Afrika
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Vorkoloniale politische Organisationsformen


5.12.2005
Im vorkolonialen Afrika gab es ganz unterschiedliche politische Herrschaftsformen. Diese gründeten jeweils auf verschiedenen Wirtschaftsweisen und Gesellschaftsformen, zu denen jeweils auch besondere Weltsichten und Religionen gehörten. Kontrovers wird die Frage diskutiert, ob in Afrika eine dezentrale oder absolute Herrschaftsform vorhanden war.


Auszug aus:
Informationen zur politischen Bildung (Heft 264) - Vorkoloniale politische Organisationsformen

Entdeckung und Ausbeutung Afrikas



Obwohl Afrika südlich der Sahara Europa relativ nahe liegt, ist es erst spät in das Bewußtsein der europäischen Öffentlichkeit getreten. Lange Zeit galt es als Land wilder Menschen und exotischer Tiere und wurde als dunkler Kontinent mystifiziert. In der Wahrnehmung von Politikern und Kaufleuten spielte es vor allem als Hindernis für den Seeweg nach Indien und China eine Rolle. Aufgrund des Fehlens einer Schriftsprache ist nur wenig über das kulturelle und wirtschaftliche Leben in afrikanischen Gesellschaften und über deren politische Organisationsformen bis in das 19. Jahrhundert hinein bekannt. Die Forschung ist hier auf mündliche Überlieferungen, auf die zeitgenössischen Berichte arabischer, portugiesischer und niederländischer Händler angewiesen, die schon lange vor den Fahrten der Entdeckungsreisenden und vor der Kolonialzeit Afrika erkundeten. Zum Teil handelt es sich bei den Analysen, die im Kapitel über vorkoloniale politische Organisationsformen vorgenommen werden, aber auch um historische Rückschlüsse, die auf den Beobachtungen der ersten europäischen Entdeckungsreisenden basieren.

Mit der Ausdehnung europäischer Kolonialreiche im 19. Jahrhundert werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Afrika präziser. Der kolonialen Eroberung Afrikas, die alles andere als ein Ruhmesblatt europäischer Geschichte ist, ging ein noch viel dunkleres Kapitel voraus: der transatlantische Sklavenhandel. Die Zahl der versklavten Menschen, die von Afrika vor allem nach Amerika "exportiert" wurden, belief sich auf mehrere Millionen. Zwar war Sklaverei für afrikanische Gesellschaften kein unbekanntes Phänomen, doch hat diese Form der innerafrikanischen Sklaverei nie die menschenverachtende Dimension des transatlantischen Sklavenhandels erreicht.

Während die Auswirkungen des Sklavenhandels auf die afrikanischen Kulturen und deren Entwicklung zweifellos negativ waren, wird die Debatte um die Folgen des Kolonialismus nach wie vor kontrovers geführt. Im Gegensatz zu den sechziger, siebziger und achtziger Jahren, als ausschließlich dessen negative Auswirkungen für die afrikanischen Gesellschaften betont wurden, flossen in die Diskussion der neunziger Jahre auch Überlegungen über mögliche positive Folgen. Zuweilen wurde der Kolonialismus, der in Afrika weniger als hundert Jahre dauerte, aber auch als bloße Episode afrikanischer Geschichte bagatellisiert. Das Kapitel über den Kolonialismus versucht durch eine Analyse der kolonialen Strukturen und ihrer Auswirkungen, die Leserinnen und Leser in die Lage zu versetzen, selbst ein Urteil über dessen Stellenwert zu fällen.

Ende der fünfziger Jahre begann die Phase der Dekolonisierung. Binnen weniger Jahre lösten sich die riesigen Kolonialreiche Frankreichs und Großbritanniens in Afrika südlich der Sahara auf. In den siebziger Jahren erlangten auch die portugiesischen Kolonien ihre Unabhängigkeit. Nachdem dies auch Namibia und Simbabwe gelungen war und Eritrea sich von Äthiopien abgespalten hatte, zählt die Region südlich der Sahara 48 selbständige Staaten. Der Prozeß der Dekolonisierung, der im Kapitel "Staatliche Unabhängigkeit seit Ende der fünfziger Jahre" dargestellt wird, war für die meisten afrikanischen Staaten schmerzhaft. Sie traten ein schwieriges soziales, wirtschaftliches und politisches Erbe an.



 

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