Unruhen in Kenia
Die Lage in Kenia spitzt sich weiter zu. Nach der umstrittenen Wahl des
kenianischen Präsidenten Mwaki Kibaki kommt es zu schweren
Auseinandersetzungen zwischen Anhänger von Regierung und Opposition. Dabei
wurden bisher mehr als 300 Menschen getötet, 100.000 sind auf der Flucht.
Eine weitere Ursache der Auseinandersetzungen ist der ethnische Konflikt zwischen den beiden größten Volksgruppen Kikuyu und Luo. Viele Angriffe galten den Angehörigen des Kikuyu-Volkes, der mächtigsten Volksgruppe, der auch Kibaki angehört. Odinga wird von den Luo unterstützt. 100.000 Menschen befinden sich seither auf der Flucht. Am Donnerstag wollten tausende Oppositionelle unter der Führung Odingas in einem "Marsch der Millionen" in der kenianischen Hauptstadt Nairobi friedlich gegen die Regierung demonstrieren. Nach massivem Polizeieinsatz sagte die Opposition die Demonstration jedoch vorerst ab, um keine weitere Gewalt zu provozieren.
Bisher galt Kenia als eines der stabilsten Länder Afrikas. Doch die Zeichen standen auf Wechsel: Bei den Parlamentswahlen, die zeitgleich zur Präsidentschaftswahl stattfanden, verloren 20 der insgesamt 28 Minister aus Kibakis Kabinett ihren Parlamentssitz. Die Kräfteverhältnisse im Parlament bestimmt nun die Opposition. Während Odingas Orange Democratic Movement (ODM) 100 Sitze innehat, stellt Kibakis Partei der Nationalen Einheit (PNU) nur 30 Abgeordnete. Bei den Wahlen 2002 waren Kibaki und Odinga noch gemeinsam angetreten. Kibaki bot Odinga den Posten des Premierministers an, löste sein Versprechen dann aber nicht ein. Daraufhin ging Odinga in die Opposition. Nun droht das Land in einem Bürgerkrieg zu versinken, sollte der politische Prozess nicht reaktiviert werden.
Einen ersten Verhandlungsversuch zwischen den Konfliktparteien unternahm der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, der am Donnerstag in Kenia eintraf. Die EU, die Afrikanische Union und die UN fordern eine unabhängige Untersuchung des Wahlergebnisses, um die Lage im Land zu stabilisieren. Die USA und Großbritannien wollen die politischen Führungskräfte erneut zur Bildung einer Koalition der nationalen Einheit bewegen.


