hinein. Sie sehen sich vielmehr ein Leben lang mit der Aufgabe konfrontiert, ständig vorgegebene Identitäten auf ihre Passfähigkeit hin zu überprüfen, zu übernehmen oder abzulehnen. Identitätsarbeit findet in einem Raum statt, in dem machtvolle Akteure (z.B. Regierungen, Parteien, Führer von religiösen und ethnischen Gemeinschaften, Unternehmen) identitätspolitische Vorgaben machen. Dabei werden bestimmte Identitätsentwürfe favorisiert und andere behindert.
Qualität und Ergebnis der Identitätsarbeit hängen von den Ressourcen und dem Vermögen der Mitglieder einer Gesellschaft ab, möglichst selbstbestimmt an ihrem individuellen Identitätsprojekt zu arbeiten. Sie schaffen sich ihre Identität dabei nicht in beliebiger Weise, sondern versuchen eine Balance zwischen ihrer individuellen Identität und den kollektiven Vorgaben zu gewährleisten.
Identitätsarbeit (kollektive):
Identitätsarbeit von Gruppen, Organisationen und Milieus ist als Antwort auf die Tatsache zu verstehen, dass kollektive Identitäten in einer globalisierten Welt nicht mehr von einer Institution (Staat, Imperium, Kirche usw.) vorgegeben werden können. Vielmehr besteht die Herausforderung, im Spannungsfeld unterschiedlicher, nicht selten konkurrierender, Identitätsvorgaben und -politiken machtvoller Institutionen die eigene Gruppenidentität auszubilden, zu stabilisieren und zu verändern. Dies schließt die Herausforderung ein, auf den Prozess der gesellschaftlichen Identitätsformierung Einfluss zu nehmen. Voraussetzung dafür ist die Möglichkeit, gleichberechtigt an den entsprechenden Kommunikationsprozessen teilzunehmen, in denen die Identitätsbildung als gegenseitiger Lernprozess stattfindet. Jeder Einzelne muss die Chance haben, seine Sichtweisen und Bedürfnisse geltend zu machen. Dies setzt die Bereitschaft voraus, das Nebeneinander veränderungsoffener Weltbilder und Werte als Rahmen zu akzeptieren.
Identitätspolitik:
Als Identitätspolitik bezeichnet man das Bemühen machtvoller Gruppen (z.B. Staaten, ethnische und religiöse Gemeinschaften), ihre Vorstellungen für die Gestaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse als allgemeingültig durchzusetzen, um die einzelnen Mitglieder in die vorgegebene Herrschaftslogik einzubinden. Da die in der sozialen Interaktion eingeschliffene Systemlogik allein keine Identität zu stiften vermag, wird diese von den herrschenden Eliten unter Rückgriff auf in der Gesellschaft wirkmächtige Symbole, Mythen und Rituale bewusst erzeugt. Ziel ist ein auf breiter Basis gegründeter identitätspolitischer Konsens.
Der Erfolg dieser Versuche bemisst sich daran, ob und inwieweit es gelingt, dass die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft bzw. Gemeinschaft die vorgegebenen Weltbilder, Werte und Normen als alternativlos und normal verinnerlichen. Die Festlegung auf für die Gruppe vermeintlich wesentliche und letztlich existenzielle Gemeinsamkeiten impliziert zugleich die Ausgrenzung von Trägern anderer Weltbilder, Werte und Handlungsweisen und die Abgrenzung von anderen Gruppen.
Innerstaatliche Kriege:
Im Wesentlichen im Innern eines Staates geführte bewaffnete Konflikte, entweder von Rebellen gegen die Regierung und für die Umgestaltung des politischen Systems (Anti-Regimekrieg) oder mit dem Ziel der Sezession oder zumindest der Autonomie eines Teils des Territoriums eines Staates geführt. Das Attribut "innerstaatlich" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Kriege durchaus mit äußerer Beteiligung und Einmischung stattfinden. Finanzielle oder auch militärische Unterstützung der innerstaatlichen Kriegsparteien – zum Beispiel durch Waffenlieferungen von Nachbarstaaten oder regionalen und globalen Großmächten – sind eher die Regel als die Ausnahme.
Konflikt:
Beziehung zwischen zwei oder mehr von einander abhängigen Parteien, wobei mindestens eine der Parteien sich in der Verfolgung ihrer Wünsche, Bedürfnisse und Interessen durch eine oder mehrere andere Parteien eingeschränkt oder behindert fühlt. Nicht alle Konflikte führen notwendigerweise in eine Krise oder eine Spirale der Gewalt. Konflikte sind eine unvermeidliche und notwendige Begleiterscheinung des gesellschaftlichen Lebens und treten insbesondere in Prozessen des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandels zutage.
Konfliktanalyse:
Theorien- und methodengeleitete systematische Analyse der Ursachen, der Akteure und der Dynamik eines Konfliktes sowie der Ermittlung von Ansatzpunkten für seine konstruktive und friedliche Bearbeitung und Überwindung.
Konfliktbearbeitung:
Allgemeine, übergreifende Bezeichnung für die verschiedenen Verfahren und Methoden, regulierend sowie Gewalt verhindernd und beendigend auf die Parteien und die Austragung von Konflikten einzuwirken. Sie zielt auf die Herbeiführung konstruktiver Lösungen, die von allen Parteien und Beteiligten akzeptiert werden können.
Konfliktbezogene Wirkungsbeobachtung und -messung (Peace and Conflict Impact Assessment – PCIA):
Systematische Beobachtung der positiven und negativen Wirkungen sowie der Risikoabschätzung von Maßnahmen und Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit bzw. Friedens- und Konfliktarbeit auf den Konfliktverlauf und die Konfliktdynamik in Krisenregionen.
