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Staatsgründung

Der erste arabisch-israelische Krieg


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Interview mit Benny Morris
 
Die UNO forderte bereits 1948 das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge. Im Friedensprozess hat das Rückkehrrecht für Flüchtlinge immer eine große Rolle gespielt. Oft hört man, wenn das Flüchtlingsproblem gelöst sei, würde sich auch der Konflikt lösen lassen. Stimmen Sie dem zu?

Benny Morris: In der Resolution 194 bestätigt die UN-Generalversammlung im Dezember 1948 das "Recht" friedliebender Araber auf Rückkehr bzw. auf entsprechende Entschädigung. Das Problem bestand darin, dass dieselben Araber, die geflüchtet waren, eben noch versucht hatten, den jüdischen Staat und/oder die jüdische Gemeinde zu vernichten – man kann den israelischen Politikern also nicht verübeln, dass sie sie nicht als "friedliebend" ansahen und ihre mögliche Rückkehr als das Eindringen einer großen potentiellen Fünften Kolonne empfanden, die den neugeborenen jüdischen Staat zu destabilisieren und möglicherweise zu stürzen drohte. 1948 zählte die jüdische Gemeinde in Palästina 650.000 Menschen, 1949 lebte eine arabische Minderheit von 160.000 Menschen im Land, die israelische Staatsbürger wurden. Wären 700.000 Flüchtlinge zurückgekehrt und hinzugezählt worden, hätte es beinahe auf einen Schlag eine arabische Mehrheit in dem "jüdischen" Staat gegeben – der damit zu einem arabischen Staat geworden wäre.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde von arabischen Vertretern wiederholt die Anerkennung des "Rückkehrrechts" und seine Umsetzung durch Israel und die internationale Gemeinschaft gefordert. Doch Israel ist bis heute bei seinem "Nein" geblieben – und das beruht, glaube ich, auf der Zustimmung von über 95% der israelischen Juden – denn wenn 4-5 Millionen "Flüchtlinge" (laut palästinensischen Angaben 5 Millionen, laut UN 4 Millionen – wenn man die Flüchtlinge von 1948 und deren Kinder, Enkel und Urenkel mitzählt) zurückkehren, gibt es keinen jüdischen Staat mehr. In Israel leben momentan 5,7 Millionen Juden und 1,3 Millionen Araber. Sollten 4-5 Millionen Araber auf israelisches Staatsgebiet zurückkehren – sie wären zahlenmäßig gleich oder würden leicht überwiegen – und wenn man von der arabischen Geburtenrate ausgeht, die doppelt so hoch ist wie die jüdische Geburtenrate, würden die Araber die Juden sehr rasch überschwemmen – und zu den 22 arabischen Staaten, mit denen die Welt bereits gesegnet ist, würde ein 23. hinzukommen.

Mit anderen Worten: Den Konflikt zu "lösen", indem man eine Rückkehr der Flüchtlinge ermöglicht, würde eine Lösung bedeuten, die ein Israel nicht mit einschließt. Eine solche Lösung ist nicht im Sinne der Israelis. Die Mehrheit der Israelis hält eine Zwei-Staaten-Lösung für gerecht, einen jüdischen Staat, der neben einem arabischen Staat in einem geteilten Palästina existieren kann. Das will die Hamas – die die meisten Palästinenser repräsentiert – aber nicht.

Warum haben die meisten arabischen Länder die palästinensischen Flüchtlinge bis heute nicht integriert?

Benny Morris: Die arabischen Staaten absorbierten und integrierten die palästinensischen Flüchtlinge nicht, weil sie die Palästinenser als eine andere Art von Arabern, als "Fremde" ansahen; weil sie meinten, die Gerechtigkeit würde verlangen, dass die Flüchtlinge zu ihren Häusern und Feldern zurückkehren könnten; und weil sie, wenn sie die Flüchtlinge als arme, staatenlose Flüchtlinge im Land behielten, weiterhin mit internationaler Anteilnahme und Goodwill sowie finanzieller Unterstützung rechnen konnten, gleichzeitig Israel wenig Wohlwollen entgegengebracht wurde (weil es das Problem "verursacht" hatte und für die Misere verantwortlich war) und sie damit über ein Menschenpotential verfügten, das sie im Bedarfsfall gegen Israel (als Guerillas oder Terroristen) zum Einsatz bringen konnten. In Jordanien wurden die Flüchtlinge eingebürgert, aber diskriminiert; im Libanon und in Syrien erhielten sie weder die Staatsbürgerschaft noch (üblicherweise) Arbeitsbewilligungen, mit der Beteuerung, dass sie seit 1949 von der internationalen Wohltätigkeit leben.

Die Interviewfragen stellte Hanna Huhtasaari.


28. März 2008

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