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Europäische Identität
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Europa basiert auf gleichen säkularen Werten |  |
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Drei Fragen an Meliha Benli Altunisik |
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Professor Meliha Benli Altunisik
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Beschreiben Sie, wie Sie Europa definieren – jenseits seiner wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen.
In der EU gibt es eine Diskussion über die Europäische Identität und dabei sehr verschiedene Sichtweisen. Auf der einen Seite gibt es eine Richtung, die mehr auf kulturelle Werte und vor allem auf Religion als ein besonders wichtiges Element der europäischen Identität abzielt. Dann gibt es eine andere, säkularere Weise, Europa zu betrachten. Ihr sind die säkularen Werte wichtig: Demokratie, Menschenrechte, Recht und Ordnung und ein freier Markt. Als Türkin bin ich natürlich eher daran interessiert, europäische Identität nach der zweiten Sichtweise zu beschreiben, denn nach der ersten hätte die Türkei keinen Platz in der EU, wenn diese sich als Union versteht, die auf religiöser Identität basiert. Aber das wäre auch für die EU selbst schwierig, denn es gibt viele und nicht zu geringe Unterschiede zwischen Katholiken, Protestanten, Orthodoxen etc. Manchmal sind die Unterschiede zwischen diesen Gruppen größer als die zwischen säkularen Türken und den Europäern allgemein. Außerdem gibt es bereits jetzt eine große muslimische Bevölkerungsgruppe in Europa, und zwar nicht nur innerhalb der EU-Staaten, sondern auch auf dem Balkan, dessen Länder zu Europa gehören.
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Zur Person |
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Professorin Meliha Benlin Altunişik Professorin und Leiterin des International Relations Department der Middle East Technical University in Ankara. Verschiedene Publikationen, u.a. zur Rolle der Türkei als Modell für die Demokratisierung des Mittleren Ostens.
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 |  | Ich denke nicht, dass es in der Debatte um eine Europäische Identität besonders sinnvoll ist, den Aspekt der Religion zu betonen. Wie ich schon sagte: Als Türkin sehe ich Europa vielmehr als Union, die auf den gleichen säkularen Werten basiert, die ich als Individuum schätze. Ich denke, der Aufnahme-Prozess wird dazu beitragen, diese Werte in der Türkei noch fester zu verankern. In der Türkei wird es noch weitergehende Veränderungen geben. Ich glaube nicht, dass dies nur an externen Faktoren liegt, denn es gibt in der Türkei ein allgemeines Interesse, das Land in puncto Demokratie und anderer Werte zu verändern. Der EU-Prozess beschleunigt diese Bemühungen. Das ist für die Türkei sehr gut.
Der kulturelle Einigungsprozess, die Vertiefung der EU, wird mittlerweile als wichtiger Bestandteil der Einigung betrachtet. Wo steht die Türkei in diesem Prozess momentan, welche Rolle könnte sie dabei einnehmen?
Im Moment gibt es eine Krise in der EU, aber bislang ist die EU aus jeder Krise gestärkt hervorgegangen. Ich glaube, dass die Idee der europäischen Integration fortbestehen und sich weiterentwickeln wird – und diese Krise meistern wird. Die Türkei sollte sich schon jetzt mehr mit dieser Debatte befassen und nicht abwarten, bis sie selbst Mitglied ist. Das gilt nicht nur für den türkischen Staat, sondern auch für die türkische Gesellschaft und die zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie sollten verstärkt Verbindungen zu anderen Gruppen in Europa eingehen, die die gleichen Interessen haben und so ein Teil der Debatte werden. Da die Art, wie sich Europa weiterentwickeln wird, Konsequenzen für die Türkei haben wird, sollte sie sich an der Debatte beteiligen. Bislang hat sie sich wenig beteiligt, aber da es im Moment viele Menschen gibt, die genau das als kritisch ansehen, hoffe ich, dass es sich in naher Zukunft ändern wird.
Welche Rolle spielen kulturelle und religiöse Fragen beim Beitrittsprozess, verglichen z.B. mit wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen Interessen?
Verschiedene Leute in der EU haben unterschiedliche Meinungen darüber, welche Rolle die Religion spielen sollte. Für einige ist Kultur die wichtigste Sache überhaupt. Diese Leute sehen keinen Platz für die Türkei in der EU. Sie bevorzugen eine andere Art von Beziehung zur Türkei, aber keine Mitgliedschaft. Andere schauen eher nach dem Sicherheitsaspekt. All diese Perspektiven sind von Bedeutung, solange sie nicht exklusiv verstanden werden. Die Türkei aufzunehmen wäre eine äußerst mächtige Botschaft an den Rest der muslimischen Welt, und zwar, dass es keinen "Kampf der Kulturen" gibt. Die Botschaft würde lauten: Wenn man bestimmte Normen und Prinzipien übernimmt, spielt es keine Rolle, ob man Muslim, Christ oder Jude ist. In diesem Zeitalter, in dem traurigerweise der "Kampf der Kulturen" zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung geworden ist und wir all diese Krisen in der Welt haben, wäre das eine starke Botschaft. Religiöse Fragen haben zwar auch eine Bedeutung, aber keine ausschließliche.
Das Interview entstand auf der Konferenz "The Importance of Being European: Turkey, the EU, and the Middle East" vom 13. - 15. Mai 2006 in Berlin.
14. Mai 2006 |  |
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