Braunkohle ist wichtiger Energieträger für Kraftwerke
Fünf Fragen an Franz-Josef Wodopia
Braun- und Steinkohle gelten mit Recht trotz der jüngsten Preisanstiege am Kohleweltmarkt als relativ günstige fossile Energieträger, sagt Franz-Josef Wodopia, Hauptgeschäftsführer und Vorstandsmitglied des Gesamtverbands Steinkohle.Die Preise für Öl und Gas steigen. Braun- und Steinkohle gelten als billige fossile Energieträger: Wie günstig ist die Kohle?
Braun- und Steinkohle gelten mit Recht trotz der jüngsten Preisanstiege am Kohleweltmarkt als relativ günstige fossile Energieträger. Nach wie vor besteht ein deutlicher Preisabstand zu Öl und Gas. Die heimische Braunkohle ist auch mit Importkohle voll konkurrenzfähig und wird dies langfristig bleiben. Die heimische Steinkohle wurde aus Gründen der Versorgungssicherheit durch Subventionen unterstützt. Zu erinnern ist an die Gesetze zur Sicherung der Stromversorgung zu Zeiten der Ölkrisen und ebenso an den Kohlepfennig, einer verbraucherorientierten Finanzierungsmethode. 2007 wurde das sozialverträgliche Auslaufen des subventionierten heimischen Steinkohlenbergbaus politisch beschlossen, jedoch eine Überprüfung durch den Deutschen Bundestag im Jahre 2012 eingeplant. Dafür entscheidend wird sein, wie sich die Energiepreise weltweit entwickeln. Die Überprüfung soll gemäß § 1 Abs. 2 Steinkohlefinanzierungsgesetz "unter Beachtung des Gesichtspunktes der Wirtschaftlichkeit, der Sicherung der Energieversorgung und der übrigen energiepolitischen Ziele" erfolgen.
2007 trugen Braun- und Steinkohle 25 Prozent zum deutschen Energiemix bei, sie sind damit ein wichtiger Energielieferant, aber auch ein großer CO2-Verursacher. Was wiegt mehr: Wirtschaftlichkeit oder Umweltschutz?
Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz sind zusammen mit der Versorgungssicherheit gleichrangige energiepolitische Ziele. Zwar sind die CO2-Emissionen beim Einsatz von Kohle höher als beim Einsatz von Erdgas, doch ist Gas deutlich teurer und zudem mit größeren Versorgungsrisiken verbunden. Eine Abwägung "Wirtschaftlichkeit oder Umweltschutz" muss aber auch deshalb nicht vorgenommen werden, weil die Verfahren zum Einsatz von Kohle in der Stromerzeugung ständig verbessert werden. Würden weltweit Steinkohlenkraftwerke nach neuestem deutschen Stand eingesetzt, könnten die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung weltweit um ein Drittel gesenkt werden. Mit Sicherheit muss Umweltschutz unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt werden. Es sollten die Verfahren gewählt werden, die die Einsparung einer Tonne CO2 zu den geringstmöglichen Kosten ermöglichen. Je günstiger die Einsparkosten je Tonne sind, umso mehr CO2 kann auch eingespart werden.
Die Abhängigkeit von Gas- und Ölimporten wächst; Braunkohle ist hingegen ein wichtiger heimischer Energieträger. Welche Rolle sollte der Aspekt der Versorgungssicherheit spielen?
Die Versorgungssicherheit ist ein gleichrangiges energiepolitisches Ziel, das gemeinsam mit der Wirtschaftlichkeit und dem Umweltschutz zu sehen ist. Während die Verwendungskonkurrenz um Öl und Gas weltweit steigt, ist die Braunkohle als heimischer Bodenschatz noch für viele Jahrzehnte verfügbar. Deshalb sollte die energiepolitische Beurteilung von Energiequellen stets alle Dimensionen des energiepolitischen Zieldreieckes berücksichtigen. Braunkohle ist ein wichtiger Energieträger für Kraftwerke, die rund um die Uhr laufen müssen (Grundlast). Braunkohle könnte in der Zukunft sogar wie schon in der Vergangenheit zur Herstellung von Kohlenwasserstoffen genutzt werden. Die Verfahren wurden in Deutschland entwickelt und würden eine sichere Versorgung beispielsweise auch der chemischen Industrie in Deutschland ermöglichen. Die Braunkohle ist deshalb im wahrsten Sinne des Wortes ein heimischer Bodenschatz. (Das ließe sich in ähnlicher Weise für die heimische Steinkohle begründen.)
Der Bau neuer Kohlekraftwerke wird von den Anwohnern meist abgelehnt. Ebenso ist insbesondere der Tagebau stark umstritten. Wenn überhaupt, wie kann die Akzeptanz der Bevölkerung gewonnen werden?
Bergbau und Stromerzeugung sind immer mit Umwelteinwirkungen verbunden. Leider ist in den Industrieländern die Haltung beliebt, diese Umwelteinwirkungen möglichst auf andere Länder zu verlagern. Gelöst werden sie aber auf diese Weise nicht. Im Gegenteil sind die Umweltstandards bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung – und so auch bei der Stromerzeugung – in den OECD-Ländern deutlich höher als in vielen Ländern mit wirtschaftlichem Nachholbedarf. Deshalb müsste wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden, dass der Energieverbrauch auch stets ein Bekenntnis zum verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen voraussetzt. Eine Verlagerung zählt bestimmt nicht dazu. Allerdings ist es schwierig, den unmittelbar in der Nähe wohnenden Menschen heute noch dieses Verständnis abzugewinnen. Bezeichnend ist, dass man für die bei uns als Kirchturmspolitik bezeichnete Haltung auch in vielen anderen Sprachen Entsprechungen findet. In den USA spricht man von Nimby-Politik: "Not In My Back Yard", also "nicht in meinem Hinterhof".
Seit längerem wird an der Entwicklung der CCS-Technologie gearbeitet: Damit soll das in Kohlekraftwerken freigesetzte CO2 aufgefangen, verdichtet und in unterirdischen Lagerstätten gespeichert werden. Die Kohlendioxidmenge soll so stark reduziert werden. Wie ausgereift ist das Verfahren, und könnte es einen Wendepunkt für die Kohle als Energieträger bedeuten?
CCS-Technologien sind der Wirkungsgradsteigerung insofern überlegen, als nur noch eine geringe Restmenge an CO2 emittiert wird. Allerdings führt dieses Verfahren zu einem höheren Energieverbrauch. Dies erhöht nicht nur den Verbrauch an Steinkohle, sondern senkt auch den Wirkungsgrad. Deshalb sind weitere Anstrengungen zur Erhöhung des Kraftwerkswirkungsgrades unverzichtbar. Eine Option ist die Abspaltung von CO2 im Kraftwerk und der Transport zu einer Lagerstätte, wo das CO2 dauerhaft sicher in geologischen Formationen verbracht werden kann, also die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Derzeit befinden sich unterschiedliche Abscheidetechniken in der Erprobung, eine Pilotanlage in Schwarze Pumpe existiert bereits auf Braunkohlenbasis. Anschließend ist die großtechnische Machbarkeit zu erweisen. Während die Lagerung Stand der Technik ist, bringt der Transport ein Akzeptanzproblem mit sich. Ob sich durch diese Technik eine höhere Akzeptanz der Kohle ergeben wird, kann heute deshalb noch nicht sicher eingeschätzt werden.
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