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Spezial: Weltfestspiele 1973
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Weltfestspiele in Zahlen und Fakten |

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Das Festival-Lied, die Aktion Banner und der Festivalfond
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Die Weltfestspiele seit 1947
- 15 mal haben die Weltfestspiele bislang stattgefunden
- in 12 Städten
- in Moskau, Ost-Berlin und Havanna fanden die Weltfestspiele sogar zweimal statt
- auch außerhalb des kommunistischen Machtbereichs wurde das Jugendfestival gefeiert: 1959 in Wien und 1962 in Helsinki
- die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Moskau 1957 verzeichnen: rund 34.000
- die meisten Nationalitäten, nämlich 177, waren 1989 in Pjöngjang vertreten
- die längste Pause zwischen zwei Weltfestspielen betrug acht Jahre - 1989 fanden die XIII. Weltfestspiele in Pjöngjang statt und die nächsten erst 1997 in Havanna
- wann die nächsten Weltfestspiele stattfinden, ist noch unklar und auch der Ort - aber im Gespräch ist Hanoi
Die X. Weltfestspiele 1973 in Ost-Berlin
- in der "Haupstadt der DDR" trafen sich 25.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 140 Staaten
- innerhalb von neun Tagen kamen rund 8 Millionen Besucherinnen und Besucher nach Ost-Berlin
- auf 95 Bühnen traten Singeklubs auf und es gab Rock- und Beatkonzerte
- es gab zahlreiche propagandistische Demonstrationsveranstaltungen, darunter die Großkundgebung "Die Jugend der DDR grüßt die Jugend der Welt"
- in einem Preisausschreiben im Mai 1972 wurde das Festival-Lied gekürt: "Die junge Welt ist in Berlin zu Gast, und sie schert sich nicht darum, ob es dem Feinde paßt"
- ein Massenchor von rund 5.000 Sängerinnen und Sängern stimmte das Lied während des Jugendfestivals an
- im Februar 1972 wurde das Nationale Vorbereitungskomitee der Weltfestspiele gegründet, dazu zählten 118 Personen, die die verschiedensten Berufsgruppen abbildeten, unter Leitung von Erich Honecker
Die "Aktion Banner"
- das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) war sowohl an der Vorbereitung als auch an der Durchführung der Weltfestpiele beteiligt
- unter dem Decknamen "Aktion Banner" entstand ein gigantischer Kontroll- und Sicherungsapparat
- 4.260 hauptamtliche Mitarbeiter des MfS überwachten das Jugendfestival und seine Gäste
- der Polizeipräsident von Ost-Berlin konnte auf 19.800 Volkspolizisten zurückgreifen
- die Nationale Volksarmee setzte ihre Eliteeinheit, das Motschützenregiment 1, ein Pionierbataillon und eine Hubschrauberstaffel in erhöhte Alarmbreitschaft
Kontrolle und Repression
- 2.293 Personen wurden "vorsorglich" verhaftet
- gegen 2.982 Personen wurden bereits im Vorfeld der Weltfestspiele "staatliche Kontrollmaß- nahmen" wirksam
- gegen 2.577 Personen wurden weitere Maßnahmen eingeleitet, wie die Überwachung der Wohnung oder die Verkürzung der Meldepflicht
- 800 Personen mussten die "Hauptstadt der DDR" verlassen
- 477 wurden in die Psychatrie eingewiesen
- 574 Personen wurden mit Urlaubssperre belegt
- mit 19.779 Bürgerinnen und Bürgern führte das MfS Gespräche, um sie von einer Reise zu den Weltfestspielen abzuhalten
- während der Weltfestspiele wurden lediglich 24 Festivalteilnehmende verhaftet
- der Kontroll- und Sicherungsapparat vor und während der Weltfestspiele funktionierte
"Planübererfüllung" für die Weltfestspiele - der Festivalfond
- 1972 wurde ein Festivalfond eingerichtet, um das Jugendfestival zu finanzieren
- die DDR-Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, sich daran zu beteiligen
- Ende 1972 umfasste der Festivalfond bereits 8 Millionen Mark und im Januar 1973 waren es 15 Millionen Mark
- allein der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund spendete 1 Million Mark
- der Kreativität waren keine Grenze gesetzt, es gab eine Festivallotterie und Preisausschreiben
- auch die Jugendlichen in den Volkseigenen Betrieben (VEB) trugen durch Mehrarbeit und "Planübererfüllung" zum Gelingen der Weltfestspiele bei
- weitere 85 % ihres zusätzlichen Lohns musste der VEB noch einmal auf ein Sonderkonto einzahlen, das "Konto junger Sozialisten"
- auch die Freie Deutsche Jugend (FDJ) half tatkräftig mit
- der Jugendverband zählte 1973 1,9 Millionen Mitglieder, davon waren ab März 1,7 Millionen FDJler mit "Festivalaufträgen" beschäftigt, wie Plakate malen und Unterkünfte organisieren
- um die Jugendlichen gegen die westdeutschen und westberliner Delegationen argumentativ zu wappnen, gab es spezielle Schulungslager für FDJler und regelrechte Diskussions-Übungen
Die Delegationen aus Westdeutschland und West-Berlin
- aus Westdeutschland und West-Berlin reisten 800 Jugendliche an
- zu den IX. Weltfestspielen in Sofia waren die Jugendlichen noch als gemeinsame Delegation, Arbeitskreis Festival (AKF), angereist
- nach Ost-Berlin reisten die Jugendlichen in verschiedenen Delegationen
- als AKF nahmen diesmal nur die prosowjetisch orientierten Jugend- und Studentenorganisationen teil: der Sozialistische Hochschulbund und der Marxistische Studentenbund Spartakus (eine Jugendorganisation der Deutschen Kommunistischen Partei)
- die Gruppen gemäßigter politischer Ausrichtung reisten als lose Koordinierungsgruppe zu den X. Weltfestspielen: Sozialistische Deutsche Studenten, Sozialistischer Hochschulbund, Jungsozialisten, Bund der deutschen Pfadfinder, Deutsche Beamtenbund-Jugend, Deutsche Esperanto-Jugend, Deutsche Jungdemokraten, Deutsche Schreberjugend, Gewerkschaftsjugend des DGB, Jugend der DAG
Quellen:
Wolle, Stefan: Die heile Welt der Diktatur, Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Schriftenreihe der bpb, Band 349, Bonn, 1999.
Breßlein, Erwin: Die Weltjugend und der Dogmatismus. Geschichte und Problematik der Weltjugendfestspiele, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 22/73, Juni 1973. |
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10. März 2010
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Spezial: Weltfestspiele 73 |
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Schwerpunkt |
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Geschichte der DDR
"Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt", so begann die Hymne der Deutschen Demokratischen Republik. Doch schnell drifteten Ideologie und Alltag auseinander: Unfreiheit, Bespitzelung und eine knappe Versorgungslage prägten das Leben der Menschen. |
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Schriftenreihe |
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Die heile Welt der Diktatur
Alltag in der DDR war ein Seiltanz zwischen Anpassung und Aufbegehren: Die Widrigkeiten der Mangelwirtschaft, der politische Druck - aber es gab auch schöne Seiten. Stefan Wolle gelingt es, die widersprüchlichen Bilder zusammenzufügen. |
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