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Gesellschaft: Soziale Aspekte
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Unterwegs in Online-Welten |
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Spieler des Online-Rollenspiels "Ultima Online" über das Leben im Spiel und außerhalb |
| Shahieda Ibrahim |
Auswirkungen auf das soziale Netzwerk und die reale Welt
Für einen Großteil der Befragten hat sich das Verhältnis zu den Freunden der realen Welt nicht wesentlich geändert. Dennis: "Eigentlich gar nicht. Ich habe jedenfalls noch kein Treffen mit meinen Freunden wegen eines UO-Spiels abgesagt." Paul: "Ehrlich gesagt gar nicht ... Ich lebe mein Leben so wie es immer war.. Nur ein geringer Teil meiner Freizeit ... wo ich meine Freunde sowieso nicht treffen konnte... spiele ich UO."
Bei Florian und Sebastian jedoch war eine Vernachlässigung des Freundeskreises feststellbar. Florian: "Ich muss schon sagen, dass ich eine zeitlang wirklich nichts mehr mit meinen RL-Freunden gemacht habe. Aber das wird jetzt nach und nach wieder besser und ich bin wieder auf Partys, gehe mit Freunden ins Kino, etc."
Sebastian hat gar einige Freunde verloren, da er zu viel Zeit im Internet verbrachte. Jedoch bietet UO auch die Gelegenheit, neue Freundschaften zu knüpfen. Diese werden von der Mehrheit der Interviewpartner durchaus mit echten Freundschaften verglichen, vor allem wenn schon Treffen und Besuche in der realen Welt stattgefunden haben.
Paul: "Das ist immer so, das ist logisch.. Personen, die man einfach mehr mag... in die vertieft man sich einfach mehr und da ist ein RL-Treffen nicht ausgeschlossen.. oder vielleicht Beziehungen sogar... Warum nicht? :)"
Florian und Pierre betrachten ihre UO-Bekanntschaften zwar als Freunde, wagen jedoch noch nicht den Vergleich zu einer Freundschaft der realen Welt, da sie meist nur Fotos ausgetauscht und über das Internet kommuniziert haben. Pierre: "Für mich persönlich kenne ich ihn zu wenig, um ihn richtig als Freund zu sehen ... Jein ... schon ein Freund ... aber nicht so wie andere, die ich hab .. die kenne ich einfach besser .. Das ist aber auch kein Nachteil, weil die anderen auch mal nur Bekannte/Freunde waren. Es gibt für mich einfach einen kleinen Unterschied zwischen Bekanntschaft und Freund und richtigem Freund."
Dennis dagegen bezeichnet seine Mitspieler in UO nur als Internetbekanntschaften. Die Freeshards betreiben größtenteils noch zusätzlich Foren und Chats, in denen sich die Spieler austauschen und diskutieren können. Dort werden meist die im Spiel geknüpften Kontakte intensiviert.
Da das Spielen eines MMORPGs sehr zeitaufwendig erscheint, kommt hier natürlich auch die Frage nach Konflikten mit den Eltern oder dem Partner auf. Vier der Befragten kamen durch das Spiel in Konflikt mit ihren Eltern. Florian: "Meine Mutter kennt das Spiel nicht wirklich, aber sie sieht schon, dass ich zu viel vorm Computer verbringe und sie macht sich halt Sorgen, weil ich auch etwas schlechter in der Schule geworden bin."
Stella: "Hm ... als ich anfangs 2 Tage durchgespielt habe, haben sie das nicht toleriert. Aber ansonsten haben sie kein Problem damit. Ich spreche ja nicht so oder renne mit Pfeil und Bogen durch Lindau, um potentielle Monster abzuschießen ..."
Alle Interviewpartner sind der Meinung, Schule, Studium oder Beruf nicht aufgrund des Spiels zu vernachlässigen. Einige User geben jedoch zu, dies früher getan zu haben. Dennis: "Anfangs vielleicht etwas. Da war halt noch der Reiz des Neuen vorhanden. Ich denke, jetzt kann ich das ganz gut regeln."
Stella: Ich bin wegen UO durch meine Matheabiturprüfung gefallen ... Aber daraus habe ich gut gelernt, und ich bin sogar froh über diese Erfahrung. Denn wirklichen Schaden hat es mir nicht gebracht, meinen Schnitt hat es zwar nach unten gezogen, aber da ich eh keinen NC habe, ist es egal."
Fast alle Interviewpersonen äußern, ihren übrigen Freizeitinteressen (z.B. Lesen, mit Freunden treffen, Kino, Pen&Paper-Rollenspiel, Zeichnen, Sport) noch genauso nachzugehen, wie vor Beginn ihrer Spielzeit in UO. Dennis: "Das reale Leben ist auf jeden Fall wichtiger. Kein Spiel auf der Welt ist es wert, wegen ihm Freunde zu verlieren oder ähnliches." Jessica: "Hmm ... nein, ich muss ja nicht spielen ... alles andere was ich machen will, mache ich genauso ..."
Allein Florian gibt an, eine zeitlang fast nur noch in der virtuellen UO-Welt gelebt zu haben: "Ich hab schon ein schlechtes Gewissen gehabt, erst recht die Zeit lang, wo ich ja sozusagen fast kein RL mehr hatte. (Außer in die Schule gehen und so was halt). Aber es bessert sich schon, muss ich sagen."
Auf die Frage "Wie bist Du da raus gekommen? Was hat Dich dazu gebracht, dass es sich jetzt bessert?" antwortete er: "Durch meine Freunde denke ich, sie haben mich öfters eingeladen zu irgendwas mitzukommen etc. Und durch meine Eltern auch. Besonders seit wir unseren Schrebergarten haben, bin ich eigentlich wieder täglich an der frischen Luft und so, weil ich schon von klein auf an Gärtnerei, Pflanzen, Blumen und so interessiert war."
06. Dezember 2005 |
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Schriftenreihe (Bd. 386) |
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Die Politik der Infosphäre
Eine neue, globalisierte Wirtschaft ist auf dem Vormarsch. Informationen entstehen und werden ausgetauscht. Welche Auswirkungen zeigt diese Entwicklung? |
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