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Interview: Was ist Open Source?
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"Eine Peer-to-Peer-Gesellschaft ist möglich" |
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| Claudio Prado |
Das Open-Source-Modell wird derzeit ausschließlich für Software und Kulturgüter verwendet. Lässt es sich auch auf andere Güter und Dienstleistungen ausweiten? Wo wäre die Grenze?
Wir glauben, dass eine Peer-to-Peer-Gesellschaft möglich ist. Was meine ich, wenn ich von einer Peer-to-Peer-Gesellschaft spreche? Ich spreche vom Zugang zum Cyberspace für alle als politisches Programm, als öffentliche Politik. Den Menschen erlauben, zu finden, was sie suchen, ohne sich dafür geographisch bewegen zu müssen. Das Zentrum der Welt ist heute der Cyberspace. Das ist das Konzept, an dem wir arbeiten, eines, mit dem die "glokale" Welt Wirklichkeit werden kann – "glokal", das meint die Verbindung von "glo-", global, einer globalisierten Gesellschaft, und "lokal", den eigenen Angelegenheiten vor Ort.
Man kann an seinem Ort bleiben und im Zentrum der Welt sein, und das ermöglicht kulturelle Vielfalt. Der Mann im Amazonas, der wunderbare Korbwaren flicht und sie derzeit für zwei Cent das Stück verkauft – jetzt kann man ihn direkt erreichen und ihm, sagen wir, zwanzig Euro zahlen. Ansonsten würde er nur zwei Cent bekommen, und wenn man hier in Deutschland in einen Laden ginge, würde man zweihundert Euro zahlen – für denselben Korb. Jetzt kann man ihn für zwanzig Euro direkt von dem Mann kaufen. Das ist Peer-to-Peer-Leben. Und das ist nur möglich, wenn man freie Software verwendet.
Und dieses Peer-to-Peer-Leben scheint mir das neue Modell für das 21. Jahrhundert zu sein, weil das alte Modell verrückt geworden ist. Das 20. Jahrhundert hat eine Welt voller Unterschiede geschaffen. Die Welt produziert heute dreimal mehr Nahrung als nötig, um alle zu ernähren, und die Hälfte der Welt verhungert. In gewisser Weise bricht die kapitalistische Welt zusammen, sie hat nichts erreicht. Was sie erreicht hat, sind Korruption und Ungleichheit.
Und mit der freien Software wird eine neue Welt mit einer neuen ethischen Sichtweise kommen. Open Source ist ein ethischer Wandel. Menschen haben dort für das Wohl aller gearbeitet, und nicht für ihr eigenes. Das Internet existiert nur, weil es ein ethischer Schritt ist. Es ist das größte Ding in Sachen Kommunikation – und es gehört niemandem. Hätte man ihnen vor zwanzig Jahren gesagt, dass das wichtigste Instrument der Kommunikation frei sein und keinen Besitzer haben wird – sie hätten gelacht, sie hätten gesagt: "Das ist unmöglich". Kommunikation war damals in der Hand einiger weniger Menschen; aber die haben die Möglichkeiten nicht gesehen. Und nun gibt es das Internet, und es ist nur die Spitze des Eisbergs dieser neuen, freien Welt, in der Open Source das Grundmodell für alles ist.
05. Januar 2007 |
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