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Kindermedien boomen

Kinder - ein großartiges Publikum


Von Inge Seibel-Müller

WDR-Kinderstudio
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Spielerisch die Medienwelt entdecken - im WDR Kinderstudio. Foto: WDR/Herby Sachs
Der Westdeutsche Rundfunk hat ein neues Projekt gestartet: das WDR-Kinderstudio in den Kölner WDR Arkaden. Hier können Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 5 aus ganz Nordrhein-Westfalen künftig in die Rolle von Fernseh- und Radiomachern schlüpfen und spielerisch die Medienwelt entdecken. Die Kinder experimentieren hier mit Geräuschen und produzieren eigene Klangkollagen und Mini-Hörspiele, die sie, auf CD gebrannt, direkt mit in die Schule nehmen dürfen. Passend dazu gibt es ein virtuelles Kinderstudio im Netz.

Dieses Projekt ist ein weiteres Indiz dafür, dass Kindermedien boomen und Kinder diese Angebote auch nutzen wollen. Diesen Eindruck teilt auch bpb-Präsident Thomas Krüger, auf dessen Initiative die 2. Kindermedienkonferenz der Bundeszentrale für politische Bildung im Dezember in Potsdam stattfand.

Rund 120 Journalisten aus allen Mediengattungen trafen sich zu einer Tagung, deren Charme auch darin lag, dass "alle Teilnehmer selbst Experten sind", wie Krüger betonte. Die einmalige Gelegenheit, sich über alle Mediengattungen hinweg auszutauschen, wurde rege genutzt. Es war ein Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Qualitativ hochwertige Angebote wurden vorgestellt und Referenten aus Politik und Medienwissenschaft berichteten über Studien zum sich wandelnden Medienverhalten von Kindern im digitalen Zeitalter.

kuppelkucker
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kuppelkucker.de ist das Angebot des Deutschen Bundestages für Kinder.
Auch wenn das Fernsehen für Kinder noch immer eine bedeutsame Rolle spielt, der Siegeszug des Internets ist unaufhaltsam. In jeder vierten Kinderstube der 6- bis 13-Jährigen steht laut der aktuellen KIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest bereits ein eigener Computer: Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Angebote der Kindermedienproduzenten. In der bunten Bilderflut der digitalen Welt sind Konzepte und Strategien für Kindermedien gefragt, die unterhalten, emotional bereichern und Kindern die Welt in ihrer Sprache erklären.

Eine dramatische Veränderung der kindlichen Erlebniswelten im Vergleich zu früheren Generationen sieht Professor Burkhard Fuhs, Erziehungswissenschaftler aus Erfurt. Lernen fokussiere sich nicht mehr allein auf das formale Lernen in den Schulen. Das Elternhaus und was in der Freizeit rezipiert wird, werde immer wichtiger. Durch die interaktiven und multimedialen Angebote im Internet würden Kinder heute viel mehr gefordert. Dieser neuen Lernsituation müssten sich die Medien verantwortungsvoll mit ihrem Angebot für Kinder stellen.

Uschi Reich
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"Kinder sind ein großartiges Publikum", meint Filmproduzentin Uschi Reich.
"Kinder sind ein großartiges Publikum", schwärmte die Filmproduzentin Uschi Reich, "sie sind ehrlich und lassen sich nichts vormachen. Sie wollen mitfiebern, leiden und lachen." Die erfolgreiche Produzentin von Kinder- und Jugendfilmen wie "Bibi Blocksberg", "Pünktchen und Anton" und "Die wilden Hühner" beobachtet allerdings in den letzten zehn Jahren eklatante Veränderungen in den Sehgewohnheiten bei Kindern. Vom Fernsehen an ständige "Action" gewohnt, müsse sich dem auch die Erzählweise im Kinder- und Jugendfilm durch ständig hohe Spannungsbögen anpassen. Selbst der Begriff "Kinderfilm" sei bei der Zielgruppe mittlerweile verpönt. Bereits 12-Jährige orientierten sich eher an Erwachsenenfilmen. Uschi Reich bedauerte aber auch den Mangel an guten Kinderdrehbüchern in Deutschland. Es fehle an Poesie, an Kraft und Tiefe in der Geschichtenführung.

Maja Goetz
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Dr. Maja Götz
"Achten Sie immer auf die Reaktionen der Kinder und begegnen Sie ihnen nicht nur kognitiv, sondern mit großer Wertschätzung", lautete der Rat von Dr. Maya Götz an die Konferenzteilnehmer. Die Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk hatte Film- und Studienmaterial mitgebracht, um das Aufmerksamkeitsverhalten bei Kindern anschaulich zu demonstrieren.

Für Andrea Kallweit, Medienpsychologin bei jugendschutz.net gibt es entscheidende Punkte die ein qualitativ hochwertiges Medienangebot für Kinder ausmachen: Sicherheit und Interaktivität, multimediale Elemente und der Spass für die ganze Familie, ein Angebot, das Kinder und Eltern gemeinsam nutzen können.

HanisauLand
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Ein ganzes Internetportal für Kinder gibt es seit 2002 auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Es nennt sich "HanisauLand". In "HanisauLand.de" bauen Hasen, Nilpferde und Säue gemeinsam eine Demokratie auf und führen Kinder spielerisch in die Welt der Politik ein. Die Idee zu dem Projekt hatte Sabine Berthold. "Meine Tochter, die 2002 zehn Jahre alt war, hat mich zu diesem Projekt inspiriert", sagt Berthold, die seit 1984 viele Printprodukte bei der Bundeszentrale für politische Bildung betreut und für "HanisauLand" verantwortlich zeichnet. Im politischen Bereich gab es für Kinder damals so gut wie keine Angebote, auch sonst war es schwer, gute Internetseiten für Kinder zu finden. "Heute hat sich das geändert", sagt Sabine Berthold, "das Projekt "Ein Netz für Kinder" hat für Sicherheit gesorgt." In den drei Jahren zwischen den beiden Kindermedienkonferenzen sieht die HanisauLand-Macherin auch enorme Fortschritte für die Arbeitsgrundlagen der Medienmacher: "Die Aufbruchstimmung wurde abgelöst durch solide Arbeit. Was noch immer fehlt, ist eine umfassende Anerkennung dieser wichtigen Medienarbeit gerade für Kinder. Das lässt sich schon allein an der nicht allzu üppigen Personalausstattung in den Redaktionen erkennen."

Bei HanisauLand kümmern sich vier Mitarbeiter um die Beantwortung von Kinderfragen. Auf der Site gibt es viele Interaktionsmöglichkeiten. Es gibt ein Politlexikon für Schulklassen und eine siebenteilige Comicserie, in der Politik spielerisch erklärt wird.

"Die Zusammenarbeit mit der Presse ist gut," sagt Sabine Berthold. Viele Zeitungen übernehmen Inhalte oder verweisen auf HanisauLand. Enge Vernetzungen gibt es auch mit Radiosendern wie Lilipuz, dem Kinderradio des WDR. Für weitere Kooperationen ist man bei der Bundeszentrale für politische Bildung immer offen.


 
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HanisauLand
In HanisauLand bauen Hasen, Nilpferde und Säue gemeinsam eine Demokratie auf. In Bärbels Bücherkiste finden Eltern und Kinder Lesetipps, und das Politik-Lexikon erklärt politische Begriffe einfach und schnell.
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