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Dossier - China
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Politische Geschichte Chinas 1900-1949 |
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| Thoralf Klein |
Chinas politische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine Phase des Übergangs nach dem Ende der Monarchie, in der mit verschiedenen politischen Systemen experimentiert wurde. Dass sich schließlich der chinesische Kommunismus durchsetzte, ist eher einer Kombination aus strukturellen Faktoren und manchen Zufällen zu verdanken.
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| Die Beerdigung von Sun Yatsen. (Foto: AP) |
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 |  | Chinas politische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine Phase des Übergangs nach dem Ende der Monarchie, in der mit verschiedenen politischen Systemen experimentiert wurde. Eine Kombination aus strukturellen Faktoren und Zufällen führte schließlich zur Durchsetzung des chinesischen Kommunismus.
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Zur Person |
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Thoralf Klein (geb. 1967): Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Erfurt. Studium an den Universitäten Bonn, Guangzhou (VR China) und Freiburg/Breisgau. Promotion 1995, Habilitation 2007. Forschungsschwerpunkte: Chinesische Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Geschichte der Religion in China (besonders des Christentums), Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen, Kolonialgeschichte. Wichtigste Veröffentlichungen: Geschichte Chinas. Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2007; Kolonialkriege. Studien zur militärischen Gewalt im Zeichen des Imperialismus, Hamburg 2006 (mit Frank Schumacher, Hrsg.).
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 |  | Reform oder Revolution
Der Beginn dieser Entwicklung lässt sich um 1895 ansetzen, als das alte monarchische System erstmals prinzipiell in Frage gestellt wurde und Alternativen formuliert und in die Praxis umgesetzt wurden. Dies erfolgte aus zwei Richtungen: Innerhalb der konfuzianischen Literaten entwickelte sich infolge der demütigenden Niederlage gegen Japan, die 1895 zur Abtretung Taiwans geführt hatte, eine Bewegung zur Reform von Staat und Gesellschaft. Unter ihrem Einfluss setzte der junge Guangxu-Kaiser 1898 die "Reform der Hundert Tage" ins Werk. Angestrebt wurden ein modernes Erziehungswesen, die Verschlankung der Bürokratie und das Recht aller Untertanen, sich direkt an den Kaiser zu wenden. Ein Staatsstreich konservativer Hofkreise um die Kaiserinwitwe Cixi (1835-1900) machte jedoch diese Reformen mit einem Schlag zunichte.
Die politische Konstellation änderte sich jedoch radikal, als sich Cixi und die Konservativen am Hof im Frühsommer 1900 zur Unterstützung der volksreligiösen Boxerbewegung gegen den ausländischen Einfluss in China durchrangen. Die Attacken der Boxer lösten eine Militärintervention von acht Staaten in Nordchina aus, dier im September 1901 durch einen für China demütigenden Friedensschluss ("Boxerprotokoll") beendet wurde. Zwar hielten sich die Schäden des Krieges in Grenzen; vor allem kam es nicht zur von vielen Zeitgenossen befürchteten Aufteilung Chinas, da die USA mit ihrer "Open-Door-Note" von 1899 ein für allemal einen gleichberechtigten Zugang aller Mächte zum chinesischen Markt durchgesetzt hatten. Dennoch sah sich die Qing-Dynastie gezwungen, sich eine grundlegend neue Legitimationsbasis zu schaffen.
Parallel zum Versuch, die Kaiserherrschaft zu reformieren, entwickelte sich eine revolutionäre Bewegung, welche die Monarchie stürzen und China in eine Republik verwandeln wollte. Sie war zunächst unter den Überseechinesen in Südostasien und Nordamerika erfolgreich. Ihr wichtigster Führer war der christliche und westlich ausgebildete Arzt Sun Yatsen (1866-1925). Seit 1895 unternahm Sun eine ganze Reihe separatistischer Aufstände, die letztlich allesamt scheiterten. Langfristig wirksamer war die Gründung der "Chinesischen Revolutionären Allianz" ("Tongmenghui") 1905 in Tokio, die in den Folgejahren ein revolutionäres Netzwerk in China aufbaute.
