Dossierbild Afrikanische Diaspora
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Die Weltkonferenz gegen Rassismus 2001

Ihre Bedeutung für Afrika und die afrikanische Diaspora


10.8.2004
Die Weltkonferenz gegen Rassismus von 2001 lenkte die Aufmerksamkeit auf jene Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft unterdrückt und ausgenutzt werden. Sklaverei und Kolonisierung sollten dabei mit Hilfe von NGO's stärker im Bewusstsein der Bevölkerung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt werden. Ist diese Forderung bis heute erfüllt worden?

Logo der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban. (© UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus)
Als symbolische Anerkennung und in Würdigung des Kampfes der Südafrikanerinnen und Südafrikaner um die – zumindest offizielle – Abschaffung der Apartheid wurde die "Weltkonferenz gegen Rassismus, rassistische Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz" vom 31. August bis 7. September 2001 in Durban, Südafrika abgehalten. Die beiden Weltkonferenzen von 1973 und 1982 in Genf hatten ausschließlich Apartheid zum Thema. Andere rassistische (staatliche) Praxen wurden nicht beleuchtet. Des Weiteren war die NGO-Beteiligung auf ein Minimum beschränkt.[1]

Diese dritte Weltkonferenz gegen Rassismus brachte im Vergleich zu den beiden vorangegangenen
  • einen Perspektivenwechsel zu den Opfern von Rassismus,
  • eine Erweiterung des Themenspektrums, in dem andere, heutige Formen von Rassismus ins Blickfeld gerückt wurden[2]
  • und eine stärkere Einbindung von Nichtregierungsorganisationen.

Themenkomplexe



Unter dem Slogan "United to combat Racism. Equality. Justice and Dignitiy for all" einigte sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen auf fünf Themenkomplexe. Diese waren kurzgefasst:
  • Quellen, Ursachen, Formen und gegenwärtige Manifestation von Rassismus,
  • Opfer von Rassismus,
  • Maßnahmen zur Prävention,
  • Maßnahmen zur Wiedergutmachung und Kompensation
  • und Strategien zur Verwirklichung von Gleichberechtigung[3]
Aus Schwarzer Perspektive waren auf der Weltkonferenz folgende Themen von zentraler Bedeutung:
  • Anerkennung der Sklaverei, des transatlantischen Sklavenhandels und der Kolonisierung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als hauptsächliche historische Quellen und Manifestation von Rassismus,
  • förmliche Entschuldigung für die begangenen Verbrechen (Menschenrechtsverletzungen, Raub, Ausbeutung etc.) seitens der Verursacherstaaten,
  • neben sozialen, psychologischen und politischen, auch ökonomische Aspekte von Rassismus
  • sowie Reparationen im Sinne von sozialem und ökonomischem Ausgleich für Afrika und die afrikanische Diaspora, die auch die bis heute andauernden Auswirkungen dieser Verbrechen einschließen; dies bedeutet zum Beispiel nicht nur die Entschädigung unbezahlter Arbeit, sondern für den afrikanischen Kontinent auch konkrete Maßnahmen zur Erholung von der Zerstörung.
Diese Forderungen waren – wie nicht anders zu erwarten war – neben dem Themenkomplex Nahost (insbesondere das Verhältnis: Israel – Palästina) bereits im Vorfeld und während der Konferenz Hauptkonfliktpunkte.

NGO-Beteiligung




Polizeiaufgebot während der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban.Polizeiaufgebot während der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban, Südafrika 2001. (© Diaspo Afrique Paris)
Weltweit waren bereits im Vorfeld von Durban NGO's stark involviert. Ab 1997 begannen Schwarze Selbstorganisationen mit ihrer Lobbyarbeit zur Agenda. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Opfer von Rassismus und ihre Organisationen mit ihren Schwerpunkten nicht berücksichtigt worden. Dieses Engagement trug maßgeblich zum Perspektivenwechsel und zur Themenerweiterung in Durban bei. Diese intensive Arbeit wurde in regionalen und thematischen Vorbereitungskonferenzen[4] und in Schwerpunkt-Arbeitsgruppen – vor allem im "African and African Descendant Caucus" – in Durban fortgesetzt. Sie war und ist durch das Bewusstsein der Verbundenheit des afrikanischen Kontinents mit seiner Diaspora geprägt.

Die Einbindung der NGO's in Deutschland in den Prozess der Weltkonferenz geschah relativ spät. Dennoch war die Zusammenarbeit – im Vergleich zu anderen europäischen Staaten – vor und während der Konferenz gut. Neu war, dass der Anteil und die Anzahl von Repräsentantinnen und Repräsentanten der afrikanischen Diaspora in Deutschland an der NGO-Delegation relativ hoch war.


Fußnoten

1.
Zur Geschichte der Weltkonferenzen gegen Rassismus: A historical perspective: getting from here to there, Autor unbekannt; Think Papers of the World Conference against Racism: A joint publication of Human Rights Documentation Centre (HRDC), USA; International Service for Human Rights (ISHR), Switzerland and South Asia Human Rights Documentation Centre (SAHRDC), New Delhi; Juli 2001.
2.
Dies spiegelt sich bereits im erweiterten Titel der Konferenz wider.
3.
Offizielles Info-Material zur Weltkonferenz; deutsche Fassung: Informationszentrum der Vereinten Nationen (UNIC) Bonn und Informationsdienst der Vereinten Nationen (UNIS) Wien, August 2001.
4.
Der "African and African Descendants Caucus" hat sich im Vorfeld der Weltkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen Teilen der Welt gebildet und Forderungen für Durban in der "Vienna Declaration and Plan of Action" (April 2001) formuliert.

 

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