Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Geschichte
Fall der Berliner Mauer
50 Jahre Anwerbe-
abkommen
68er-Bewegung
Deutschland
Archiv
Deutsch-polnische Beziehungen
Deutsche Teilung - Deutsche Einheit
Erinnerungsorte
Frauenbewegung
Frauen-KZ Ravensbrück
Geschichte und Erinnerung
Grundgesetz und Parlamentarischer Rat
Geschichte der RAF
"Klick das einheitsbild!"
Kontraste - Das Ende der DDR
Marshallplan
National-
sozialismus
Ostzeit
Weiße Rose
Weltfestspiele 1973
Wiederaufbau der Städte nach 1945
20 Jahre Hauptstadt- beschluss
Geschichte der bpb
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Video-Interviews: Weltfestspiele 1973

Dem SED-Mann gingen die FDJler von der Stange


Johano Strasser, Publizist



Textversion des Video-Interviews

Das war die Zeit, als die Ost- und Entspannungspolitik gerade in Gang gebracht worden war; und unser Interesse war natürlich, jetzt die Gesprächsmöglichkeiten, die sich hier bieten, zu nutzen, um unsere Vorstellungen eines eher radikalen, demokratischen Sozialismus' dort zu verbreiten und zu diskutieren.

Es war ein inszeniertes Massenspektakel, aber es war erstaunlich, wie wenig die ausgesuchten Leute im Sinne des Regimes funktionierten. Als ich auf dem Podium diskutierte, mit einem SED-Mann, der dann meine Vorstellungen zurückwies mit der Bemerkung, ich könne nicht dialektisch denken und das sei im Übrigen auch der Grund, weshalb wir in der Bundesrepublik die arbeitenden Massen nicht genügend ergreifen könnten, denn die hätten eine urtümliche Dialektik in ihrem Denken. Und dann hab' ich gesagt: Ja, da könnte was dran sein. Ich hätte in meinen Semesterferien immer auf dem Bau studiert und hätte da im Klo auf der Baustelle den Spruch entdeckt: "Der Morgenschiss kommt ganz gewiss und wenn es spät am Abend is'". Und dies sei ja wohl eines dieser Beispiele für die urtümliche Dialektik der Arbeiterklasse.

Das Interessante war, dass der ganze Saal sich bog vor Lachen und dieser SED-Mann völlig mit rotem Kopf da saß und merkte, dass ihm diese ausgesuchten FDJler völlig von der Stange gingen. Wir hatten sehr bald nach den Jugendfestspielen Informationen darüber, dass "unsere FDJ doch erheblich gesäuber worden ist". Das ist das, was durchdrang, und insofern waren wir nicht euphorisch, sondern blieben skeptisch. Und als dann die Biermann-Ausbürgerung und diese ganzen Dinge kamen, da war abzusehen – jedenfalls für jemanden, der wie ich in Westberlin lebt und keinen engem Kontakt über Schriftsteller immer in den Osten hatte – dass dieses Regime es also offenbar doch nicht schafft, sich so zu wandeln, dass es überlebensfähig ist.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Spezial: Weltfestspiele 73

Übersicht

Einführung

Video-Interviews mit Zeitzeugen I

Video-Interviews mit Zeitzeugen II

Retroaktive Aktion Weltfestspiele 73

Die Weltfestspiele damals und heute

Chronik

Weltfestspiele in Zahlen und Fakten

Das Jahr 1973

Hinter den Kulissen des X. Festivals