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Hintergrund aktuell (06.03.2008)
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Weltfrauentag 2008Der Internationale Frauentag am 8. März stellt die Rechte der Frauen in den
Mittelpunkt. Vieles, was die Frauenbewegung im Laufe der Zeit erkämpft hat,
gilt heute als selbstverständlich. Doch immer noch werden Frauen weltweit
unterdrückt, misshandelt und ihrer Rechte beraubt.
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1968: Mit öffentlichen BH-Verbrennungen forderten Frauen die Freigabe der Pille, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und das Ende der männlichen Vorherrschaft. Foto: AP
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Der Weltfrauentag blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Ins
Leben gerufen hat ihn die deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Er wird daher
je nach politischem Blickwinkel auch als "Tag der Arbeiterin" oder "Tag der
Sozialistin" gewürdigt. 1910 forderte Clara Zetkin auf dem II. Kongress der
Sozialistischen Internationale in Kopenhagen mehr Gleichberechtigung für
Frauen: "keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte." Ein Jahr später gingen
erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zum
Frauentag auf die Straße. Ihre zentrale Forderung: Einführung des
Frauenwahlrechts und Teilhabe an der politischen Macht. Außer in Finnland
durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen. In
Deutschland wurde Frauen dieses Recht 1918 zugestanden. Zum ersten Mal
konnten Sie 1919 an der Wahl zur Nationalversammlung der Weimarer Republik
teilnehmen. In der Schweiz sollte es noch mehr als 40 Jahre dauern, bis
Frauen im Jahr 1971 erstmals wählen durften.
Zahlreiche Legenden ranken sich um die Frage, warum der Internationale
Frauentag ausgerechnet am 8. März stattfindet. Eine dieser Legenden besagt,
dass im Jahr 1857 erstmals New Yorker Textilarbeiterinnen für Ihre Rechte in
einen Streik traten. Tatsache ist, dass Clara Zetkin während der zweiten
kommunistischen Frauenkonferenz im Jahr 1921 den 8. März als weltweites
Datum durchgesetzt hat. Die Historikerin Kerstin Wolff vom Archiv der
deutschen Frauenbewegung geht davon aus, Clara Zetkin habe sich dabei auf
eine Frauendemonstration vom 8. März 1917 in Russland berufen. Diese war der
Auslöser für eine Streikwelle in dem krisengeschüttelten Land, welche
wiederum den Sturz des Zarismus einleitete.
In Deutschland wurde der Internationale Frauentag unter der NS-Herrschaft
als sozialistischer Feiertag verboten. Stattdessen propagierten die Nationalsozialisten den Muttertag und die "biologische Verpflichtung" der Frau. Im Zuge der neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre gelangte er wieder in das Bewusstsein zurück. Seit den 1980er Jahren hat er in ganz Westeuropa wieder an Bedeutung gewonnen. Die Forderungen hingen wesentlich von den historischen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab: Zu Beginn des letzten Jahrhunderts kämpften Frauen für ihre fundamentalen politischen und bürgerlichen Rechte, wie etwa das Recht auf Bildung. In den 1960er und 70er Jahren erreichte die Frauenbewegung im Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 einen Höhepunkt. Wichtige Forderungen der Frauenbewegung heute sind die Frage nach der Rolle von
Frauen in politischen Entscheidungsprozessen sowie der weltweite Kampf gegen
Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Insbesondere in Kriegs-
und Krisengebieten sind Frauen alltäglicher Gewalt ausgesetzt und werden
ihrer fundamentalen Rechte beraubt. Auch in Deutschland ist jede vierte Frau
im Alter zwischen 16 bis 85 Jahren Opfer körperlicher Gewalt geworden.
Der diesjährige Internationale Frauentag rückt auch die wirtschaftliche
Situation der Frauen in den Mittelpunkt. Zwar sind heute in Deutschland rund
56 Prozent der Abiturienten junge Frauen, auf dem Arbeitsmarkt werden Frauen
aber nach wie vor benachteiligt. Eine Untersuchung des Statistischen
Bundesamtes vom Oktober 2007 ergab, dass vollzeitbeschäftigte
Arbeitnehmerinnen in Industrie, Handel und bei Banken im Durchschnitt nur 79
Prozent des Einkommens ihrer männlichen Kollegen erhalten. Die gesetzlich
festgeschriebenen Chancengleichheit im Sinne des Gender Mainstreaming ist in
der Praxis somit noch nicht vollkommen verwirklicht.
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