Konfliktmanagement (Conflict Management):
Kurzfristige und primär politische Maßnahmen, einschließlich wirtschaftlichen und militärischen Drucks, auf hochrangiger internationaler und/oder nationaler Ebene zur Verhinderung der weiteren Eskalation oder Ausbreitung eines gewaltsamen Konfliktes.
Konflikt-Mapping:
Methode der Visualisierung, um alle wesentlichen Akteure einer Konfliktkonstellation zu erfassen und den Charakter und die Intensität ihrer Beziehungen möglichst aussagekräftig darzustellen. Das Mapping dient der Veranschaulichung der meist komplexen Akteursbeziehungen im Prozess der Konfliktanalyse und in Beratungssituationen.
Konflikttransformation:
Sammelbezeichnung für ganzheitliche und konstruktive Verfahren der Konfliktbearbeitung. Ihr Anspruch besteht darin, über die Sachebene des Konflikts hinaus die Haltungen und Interessen der beteiligten Parteien so zu verändern (transformieren), dass eine möglichst gewaltfreie Konfliktbearbeitung und für alle Beteiligte akzeptable Lösungen möglich werden. Konflikttransformation setzt deshalb zugleich auf den Abbau der strukturellen und kulturellen Ursachen des Konflikts und auf die Schaffung eines gesellschaftlichen Umfelds, das eine konstruktive Streitkultur begünstigt.
Krieg:
Ein organisierter, mit Waffen gewaltsam ausgetragener Konflikt zwischen Staaten bzw. zwischen Bevölkerungsgruppen eines Staates. In Anlehnung an den ungarischen Friedensforscher István Kende (1917-1988) weist ein Krieg folgende Merkmale auf:
(a) zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte mit regulären Streitkräften der Regierung (Militär, paramilitärische Verbände, Polizeieinheiten) auf mindestens einer Seite;
(b) ein Mindestmaß an zentral gelenkter Organisation der Kriegführenden und des Kampfes, selbst wenn dies nicht mehr bedeutet als organisierte bewaffnete Verteidigung oder planmäßige Überfälle (Guerillaoperationen, Partisanenkrieg usw.);
(c) bewaffnete Operationen mit einer gewissen Kontinuierlichkeit und nicht nur als gelegentliche, spontane Zusammenstöße, d.h. beide Seiten operieren nach einer planmäßigen Strategie.
Kriege werden als beendet angesehen, wenn die Kampfhandlungen dauerhaft, d.h. für den Zeitraum von mindestens einem Jahr, eingestellt werden.
Kriegstypen:
Die Arbeitsstelle für Kriegsursachenforschung, Hamburg (AKUF) unterscheidet zwischen fünf Kriegstypen:
a) Antiregime-Kriege: Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird.
b) Autonomie- und Sezessionskriege: Kriege, in denen um größere regionale Autonomie innerhalb des Staatsverbandes oder um Sezession vom Staatsverband gekämpft wird.
c) Zwischenstaatliche Kriege: Kriege, in denen sich Streitkräfte der etablierten Regierungen mindestens zweier staatlich verfasster Territorien gegenüberstehen, und zwar ohne Rücksicht auf ihren völkerrechtlichen Status.
d) Dekolonisationskriege: Kriege, in denen um die Befreiung von Kolonialherrschaft gekämpft wird.
e) sonstige Kriege.
Zahlreiche Kriege lassen sich nicht eindeutig einem dieser Typen zuordnen, weil sich verschiedene Typen überlagern oder sich der Charakter des Krieges im Verlauf der Kampfhandlungen verändert, so dass sich Mischtypen bilden.
www.sozialwiss.uni-hamburg.de
Krise:
Bedeutet das örtliche und zeitliche Zusammenwirken von Faktoren, die aufgrund ihrer wechselseitigen Beeinflussung (oder auch Verdichtung) ein System so destabilisiert haben (Eskalation), dass die Betroffenen auf unkalkulierbare Weise darauf reagieren. Eine Krise geht oft mit Gewaltausbrüchen einher.
Krisenprävention:
Umfasst frühzeitiges, geplantes, systematisches und kohärentes Handeln auf verschiedenen Ebenen von Staat und Gesellschaft zur Verhinderung gewaltsamer Konflikte. Maßnahmen mit krisenpräventivem Charakter zielen darauf ab, vor, während oder nach gewaltsam ausgetragenen Konflikten durch substanzielle Maßnahmen das Potenzial für die gewaltsame Austragung von Konflikten zu reduzieren, und den Aufbau von Institutionen, Strukturen und Kulturen des friedlichen Umgangs mit Konflikten zu fördern.
Lessons Learned:
Dieser Fachbegriff aus dem Repertoire des Projektmanagements bzw. Wissensmanagements bezeichnet das systematische Sammeln, Bewerten, Verdichten und die schriftliche Aufzeichnung von Erfahrungen, Entwicklungen, Hinweisen, Fehlern, Risiken etc., die im Verlauf eines Projekts gemacht werden und deren Beachtung/Vermeidung sich unter Umständen als nützlich für die Anpassung und Veränderung künftiger Projekte erweisen könnte. Die gesammelten und systematisierten Erfahrungen, die Teil der Projektdokumentation sind, sollten als strukturierte Informationssammlungen gut zugänglich archiviert werden. So kann darauf für die Vorbereitung ähnlicher Projekte zugegriffen werden. Die Auswertung der Dokumentationen einer Reihe von Projekten kann darüber hinaus zu Anregungen und Hinweisen zur strukturellen und prozessuralen Verbesserung des Projektmanagements einer Organisation insgesamt führen. Deshalb scheint es angebracht, zu Beginn eines neuen Projektes die Berücksichtigung der Lessons Learned vorangegangener Projekte verbindlich vorzuschreiben. |
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