Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index


Themen
Gesellschaft
WM 2006
WM-Länder
Angola
Zahlen und Daten
Argentinien
Australien
Brasilien
Costa Rica
Deutschland
Ecuador
Elfenbeinküste / Côte d´Ivoire
England
Frankreich
Ghana
Iran
Italien
Japan
Kroatien
Mexiko
Niederlande
Paraguay
Polen
Portugal
Saudi-Arabien
Schweden
Schweiz
Serbien und Montenegro
Spanien
Südkorea
Togo
Trinidad und Tobago
Tschechien
Tunesien
Ukraine
USA
Hintergrund
Spielplan WM 2006
Presseschau
Spiele
Angebote der bpb
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen
ZMI Universität Giessen Arte netzeitung.de Arte ZMI Universität Giessen taz Kulturstiftung des Bundes Berliner Konferenz Universität Duisburg-Essen Köln International School of Design
Suche
Dossier bpb.de

Dossier Fußball-WM 2006

Angola


 1 / 3 
weiter
Daniel Theweleit
Einleitung

Landesflagge Angola
 
Bis zum Beginn der europäischen Weltmeisterschafts-Qualifikation war es noch rund ein Jahr, da wäre für Angola der Traum von einer Turnierteilnahme beinahe schon zu Ende gewesen. Es war im Herbst 2003, die Europäer mühten sich noch um die Teilnahmeberechtigung für die Europameisterschaft in Portugal, da mussten die afrikanischen Nationen antreten zu einer Art WM-Vor-Vorrunde. Angola sollte gegen den Fußballzwerg Tschad spielen, in der Fifa-Weltrangliste weit hinter Ländern wie St. Kitts und Nevis oder Andorra angesiedelt, und verlor das Hinspiel mit 1:3. Der damalige brasilianische Trainer Ismael Kurtz wurde kurzerhand gefeuert, durch den heutigen Coach Luis Oliveira Goncalves ersetzt, und heute ist man sich einig, dass diese Niederlage ein Initiationsmoment war für den Fußball der westafrikanischen Nation. Unter größten Mühen konnten die Angolaner das Rückspiel 2:0 gewinnen und an der Qualifikationshauptrunde teilnehmen – der Beginn einer wundersamen Erfolgsgeschichte.

Zur Person
Daniel Theweleit, Jahrgang 1972, arbeitet als Journalist, Autor und Kolumnist für diverse Publikationen wie die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau oder Spiegel Online. Außerdem ist er in verschiedene fußballkulturelle Projekte involviert und fiebert bei der WM besonders mit den afrikanischen Mannschaften.

Genau genommen ist Angola ja selber ein Fußballzwerg, in Afrikas Rangliste stand das Land nie unter den ersten zehn, nur zwei Mal (1996, 1998) gelang zuvor eine Qualifikation für die Kontinentalmeisterschaft, und bis zum abschließenden 3:2-Sieg gegen Togo beim Afrika-Cup 2006 hatte man noch kein einziges Spiel bei diesem Turnier gewonnen. Eine WM-Teilnahme war bislang so utopisch wie eine Besiedlung des Mars.

26 Jahre Bürgerkrieg: Für Fußball war da wenig Platz

Die Gründe dafür sind schnell zusammen gefasst: "Krieg, Krieg, Krieg", sagt Alvaro de Almeida Mabi, und für einen kurzen Moment huscht ein Ausdruck tiefster Abscheu über sein fröhliches Gesicht. "Jahrelang wurde alles Geld nur in den Krieg gesteckt", erinnert sich der angolanische Assistenztrainer in flüssigem Deutsch. Zu DDR-Zeiten hat er für einige Jahre Sportpädagogik in Zwickau studiert. Nach seiner Rückkehr nach Angola Anfang der 1990er-Jahre arbeitete er unter bizarren Bedingungen als Trainer in der nationalen Liga. "Wir konnten zu den meisten Auswärtsspielen nicht mit dem Bus fahren, das war zu gefährlich", berichtet er. "Man musste fliegen, und auch da haben wir immer befürchtet, dass das Flugzeug abgeschossen wird. Außerdem war die Fliegerei teuer, einige Vereine hat das an den Rand des Ruins getrieben."

Fast drei Jahrzehnte befand sich das Land im Zustand kriegerischen Greuels. Nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal 1975 begann ein Bürgerkrieg um die reichen Bodenschätze des Landes, der 26 Jahre dauerte und eine Million Menschen das Leben kostete. Der Ligabetrieb wurde im Krieg aufrechterhalten, von einer Nationalelf, die diesen Namen verdiente, konnte man während dieser Jahre hingegen nur träumen.

Wie real die Bedrohung des eigenen Lebens war, zeigen die Schicksale einiger Nationalspieler, die ihre Familien während der grausamen Zeit verloren haben. Pedro Mantorras, ein Stürmer, der für Benfica Lissabon spielt, erzählt, "ich habe beide Eltern verloren, als ich 16 war, dann musste ich allein mit meinen Geschwistern überleben". Er erzählt das vollkommen nüchtern, es ist eine Alltagsgeschichte für einen Angolaner in seinem Alter. Nando Rafael von Borussia Mönchengladbach, ebenfalls ein gebürtiger Angolaner, hat Ähnliches erlebt. Seine Eltern starben als er Zehn war, doch Rafael hatte das Glück, dass ein Onkel ihn nach Holland holte. Mittlerweile spielt er für die deutsche U21-Nationalmannschaft. "Schade, dass er sich für Deutschland entschieden hat, er könnte ganz sicher bei uns spielen", sagt Mabi über den Bundesligaspieler, der bereits etwas erreicht hat, wovon viele der angolanischen WM-Teilnehmer nur träumen.


30. November 2005

 1 / 3  weiter


 
Druck-Version
Artikel versenden
Redaktion
Video
Fußball als politisches Mittel zum guten Zweck
Fußball als politisches Mittel zum guten Zweck
Kamerun, Nigeria oder Südafrika? Die großen Fußballnationen Afrikas fehlen diesmal bei der WM, so Hervé Tcheumeleu. Für den kamerunischen Journalisten steht dennoch fest, dass sich mit der Teilnahme "kleinerer" Staaten wie Togo oder Angola etwas bewegt im afrikanischen Fußball .

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home