So war zunächst der 1901 vom Kaiserhof initiierten Reformpolitik der größere Erfolg beschieden. Ihr politisches Kernstück war die Ausarbeitung einer Verfassung, die China in eine konstitutionelle Monarchie verwandeln sollte. Dabei geriet der Hof zunehmend unter den Druck der gesellschaftlichen Elite, die auf umfassendere und raschere Partizipationsmöglichkeiten drängte. Zugleich breiteten sich auch die revolutionären Netzwerke aus, insbesondere in Teilen der Armee.
Der Aufstand einer revolutionären Armeeeinheit in Wuchang am 10. Oktober 1911 führte trotz der großen Erfolge der Reformpolitik rasch den Zusammenbruch der Monarchie herbei; der letzte Kaiser dankte Anfang 1912 im Alter von nur sechs Jahren ab. Angesichts des politisch-militärischen Patts zwischen den Republikanern um Sun Yatsen im Süden und den Konservativen um den hohen Verwaltungsbeamten und Offizier Yuan Shikai (1859-1916) im Norden trat Sun im Frühjahr 1912 das Amt des Präsidenten an Yuan ab. Die gleichzeitig in Kraft getretene Provisorische Verfassung erklärte China zu einer Republik nach US-amerikanischem Muster.
Die fragile Republik
Dieser jungen Republik war keine politische Stabilität beschieden. Der autoritäre Yuan Shikai verbot die stärkste politische Kraft, die von politischen Weggefährten Sun Yatsens gegründete Nationalpartei (Guomindang, GMD). Er ließ sich eine auf seinen Herrschaftsanspruch zugeschnittene Verfassung zurechtschneidern, stützte sich in der Praxis aber vor allem auf das Militär. Binnen weniger Jahre hatte Yuan seinen politischen Kredit verspielt: Bei der städtischen Bevölkerung machte er sich unbeliebt, als er im Frühjahr 1915 die 21 Forderungen der japanischen Regierung annahm, die Tokio weitgehende territoriale, wirtschaftliche und politische Rechte in China verleihen sollten. Im republikanisch gesinnten Militär verlor er seinen Rückhalt, nachdem er sich Ende des Jahres zum Kaiser proklamiert hatte. Nach dem Tod Yuans im Frühjahr 1916 zerfiel China vollends in regionale Herrschaftsbereiche von als Warlords ("junfa") bezeichneten Militärführern, die sich untereinander permanent befehdeten.
Auswege aus dieser Krise suchten vor allem eine neue soziale Gruppe, die Intellektuellen. Aus ihren Reihen rekrutierten sich die Anhänger der "Bewegung für neue Kultur", die seit 1915 eine umfassende kulturelle Erneuerung Chinas forderte. Als angebliche Ursache der Misere Chinas sollte die konfuzianische Weltanschauung durch neue Leitbilder abgelöst werden: moderne Wissenschaft, individuelle Freiheit und Demokratie. Einen politischen Charakter nahm die Bewegung seit dem Mai 1919 an, als die Versailler Friedenskonferenz die deutschen Sonderrechte in der Provinz Shandong nicht an China zurückgab, sondern sie Japan übertrug, obgleich China 1917 in den Krieg gegen das Deutsche Reich eingetreten war. Die sogenannte "4.-Mai-Bewegung" (nach dem Datum der ersten großen Demonstration) entwickelte einen antiimperialistischen Nationalismus und setzte sich auch erstmals systematisch mit den Lehren des Marxismus auseinander. Indem sie die gesprochene Umgangssprache als Schrift- und Literatursprache durchsetzte, leistete sie zudem einen Beitrag zur Massenwirksamkeit politischer Ideen. Sie bildete daher eine Brücke zur Entstehung moderner Massenparteien in den 1920er-Jahren.
07. August 2008 |
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Themenblätter im Unterricht |
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Olympialand China
Die Olympischen Spiele 2008 in Peking stehen im Mittelpunkt einer breiten politischen Debatte. Bedeutende Ereignisse im Vorfeld der Spiele heizen die Diskussionen weiter an. |
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Informationen zur politischen Bildung |
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Volksrepublik China
Im 21. Jahrhundert wird China zur Weltmacht aufsteigen. Den guten Entwicklungschancen stehen große Risiken gegenüber. Wie China diesen Herausforderungen begegnet, wird sich weltweit auswirken. |
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Sportpolitik und Olympia
Zweifellos wird China seine Chance als Gastgeber der Olympischen Spiele sportlich und ökonomisch nutzen. Ob die Spiele auch gesellschaftlich etwas bewirken, wird sich erst viel später zeigen. |
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